An der Universität von Utah installierte eine Studentin für Studierende, die von ihren Gefühlen überwältigt werden, einen "Heul-Schrank" (Foto: Chris Curtis / Shutterstock.com) An der Universität von Utah installierte eine Studentin für Studierende, die von ihren Gefühlen überwältigt werden, einen "Heul-Schrank" (Foto: Chris Curtis / Shutterstock.com)
University of Utah

"Heul-Schrank" in der Bib

Jeder Studi kennt das Problem: Man lernt für eine Klausur oder sitzt an einer Hausarbeit – und plötzlich wird alles zu viel. Zeitdruck, Stress, Versagensängste: Am liebsten will man nur noch losheulen. Gerade wenn man in der Bib sitzt, ist das eine unangenehme Situation. Da bleibt nichts anderes übrig, als die Tränen hinunterzuschlucken. Bisher jedenfalls: Denn eine Studentin der University of Utah hat eine Lösung entwickelt – den "Cry Closet", den "Heul-Schrank".
 


"Cry Closet"

Ein kleiner Schrank, mitten in der J. Willard Marriott Library der University of Utah – voll mit Kuscheltieren. Das ist die Kunstinstallation "Cry Closet" der Studentin und Künstlerin Nemo Miller. Sie hat den Schrank dort aufgebaut, um verzweifelten Studis in der Bib einen abgeschirmten Rückzugsort zu bieten. In einem Statement auf der Uni-Website erklärt sie, dass es ihr darum gehe, auf Emotionen und den Umgang mit ihnen in unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen. Denn Weinen in der Öffentlichkeit ist immer noch ein Tabu. Doch gerade bei Druck und viel Lernstress eine ganz normale Reaktion von Studis.

Fünf Regeln

An der Tür des "Cry Closet" hängt ein Schild mit fünf einfachen Regeln, wie der Schrank genutzt werden soll: Man muss vor dem Betreten immer zuerst anklopfen, nur eine Person darf sich darin aufhalten, die maximale Nutzungsdauer darf zehn Minuten betragen, vor dem Verlassen müssen Licht und Timer ausgeschaltet werden und zum Schluss soll ein Foto mit dem Hashtag #cryclosetuofu auf Social Media gepostet werden. Der "Cry Closet" ist komplett mit weichem Material ausgekleidet, damit keine Geräusche nach außen dringen.
 


Ein Viral-Hit

Miller scheint mit ihrer Kunstinstallation den Nerv der Zeit getroffen zu haben: Ihr "Cry Closet" ging innerhalb weniger Tage viral. Auch alle großen US-Medien berichteten darüber. Die Resonanzen waren durchweg positiv und zeigen: Wir müssen mehr reden. Mehr reden über Gefühle, Emotionen und darüber, wie wir damit umgehen. Denn es ist doch wirklich schade, dass wir alleine traurig sein und leiden, statt uns gegenseitig zu helfen sowie zu stärken.

Leider ist die Kunstinstallation mittlerweile vorbei – sie stand vom 22. April bis zum 2. Mai. Es bleibt abzuwarten, ob es an anderen Unis ähnliche Projekte geben wird bei all dem positiven Feedback. Doch am allerschönsten wäre es wohl, wenn wir irgendwann gar keine Schränke mehr bräuchten, sondern auch voreinander heulen könnten, oder?


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Die Autorin: Jana Schütt
Die Autorin: Jana Schütt

Die Autorin: Jana Schütt

1993 geboren. Aufgewachsen in einem Dorf in Niedersachen zwischen Kühen und katastrophalen Busverbindungen – gelandet in der zweitgrößten Stadt Deutschlands. Dann ging es für Jana erstmal ab in die Werbung, als Texterin arbeiten. Inzwischen ist sie an der Uni Hamburg, um etwas über Soziologie und Medien- und Kommunikationswissenschaften zu lernen. Die Pointer-Autorin mag kein Gemüse, Kartoffelchips findet sie aber voll okay. Größter Traum: Niklas Luhmann auf einen Pfefferminztee treffen.