Einer für alle, alle für einen?

Alptraum Arbeitsgruppe

published: 11.03.2019

Gruppenarbeit kann, muss aber nicht im Chaos enden (Foto: shutterstock.com/Rawpixel) Gruppenarbeit kann, muss aber nicht im Chaos enden (Foto: shutterstock.com/Rawpixel)

Kein Studium ohne Gruppenarbeit, kaum eine Stellenausschreibung ohne den Hinweis auf Teamfähigkeit. Auch wenn ihr kein ausgesprochener Fan von Arbeitsgruppen seid, kommt ihr in der Uni schwerlich um sie herum. Dort – so hofft man – sollt ihr wichtige soziale Kompetenzen erwerben, die euch für euer späteres Berufsleben wappnen. Die Techniker Krankenkasser hilft euch, die Nerven zu bewahren - und typische Fehler zu vermeiden.

"Ich mache die Arbeit für die anderen!"

Das typische Szenario: Ihr arbeitet, während eure Gruppenmitglieder Däumchen drehen. Ihr habt keine Ahnung, weshalb ihr immer wieder in diese Lage geratet? Vielleicht habt ihr keine Lust, euch mit den anderen zu streiten oder langwierige Diskussionen darüber zu führen, wer was machen soll. Oder traut ihr den anderen nicht zu, ein gutes Ergebnis abzuliefern, und macht die Arbeit deshalb lieber alleine?




Mit mehreren zusammenzuarbeiten ist nur dann fruchtbar, wenn alle eingebunden werden und das Gefühl haben, maßgeblich am Ergebnis beteiligt zu sein. Es geht nicht darum, eigene Vorstellungen eins zu eins zu verwirklichen, sondern gemeinsam ein Ziel zu erarbeiten, das die Summe eurer Kenntnisse darstellt. Erst dann sind alle Gruppenmitglieder motiviert, sich einzubringen.

Versucht also, die Organisation nicht gleich an euch zu reißen. Wenn ihr etwas abwartet, fühlen sich die anderen eher aufgefordert, sich auch zu beteiligen. Andererseits müsst ihr notfalls jedoch auch deutlich sagen, dass ihr nicht bereit seid, Aufgaben für andere zu übernehmen.

"Jeder arbeitet nur für sich!"

Szenario zwei: In euren Augen bedeutet Gruppenarbeit, dass alle Beteiligten am selben Thema arbeiten, jeder allerdings versucht, seine eigene Haut zu retten. Das bedeutet, ihr plant einfach eine von den anderen losgelöste Präsentation. Diese Form der Arbeitsgruppe herrscht vor allem dann vor, wenn nicht das Gesamtergebnis, sondern jedes Gruppenmitglied für sich benotet wird. Genau richtig, denkt ihr?

Oft ist es so, dass die Noten darunter leiden, wenn ihr euch vorher nicht gut absprecht. Allzu schnell überschneiden sich inhaltliche Aspeke. Dann wirft das Ergebnis der Gruppe einen dunklen Schatten auf die individuelle Leistung. Im schlimmsten Fall stehen eure Beiträge sogar in unmittelbarer Konkurrenz zueinander und stechen sich gegenseitig aus. Das Gefühl, gemeinsam etwas Gutes erreicht zu haben, bleibt bei dieser Art der Zusammenarbeit aus.

Wenn die anderen Gruppenmitglieder partout nicht mitmachen wollen, ist es meist schwer, alle von gemeinschaftlichem Arbeiten zu überzeugen. Schlagt dann jedoch zumindest vor, sich einmal zu treffen, um die Inhalte genau abzustecken. Danach kann jeder für sich arbeiten, ohne dass ihr euch ernsthaft in die Quere kommt.




"Jedes Detail wird zerredet!"

Typ drei ist für absolute Demokratie: Alle Gruppenmitglieder sind gleichberechtigt und sollten über jedes Detail informiert sein. Schließlich wollt ihr wissen, was euer Kommilitone später in eurem Namen vorträgt und er soll euch nicht blamieren oder nur ein lückenhaftes Wissen vorweisen. Allzu wörtlich genommene Gruppenarbeit behindert jedoch leicht. Wird jedes noch so kleine Detail zunächst in der Gruppe diskutiert und abgestimmt, verliert man sich schnell in Kleinigkeiten. Das Ziel, eure Präsentation, rückt in immer weitere Ferne. Nervereien und Demotivation machen sich in eurem Team breit.

In einem solchen Fall heißt es, sich durchzusetzen. Auch auf die Gefahr hin, anzuecken, solltet ihr versuchen, in Diskussionen schnell auf den Punkt zu kommen. Um das Bedürfnis der anderen nicht vollkommen zu übergehen, schlagt ihnen Zwischentreffen vor, um die Ergebnisse abzugleichen. Auch ist es möglich, kurz vor dem Abgabetermin einmal zu "proben", sodass jeder den anderen seinen Teil der Arbeit vorstellt.




Vorarbeit ist alles

Am leichtesten gelingt die "Herausforderung Gruppe", wenn ihr viel Mühe und Zeit in die Vorarbeit investiert. Im Gegensatz zur eigenständigen Arbeit ist es in Gruppen sehr wichtig, einzelne Schritte vorher festzulegen, damit sich alle an einen verbindlichen Plan halten können.

Versucht dabei, einen guten Mittelweg zwischen dem gemeinsamen Leitfaden und eigenständigen inhaltlichen Bereichen zu finden. Vereinbart gleich zu Beginn, wann ihr euch nochmals trefft, um allein recherchierte Ergebnisse abzugleichen und besprecht jeweils, was ihr bis zum nächsten Treffen erledigt haben wollt.

Natürlich ist es manchmal anstrengend und auch etwas nervig, sich auf Lösungen einzulassen, die euch nicht hundertprozentig zusagen. Vielleicht macht ihr aber auch die Erfahrung, dass andere Wege nicht immer die schlechteren sind und könnt noch etwas Neues lernen.

"Und was bringt mir das?"

Zum Schluss die gute Nachricht: Mal abgesehen davon, dass eure Gruppe euch bestenfalls davor bewahrt, Fehler vor der Professorin oder dem Dozenten zu machen, lernt ihr dort tatsächlich Dinge, die ihr euch nicht alleine beibringen könnt. Es ist wichtig, vor anderen seinen Standpunkt zu verdeutlichen, ohne dabei kompromisslos zu sein. Wer es schafft, das Wesentliche durchzusetzen, ohne sich mit der Gruppe zu zerstreiten, wird auch späteren Kollegen gegenüber ein sicheres aber faires Auftreten an den Tag legen.

Gleichzeitig beweist ihr, dass es euch gelingt, größere Projekte zu organisieren und planvoll vorzugehen. Da es dabei des öfteren zu Konflikten kommt, wächst sicherlich auch eure Diplomatie und die Fähigkeit, Probleme sachlich zu lösen. Letzten Endes handelt es sich bei all diesen Kompetenzen um nichts anderes als Teamfähigkeit - die ihr vor einem zukünftigen Personalchef dann ohne Flunkerei zu euren Qualitäten zählen dürft.

[Franzisca Teske]

ANZEIGE

Gefällt's? Teile es.

Das könnte dich auch interessieren:

Services
Service

Hochschulkarte

Suche

Mimadeo / shutterstock.com
Über 19.000 Studiengänge an 747 Hochschulstandorten
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung