222222222222222222
Frauen schneiden im juristischen Staatsexamen schlechter ab als Männer (Foto: Belenos / Shutterstock.com) Frauen schneiden im juristischen Staatsexamen schlechter ab als Männer (Foto: Belenos / Shutterstock.com)
Studie

Frauen in Jura benachteiligt?

Werden Frauen im juristischen Staatsexamen aufgrund ihres Geschlechts schlechter bewertet? Dieser Frage gingen drei Forscher nach, die im Auftrag des Ministeriums der Justiz des Landes Nordrhein-Westfalen einen umfangreichen Datensatz auswerteten. Sie analysierten die Prüfungsergebnisse von über 20.000 Prüflingen aus den Jahren 2006 bis 2016. Die Resultate der Studie sind bemerkenswert.
 


So zeigt die Studie auf, dass Frauen im ersten und zweiten Staatexamen im Vergleich zu Männern schlechter abschneiden. Die Unterschiede liegen durschnittlich bei 0,29 und 0,14 Punkten. Da das Staatsexamen eine Notenskala von 0 bis 18 aufweist, erscheinen die Unterschiede auf den ersten Blick relativ gering. In der Realität liegt aber die Abschlussnote der meisten Absolventen zwischen 4,0 und 8,9 Punkten, was die Unterschiede schon größer erscheinen lässt. Noch extremer sind die Differenzen an der wichtigen Schwelle 9,0 Punkte. Ab dieser Punktzahl spricht man von einem Prädikatsexamen, welches im späteren Beruf zu einem signifikant höherem Einkommen führt. 12 Prozent weniger Frauen überspringen diese relevante Notenschwelle.
 


Wie diese Unterschiede zustande kommen, kann die Studie nicht genau erklären. Ob es also wirklich eine bewusste oder unbewusste Diskriminierung seitens der Prüfer gibt oder ob andere Faktoren eine Rolle spielen, ist nicht bewiesen. Es gibt allerdings einige Anzeichen dafür, dass es in den mündlichen Prüfungen tatsächlich zu einer Form der Diskriminierung kommt. So schneiden Frauen in der anonymen schriftlichen Prüfung nur um 0,116 Punkte schlechter ab als Männer, während es bei den mündlichen Prüfungen ganze 0,225 Punkte sind.
 


Des Weiteren hat die Zusammensetzung der Prüfungskommission einen signifikanten Einfluss auf das Abschneiden von weiblichen Studierenden. Die Forscher verglichen die Ergebnisse von Männern und Frauen, die im schriftlichen Teil die gleiche Klausurnote erhalten hatten. Bestand die Prüfungskommission bei der anschließenden mündlichen Prüfung ausschließlich aus Männern, sanken die Chancen der Frauen, die Notenschwelle von 9,0 Punkten zu überschreiten. Der Geschlechterunterschied lag in diesem Fall bei 6,1 Prozentpunkten. Trotz gleicher Klausurnote sind die Chancen auf ein Prädikatsexamen bei Frauen also deutlich niedriger - aber nur dann, wenn die Prüfungskommission ausschließlich männlich ist. Saß mindestens eine Frau in der Kommission, verschwanden die Unterschiede zwischen Studenten und Studentinnen. Eine sachliche Grundlage für dieses Phänomen scheint es nicht zu geben. Die Vermutung liegt also nahe, dass in diesem Fall tatsächlich eine Form der Diskriminierung stattfindet.

[PA]

FrauenMännerStudiejuristische StaatsexaminaStaatsexamenschlechter als MännerDiskriminierung