Nachgedacht

Vermieten über Airbnb – ist das okay?

published: 21.09.2018

Airbnb ist der schnelle Weg zum Geld – gerade für Studis. Doch ist es überhaupt okay, dort zu vermieten? (Foto: AlesiaKan  / Shutterstock.com) Airbnb ist der schnelle Weg zum Geld – gerade für Studis. Doch ist es überhaupt okay, dort zu vermieten? (Foto: AlesiaKan / Shutterstock.com)

Der einfachste Weg, sich etwas dazuzuverdienen? Airbnb. Einfach die Wohnung oder das Zimmer inserieren, kurz aufräumen, frisches Laken drauf und fertig. Ja, Airbnb ist der Traum vom schnellen Geld – gerade für Studis. Doch der Traum scheint immer mehr zum Albtraum zu werden - und Airbnb wandelt sich dank steigender Mieten und Verknappung des Wohnraums vom Segen zum Fluch. Es stellt sich berechtigterweise die Frage: Ist es überhaupt okay, sein Zimmer über die Housesharing-Plattform zu inserieren?
 

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Airbnb – Fluch oder Segen?

Wie auf die meisten Fragen im Leben, gibt es auch auf diese keine eindeutige Antwort. Es eine Frage der Perspektive. Natürlich gibt es Fälle, in denen eine kurzzeitige Vermietung durchaus okay ist. Wenn man z.B. selbst Urlaub macht, Eltern oder Freunde besucht, und sich zeitweise nicht in der eigenen Stadt aufhält. Selbst ein paar Wochen mögen noch okay sein. Klar, das Zimmer steht leer, Unter- oder Zwischenmiete lohnen sich nicht. In solchen Fällen steht dem guten Gewissen bei einer Airbnb-Vermietung nichts im Wege.

Doch es gibt Situationen, in denen das gute Gewissen nicht mehr überwiegt. Das sind die Fälle, in denen kontinuierlich und über einen längeren Zeitraum hinweg Zimmer und sogar ganze Wohnungen bei Airbnb inseriert und an Touristen vermietet werden. Es gibt WGs, in denen ein Zimmer erst gar nicht richtig an einen Studenten vermietet wird, sondern sich die WG das leerstehende Zimmer lieber als Einnahmequelle teilt. Klar könnte man nun mit hohen Mietpreisen argumentieren und damit, dass die WG die Einnahmen existenziell braucht – doch meist ist dies nicht der Fall. Es handelt sich um die pure Lust auf Geld.
 

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Auch ich habe über Airbnb vermietet

Ich selbst kenne beide Airbnb-Fälle: Freunde, die ab und an vermieten, wenn sie selbst nicht da sind. Und die, die dauerhaft vermieten. Für erstere hab ich Verständnis, für die anderen null. Ich selbst habe auch zeitweise vermietet und ja, als Studentin tut die zusätzliche Einnahme gut und hilft, einen harten Monat zu überbrücken. Doch ich wäre niemals auf die Idee gekommen, mein Zimmer zur Airbnb-Dauerwohnung umzufunktionieren. Und das hat genau zwei Gründe.

Jeder Studi kennt den Wohnungshorror

Zum einen möchte ich nicht Teil des Problems sein: Airbnb hat, wenn auch mit der tollen Idee des Housesharings gestartet, zum Anstieg der Mietpreise und der Wohnungsnot geführt. Klar, wenn Zimmer in WGs nicht an Studis, sondern Touris vergeben werden, gibt es weniger nutzbaren Wohnraum. Dadurch können die anderen WGs mehr an Miete verlangen – man muss als Suchende/r schließlich nehmen, was man kriegen kann. Ich war selbst mehrmals Wohnungssuche und weiß: Das ist kein Spaß. Nicht jeder wird durch Eltern aufgefangen, die auch locker 200 Euro Miete mehr im Monat zahlen können. Und das mit der Wohnungssuche wird immer schwerer. Ich will es anderen Studis nicht noch umständlicher machen. Wohnraum ist Wohnraum und kein privates Hotel. Also: ohne mich.


 
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Schlechtes WG-Klima vorprogrammiert

Der andere wichtige Grund: meine WG. Airbnb stellt eine Belastung für die Mitbewohner dar. Ständig fremde Menschen in der WG, die oft zum Feiern in der Stadt und entsprechend laut sind. Fremde benutzen die gleichen Töpfe, hocken auf dem gleichen Klo und rauchen ungefragt im Wohnzimmer. Klar sollte man die Airbnb-Vermietung immer mit seiner WG absprechen, und kaum jemand hat etwas dagegen, wenn es mal vorkommt. Doch selbst dann sollte man der Fairness halber Regelungen finden, z.B. eine prozentuale Beteiligung an den Einnahmen.

Schließlich benutzen die Gäste Klopapier, Strom, Wasser und Dinge wie Gewürze und Öle. Dinge, die meist aus der WG-Kasse gezahlt werden. Es ist also das Mindeste, die lieben Menschen, mit denen man sich eine Wohnung teilt, dafür zu entschädigen. Zumal die Mitbewohner, anders als man selbst, die Gesellschaft der Gäste mitbekommen. Man selbst ist ja fein raus, kommt nach ein paar Tagen wieder und sieht keine Überreste außer des benutzten Bettes. Die Mitbewohner/innen aber haben die Tage über mit den Fremden verbracht, sind unfreiwillig zu Touristenführern geworden und haben erklärt, wo was in der Wohnung steht oder bei Problemen geholfen. Auf Dauer kann das zu einem echt schlechten WG-Klima führen – ich hab’s selbst erlebt.
 

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Geld gibt’s auch anders zu verdienen

Natürlich gibt es auch WGs, wie bereits erwähnt, die sich gemeinschaftlich entscheiden, ein Zimmer fest per Airbnb zu vermieten. Auch das ist, meiner Meinung nach, nicht okay. Denn, hey: So viele Studis sind auf der Suche nach Zimmern. Man selbst hat das auch schon alles durchgemacht. Und auch wenn die Mieten teilweise hoch sind, ist die permanente Touristen-Vermietung keine gute Ausrede. Nebenjob, BAföG, einmal im Monat aufs Feiern verzichten – es gibt so viele Wege, Geld zu verdienen oder zu sparen. Airbnb ist sicherlich der bequemste Weg, aber auch der moralisch verwerflichste. Wie gesagt, ab und zu das Zimmer zu inserieren, wenn mit den anderen abgesprochen, ist legitim. Doch die pure Lust aufs Geld auf dem Rücken verzweifelter Studis auszutragen, das geht nicht klar.

Die schnellen Einnahmen faszinieren

Und das mit der puren Lust am Geld ist kein Märchen. Ich habe selbst bei Freunden erlebt, wie schnell das gehen kann. Am Anfang noch spärlich vermietet, ist die Faszination beim Blick aufs Konto irgendwann so groß, dass alle moralischen Prinzipien über Bord geworfen werden. Aus einmal im Monat wird dann - zack - zweimal, dreimal, viermal Airbnb-Vermietung. Auf einmal nimmt man auch Buchungen unter der Woche an und schläft beim Freund oder der Freundin. Airbnb wird nicht nur zu einer netten Nebeneinnahme, sondern zur Haupteinnahmequelle. Die Miete wird nicht nur gedeckt, sondern man nimmt sogar mehr ein, als man zahlen muss. Der Kontostand saust in die Höhe, die Moral in den Keller. Bei einem Bekannten endete diese blinde Sucht nach dem schnellen Geld mit der Beinahe-Kündigung durch den Vermieter.
 

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Wir müssen eine philosophische Diskussion führen

Oftmals geht es in den Diskussionen um Airbnb um Steuern oder anderes Rechtliches – denn auch das darf man natürlich nicht vergessen, wenn man seine Wohnung inseriert. Der Vermieter muss letztlich immer zustimmen, in Berlin z.B. sogar die Stadt. Es wird diskutiert, inwiefern Airbnb nun am Wohnungsmangel und steigenden Mieten Schuld hat. Die Meinungen sind geteilt. Jeder kennt Storys aus seinem Umfeld, die Pros und Contras unterstützen. Doch statt über Rechtliches zu streiten, sollte die Airbnb-Diskussion vielmehr in ein philosophisches, ethisches und moralisches Licht gerückt werden. So wie es z.B. Gereon Asmuth, Leiter bei der "taz", in seinem Kommentar zum zehn-jährigen Jubiläum von Airbnb tut.

Airbnb – nicht mehr das, was es mal war?

Asmuth schreibt, dass der eigentlich Gedanke hinter Airbnb, Fremde an einen Tisch zu bringen und Reisende eine Unterkunft zu bieten, eine mehr als gute Idee ist. Eine viel zu gute Idee, die deshalb in die Hände des Kommerzes gefallen ist. Denn es geht nicht um das Beisammensein, das Kennenlernen, das An-einen-Tisch-Kommen, sondern um das Geldverdienen. Das geht so weit, dass zahlende Gäste reisenden Freunden vorgezogen werden. Das Problem hinter Airbnb, so Asmuth, sei ein viel größeres und Symptom einer nur noch "auf Verwertung ausgelegten Welt, der jedes Maß abhandengekommen ist“.

Das ist sicherlich eine harte Diagnose – vielleicht zu hart und dystopisch. Doch der Gedanke dahinter ist nicht verkehrt und regt zum Nachdenken an. Denn bevor man sich die Frage stellt, ob man rechtlich bei Airbnb inserieren darf, sollte man sich die Frage stellen, ob man Teil einer Welt sein möchte, in der Geld mehr zählt als Fairness. Fairness, Menschen Wohnraum zu ermöglichen und lieber mit liebgewonnen WG-Mitbewohnern an einem Tisch zu sitzen, statt diese mit Fremden dort allein zu lassen. Vielleicht müssen wir heutzutage auch nochmal den seit 214 Jahren verstorben Immanuel Kant und seinen Kategorischen Imperativ zu Raten ziehe: "Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“. Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der ich kein bezahlbares Zimmer mehr finde, nur weil diese an wechselnde Touristen vergeben werden. Ich will, dass Fairness und Gemeinschaftlichkeit über Geld und Egoismus siegen. Mein Zimmer findet man mittlerweile nicht mehr auf Airbnb.

Die Autorin: Jana Schütt

Die Autorin: Jana Schütt

1993 geboren. Aufgewachsen in einem Dorf in Niedersachen zwischen Kühen und katastrophalen Busverbindungen – gelandet in der zweitgrößten Stadt Deutschlands. Dann ging es für Jana erstmal ab in die Werbung, als Texterin arbeiten. Inzwischen ist sie an der Uni Hamburg, um etwas über Soziologie und Medien- und Kommunikationswissenschaften zu lernen. Die Pointer-Autorin mag kein Gemüse, Kartoffelchips findet sie aber voll okay. Größter Traum: Niklas Luhmann auf einen Pfefferminztee treffen.

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Links

Zum Kommentar "Der Feind in meinem Bett" von Gereon Asmuth auf taz.de
Die "taz" im Web
Zum Artikel "Berliner dürfen ihre Wohnung zeitweise vermieten" auf berliner-zeitung.de
Zum Artikel "Wohnungssuche für Studis. Schwieriger als je zuvor" auf Pointer

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