400.000 Forscher betroffen

Skandal um schein­wissenschaftliche Zeitschriften

published: 26.07.2018

Weltweiter Skandal: Hunderttausende Wissenschaftler veröffentlichten in scheinwissenschaftlichen Journalen (Foto: Bohbeh/Shutterstock.com) Weltweiter Skandal: Hunderttausende Wissenschaftler veröffentlichten in scheinwissenschaftlichen Journalen (Foto: Bohbeh/Shutterstock.com)

Egal ob für Essays, Haus- oder Abschlussarbeiten – Studis müssen ihr gesamtes Studium hindurch wissenschaftliche Literatur recherchieren. Dabei zweifelt man die Glaubwürdigkeit der Quellen nur selten an. Ein Fehler, wie eine neue Untersuchung von NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" (SZ) jetzt zeigt: Denn über 5.000 deutsche Wissenschaftler haben in scheinwissenschaftlichen Zeitschriften publiziert – absichtlich sowie unabsichtlich. Weltweit sind sogar knapp 400.000 Forscher betroffen.
 

Tweet

Aktivierung erforderlich
Nach deiner Zustimmung werden alle Tweets von Twitter auf www.pointer.de aktiviert. Wir weisen dich darauf hin, dass dann Daten an Twitter übermittelt werden. Du kannst dies auf der Datenschutzseite rückgängig machen.

Datenschutz


Publikation gegen Geld

Es ist ein echter Skandal: 5.000 deutsche Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen deutscher Hochschulen, Institute sowie Bundesbehörden haben in den letzten Jahren bei scheinwissenschaftlichen Online-Zeitschriften Beiträge veröffentlicht. Diese pseudo-wissenschaftlichen Online-Fachmagazine bieten den Forschern gegen die Zahlung hoher Gebühren an, ihre Beiträge zu veröffentlichen – ohne allerdings Regeln wissenschaftlicher Qualitätssicherung zu berücksichtigen.

Die Zahl solcher Publikationen hat sich in den letzten fünf Jahren weltweit verdreifacht – in Deutschland gar verfünffach. Die Herausgeber dieser scheinwissenschaftlichen Verlage sind Unternehmen, die vor allem in Afrika, der Türkei, Südasien oder der Golfregion sitzen, wie die monatelange Recherche von NDR, WDR und der "SZ" in Zusammenarbeit mit zahlreichen internationalen Medien zeigt.

Artikel binnen weniger Tage veröffentlicht

Vor der Veröffentlichung eines wissenschaftlichen Beitrags ist es eigentlich die Regel, dass erfahrene Wissenschafler die Publikationen genau unter die Lupe nehmen, bevor sie der Öffentlichkeit präsentiert werden. Nicht aber in den scheinwissenschaftlichen Magazinen, die eingereichte Texte bereits nach wenigen Tagen veröffentlichen. Damit geraten Studien und Literatur in den wissenschaftlichen Kreislauf, deren Qualität nicht geprüft und deren Inhalt demnach falsch sein kann. Trotzdem erhalten diese Texte durch die Veröffentlichung ein wissenschaftliches Gütesiegel – und damit scheinbare Richtigkeit.


 
Über 19.000 Studiengänge, 300 Orte, 747 Hochschulstandorte

HOCHSCHULKARTE

HOCHSCHULKARTE

Mimadeo / shutterstock.com
 


Absichtliche Täuschung?

Die Gruppe der Wissenschafler, die in den letzten Jahren bei solchen pseudowissenschaftlichen Magazinen publizierte, teilt sich in zwei Lager: Zum einen diejenigen, die unwissentlich dort publizierten und blind auf die Unternehmen hereinfielen. Andere Forscher wussten konkret, worauf sie sich einließen, und veröffentlichten in vollem Bewusstsein der Scheinwissenschaftlichkeit der Magazine dort Artikel sowie Studien, um sich der Prüfung durch andere Wissenschaftler zu entziehen.

Doch nicht nur das falsche wissenschaftliche Gütesiegel ist problematisch. Auch die Tatsache, dass für die Forschung der betroffenen Wissenschaftler immense Steuergelder genutzt wurden, die in die Spitzenforschung hätten fließen sollten, empört vor allem die deutsche Forschungsgemeinschaft. Und noch eine Problematik macht der Skandal deutlich: den immense Publikationsdruck, unter dem die internationalen Forscher heute stehen.
 

Tweet

Aktivierung erforderlich
Nach deiner Zustimmung werden alle Tweets von Twitter auf www.pointer.de aktiviert. Wir weisen dich darauf hin, dass dann Daten an Twitter übermittelt werden. Du kannst dies auf der Datenschutzseite rückgängig machen.

Datenschutz


Vertrauensverlust in die Wissenschaft?

Die Resonanz großer Forschungsgesellschaften sowie deutscher Hochschulen auf die Ergebnisse der Recherche ist groß: So sei man sich grundsätzlich der Existenz der scheinwissenschaftlichen Magazine bewusst gewesen, das Ausmaß schockiert die internationale wie nationale Forschungsgemeinde jedoch extrem. Es wird befürchtet, dass das wissenschaftliche Publikations- und Kommunikationssystem nachhaltigen Schaden davonträgt, gegen den man nur rechtlich vorgehen könne. Auch wird befürchtet, dass nicht nur der Ruf der betroffenen Wissenschaftler Schaden nimmt, sondern das gesamte Vertrauen in die Wissenschaft verloren gehen könne.

Alle Ergebnisse der Recherche kannst du im Detail hier im Artikel der "Süddeutschen Zeitung" nachlesen.

Die Autorin: Jana Schütt

Die Autorin: Jana Schütt

1993 geboren. Aufgewachsen in einem Dorf in Niedersachen zwischen Kühen und katastrophalen Busverbindungen – gelandet in der zweitgrößten Stadt Deutschlands. Dann ging es für Jana erstmal ab in die Werbung, als Texterin arbeiten. Inzwischen ist sie an der Uni Hamburg, um etwas über Soziologie und Medien- und Kommunikationswissenschaften zu lernen. Die Pointer-Autorin mag kein Gemüse, Kartoffelchips findet sie aber voll okay. Größter Traum: Niklas Luhmann auf einen Pfefferminztee treffen.

Mehr

Finde das Thema für deine Bachelorarbeit
Prokrasti­nieren ohne schlechtes Gewissen
Abinote oder Eignungstest?

Links

Zum Artikel "Tausende Forscher publizieren in Pseudo-Journalen" der Süddeutschen Zeitung

Gefällt's? Teile es.

Das könnte dich auch interessieren:

Services
Service

Hochschulkarte

Suche

Mimadeo / shutterstock.com
Über 19.000 Studiengänge an 747 Hochschulstandorten
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung