Lomonossow-Universität Moskau

WM-Fanmeile direkt vor dem Campus

published: 30.06.2018

Vor den Toren der historischen Lomonosov-Universität in Moskau ist mittlerweile eine WM-Fanmeile für über 25.000 Leute errichtet (Foto: Mikhail Varentsov/Shutterstock.com) Vor den Toren der historischen Lomonosov-Universität in Moskau ist mittlerweile eine WM-Fanmeile für über 25.000 Leute errichtet (Foto: Mikhail Varentsov/Shutterstock.com)

Klirrende Scheiben, Gekreische, Polizei – an der Lomonossow-Universität (LMU) in Moskau herrscht momentan Ausnahmezustand. Schuld daran ist die Fußball-Weltmeisterschaft: Denn genau vor der prestigeträchtigen Uni wurde die Fanzone errichtet. Während vor der Uni die betrunken Fans grölen, protestieren die Studierenden: Die Fanmeile direkt vor den Toren der Uni ist eine extreme Geräuschbelästigung für sie, denn zu allem Überfluss fällt die Weltmeisterschaft genau in die Prüfungsphase – eine unerträgliche Situation.
 

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Extremsituation: 25.000 Fans direkt vor dem Campus

25.000 Fans feiern direkt vor den Toren der Uni, während sich Studis in Vorlesungen, Seminaren oder der Bibliothek zum Lernen und Konzentrieren zwingen müssen. Noch härter ist es für die ca. 6.000 Studis und Mitarbeiter, die auf dem Campus wohnen – sie können dem Chaos gar nicht entfliehen. Zeit, um sich auf die Extremsituation vorzubereiten, hatten die Studis kaum: Sie bekamen die Errichtung der Fanzone erst durch die Medien mit, extra informiert wurden sie vorher nicht.

Abgesperrter Campus – Studis fürchten um Sicherheit

Dass die Weltmeisterschaft ausgerechnet in die Prüfungszeit fällt, verschlimmert die Belastung der Studis. Mit Kissen versuchen sie, den Lärmpegel einigermaßen einzudämmen – ohne Erfolg. Und auch der Weg zu Uni ist eine Anstrengung: Der gesamt Campus ist abgesperrt, die Studis müssen sich ausweisen, und wenn die Fanzone wegen Überfüllung geschlossen ist, müssen sie einen kilometerweiten Umweg nehmen.

Nicht nur die Fanmeile vor den Toren der Uni, auch das WM-Stadion bereitet den Studierenden große Probleme: Es liegt auf der gleichen Metro-Linie wie die Universität und hat Platz für 70.000 Menschen. Das heißt, zusätzlich zu den 25.000 Fans auf der Fanmeile sind die Studis mit 70.000 Fans konfrontiert, die auf dem Weg zum Stadion sind und mit denen sie die Bahn teilen müssen. Ein Zustand, den sie wochenlang ertragen müssen. Zudem haben einige der Studis Angst um ihre Sicherheit: Auf der Fanmeile wird viel Alkohol ausgeschenkt. Besoffene, grölende und teilweise aggressive Fans begleiten sie nun jeden Tag auf dem Weg zu Seminaren und Vorlesungen.
 

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Protestierende Studis werden bedroht

Jeder Versuch der Studis, gegen die Fanzone zu demonstrieren, wird unterbunden – und das nicht zimperlich: Demonstranten werden von der Uni vorgeladen, ihnen wird mit einem Studienabbruch gedroht. Man kontaktiert sogar ihre Familien. Während der Fußball-Weltmeisterschaft wurde zudem ein Versammlungsverbot verhängt. Einige der protestierenden Studis wurden bereits festgenommen, z.B. wegen des Verteilens von Flugblättern.

Die sich dennoch wehrenden Studierenden werden eingeschüchtert, damit keine Kritik an die Presse gerät. In Interviews mit Medien wie Spiegel Online oder Deutschlandfunk erhalten sie dennoch Gehör. Allerdings bringen sie sich und ihr Studium damit in Gefahr.


 
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Die Autorin: Jana Schütt

Die Autorin: Jana Schütt

1993 geboren. Aufgewachsen in einem Dorf in Niedersachen zwischen Kühen und katastrophalen Busverbindungen – gelandet in der zweitgrößten Stadt Deutschlands. Dann ging es für Jana erstmal ab in die Werbung, als Texterin arbeiten. Inzwischen ist sie an der Uni Hamburg, um etwas über Soziologie und Medien- und Kommunikationswissenschaften zu lernen. Die Pointer-Autorin mag kein Gemüse, Kartoffelchips findet sie aber voll okay. Größter Traum: Niklas Luhmann auf einen Pfefferminztee treffen.

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Links

Zum Artikel "Unsere Bedürfnisse zählen nichts" auf Spiegel Online
Zum Artikel "Moskauer Elite-Uni vs. Fanmeile" auf Deutschlandfunk
Die Lomonossow-Universität (LMU) im Web

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