Digitalisierung

Deutschland hinkt hinterher

published: 19.10.2018

Von einer umfassenden Digitalisierung des Alltags ist Deutschland noch weit entfernt (Foto: metamorworks/Shutterstock.com) Von einer umfassenden Digitalisierung des Alltags ist Deutschland noch weit entfernt (Foto: metamorworks/Shutterstock.com)

Berichte über Menschen in ländlichen Regionen, die sich aufgrund schlechter Internetanbindung nicht mal ein YouTube-Video anschauen können, gibt es in Deutschland immer wieder. Internet ist Teil der gerade in letzter Zeit viel diskutierten Digitalisierung. Digitalisierung ist in Zeiten der Globalisierung und des schnellen technischen Fortschritts ein wichtiger Faktor für die Zukunftsfähigkeit eines Staates. Auch für die Entwicklung und den Wohlstand der Gesellschaft ist eine gut vorangetriebene Digitalisierung entscheidend. Ein elementarer Bestandteil der Digitalisierung ist das Internet und damit insbesondere verbunden der Ausbau von schnellen Internetleitungen. Ausgerechnet Deutschland hinkt nicht nur in diesem Bereich hinterher. Warum ist das so? Pointer geht auf Ursachenforschung und zieht dabei den Vergleich mit Schweden. Denn dort ist Digitalisierung nicht Zukunftsmusik, sondern Alltag.
 

Tweet

Aktivierung erforderlich
Nach deiner Zustimmung werden alle Tweets von Twitter auf www.pointer.de aktiviert. Wir weisen dich darauf hin, dass dann Daten an Twitter übermittelt werden. Du kannst dies auf der Datenschutzseite rückgängig machen.

Datenschutz


Was haben Schweden und Deutschland gemeinsam? Eigentlich ziemlich viel. Beide sind Mitglieder der Europäischen Union, haben ein demokratisch gewähltes Parlament und sind wirtschaftlich gut aufgestellt. Doch im Bereich der Digitalisierung liegt Schweden deutlich vor Deutschland. In allen Rankings, die den Digitalisierungsgrad von Nationalstaaten bestimmen, belegt Schweden Spitzenpositionen, während Deutschland oft nur im Mittelfeld landet. Ein Beispiel aus der Praxis: In Schweden gibt es schon seit 2008 eine nationale, elektronische Patientenakte im Gesundheitswesen. Arztbesuche, Diagnosen und Medikationen werden für jeden Patienten in einer elektronischen Akte abgespeichert und können vom jeweils behandelnden Arzt abgerufen werden. Vitaldaten von Patienten können sogar teilweise aus Krankenwagen direkt an die Notaufnahme gesendet werden, sodass sich diese besser vorbereiten kann. Ein fortschrittliches System, das viele Vorgänge im Gesundheitssystem deutlich vereinfacht und verbessert. In Deutschland haben ein großer Prozentsatz der Ärzte noch nie etwas von einer Online-Patientenakte gehört.
 

Tweet

Aktivierung erforderlich
Nach deiner Zustimmung werden alle Tweets von Twitter auf www.pointer.de aktiviert. Wir weisen dich darauf hin, dass dann Daten an Twitter übermittelt werden. Du kannst dies auf der Datenschutzseite rückgängig machen.

Datenschutz


Nicht viel besser sieht es für Deutschland insbesondere beim schnellen Internet aus. Dieser Bereich ist potenziell für jeden Bürger relevant. Als schnelles Internet gelten Leitungen, die mindestens eine Geschwindigkeit von 50 MBit pro Sekunde erreichen. In Deutschland überschreiten etwa 77 Prozent der Haushalte diese Grenze. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass knapp ein Viertel der Haushalte immer noch mit teilweise extrem langsamen Netz auskommen müssen. Insbesondere in ländlichen Regionen ist die Lage prekär, denn dort hat nur ein Drittel der Haushalte schnelles Internet. Was macht die Bundespolitik dagegen?

Sie verspricht viel, hält aber wenig ein. 2011 und 2012 versicherten beispielsweise die Wirtschaftsminister Rainer Brüderle und Phillipp Rösler, dass bis 2018 jeder Haushalt in Deutschland Internet mit mindestens 50 MBit pro Sekunde haben würde. Ende 2018 ist diese Vorgabe nicht mal annähernd eingehalten worden. Besserung ist auch deswegen nicht in Sicht, weil Deutschland zu wenig in den Ausbau von schnellen und zukunftsfähigen Glasfaserleitungen investiert. Breitbandanschlüsse über Glasfaserkabel sind selten, nur 2,3 Prozent der deutschen Haushalte können diese Form vorweisen. In Schweden liegt der Anteil unfassbare 20 mal höher. Deutschland ist in diesem Bereich Entwicklungsland und gehört im europäischen Vergleich zu den Schlusslichtern.
 

Tweet

Aktivierung erforderlich
Nach deiner Zustimmung werden alle Tweets von Twitter auf www.pointer.de aktiviert. Wir weisen dich darauf hin, dass dann Daten an Twitter übermittelt werden. Du kannst dies auf der Datenschutzseite rückgängig machen.

Datenschutz


Digitalisierung und Deutschland - das passt noch nicht wirklich zusammen. Wundert das jemanden, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel das Internet noch vor fünf Jahren als "Neuland für uns alle" bezeichnete? Deutschland hinkt in diesem Bereich leider deutlich hinterher. Das ist nicht nur schade, sondern auch sehr ärgerlich. Andere Staaten machen vor, wie es richtig geht. In Schweden stellte die Regierung übrigens ein umfassendes Programm für den Ausbau der digitalen Gesellschaft vor. Aber nicht vor fünf Jahren oder vor zehn - sondern im Jahr 2000.

Der Autor: Jonas Bickel

Der Autor: Jonas Bickel

Leben, wo andere Urlaub machen: Jonas ist auf der Nordseeinsel Föhr aufgewachsen. Jeden Tag am Meer zu sein, ist zwar schön. Früh war aber klar: Journalismus auf der Insel - da kommt man nicht weit. Also nach dem Abitur ab in die Medienstadt Hamburg, wo Jonas seit 2015 Politikwissenschaft studiert. Für Pointer schreibt er oft über seine großen Hobbys: Sport - insbesondere Fußball - und Gaming.

Mehr

Nach Google Pay kommt Apple Pay
Das iPhone mit den Augen steuern
"Red Dead Redemption 2"

Das könnte dich auch interessieren:

Services
Service

Hochschulkarte

Suche

Mimadeo / shutterstock.com
Über 19.000 Studiengänge an 747 Hochschulstandorten
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung