In manchen europäischen Ländern fallen Studiengebühren an (Foto: shutterstock.com/ABB Photo) In manchen europäischen Ländern fallen Studiengebühren an (Foto: shutterstock.com/ABB Photo)
Studiengebühren in Europa

Wo Studenten zahlen und wo nicht

Studiengebühren sind in Deutschland verboten - so sah es das Hochschulrahmengesetz aus dem Jahr 2002 vor. Doch dieses Verbot ist verfassungwidrig, entschied das Bundesverfassungsgericht Ende Januar. Seit Verkündung des Urteils befinden sich Befürworter und Gegner von Studiengebühren in regem Austausch von Pro- und Contra-Argumenten (beispielsweise im Unikosmos-Forum).

In Deutschland heiß diskutiert, wurde die Frage nach den Gebühren in anderen europäischen Ländern längst geklärt – mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Eine Übersicht:

Belgien
Bei unserem westlichen Nachbarn ist es so geregelt, wie sich viele Gebührenfürsprecher das auch für Deutschland vorstellen: Wer in Belgien studiert, muss pro Semester Studiengebühren in Höhe von etwa 500 Euro bezahlen.

Dänemark
In Dänemark gibt es keine Studiengebühren. Statt fürs akademische Lernen zu zahlen, haben Studierende in Dänemark ein Recht auf finanzielle Unterstützung durch den Staat. Wer mindestens 18 Jahre alt ist, kann die so genannte „Statens Uddannelsesstoette“ erhalten. Die Höhe der Unterstützung hängt von verschiedenen Faktoren ab: beispielsweise ob man noch bei den Eltern wohnt oder allein. Maximal 607 Euro monatlich werden gezahlt. Zusätzlich können auch Darlehen in Höhe von bis zu 310 Euro aufgenommen werden.
 


Finnland
Auch in Finnland ist das Studium gebührenfrei. Darüber hinaus gibt es für Hochschüler ein Fördersystem. Wer über 20 ist und noch bei den Eltern wohnt, erhält mindestens 106 Euro pro Monat, alle anderen 256 Euro. Zusätzlich sind ein Zuschuss zu den Wohnkosten und die Aufnahme eines Darlehens möglich.

Frankreich
Studiengebühren? Mais oui! In Frankreich ist das kein Diskussionsthema – man zahlt einfach. Was daran liegen mag, dass die Gebühren vergleichsweise moderat ausfallen: 150 Euro jährlich sind für ein dreijähriges Studium fällig. Wer einen Master- oder Diplomstudiengang absolviert, zahlt 190 Euro pro Jahr. Festgelegt wird die Höhe der Gebühren vom französischen Bildungsministerium, die Universitäten können in Ausnahmefällen einen Zuschlag verlangen. Deutlich teurer ist in der Regel das Studium an französischen Eliteschulen, den so genannten „Grandes Ecoles“. Hier können die Gebühren die 1000-Euro-Grenze überschreiten.

Griechenland
In Griechenland werden im Allgemeinen keine Studiengebühren verlangt. Für ausländische Studierende aus der EU gilt diese Gebührenfreiheit allerdings nicht grundsätzlich.

Großbritannien
Studiengebühren sind auf der Insel schon lange üblich. Und die britischen Studentinnen und Studenten müssen sich auf eine saftige Erhöhung ab 2006 einstellen: Statt bisher 1600 Euro wird das Studieren im Vereinigten Königreich künftig 4300 Euro pro Jahr kosten. Allerdings nach dem Motto: lerne gleich, zahle später. Erst mit Beginn der Berufstätigkeit und ab einem bestimmten Einkommen müssen die Gebühren abbezahlt werden. Ein sozialer Faktor sorgt außerdem dafür, dass einkommensschwache Familien bei den Zahlungen entlastet werden.


Italien
Die Höhe der Studiengebühren variiert von Hochschule zu Hochschule. 1000 Euro jährlich sind ein Richtwert. Private Universitäten sind teurer als die staatlichen, in der Regel ist der Unterschied aber moderat. Eine Ausnahme bilden die Spitzenuniversitäten, die deutlich mehr Geld von ihren Studentinnnen und Studenten verlangen. Bei der Höhe der Gebühren werden die Einkommensverhältnisse berücksichtigt.
 


Luxemburg
In Luxemburg werden keine Studiengebühren erhoben, auch wenn das Gesetz den Hochschulen die Möglichkeit einräumt, Gebühren zu verlangen. Studentinnen und Studenten können unter bestimmten Umständen Studienbeihilfen erhalten.

Niederlande
Knapp 1500 Euro pro Jahr sind für ein Studium in den Niederlanden fällig. Allerdings zahlt der Staat den Studentinnnen und Studenten eine monatliche Unterstützung, die unter anderem davon abhängt, ob man noch bei seinen Eltern wohnt. Wer in den „eigenen“ vier Wänden wohnt, erhält, übers ganze Jahr gerechnet, mehr Geld als er an Studiengebühren bezahlen muss.

Österreich
Von wegen: „Tu felix Austria!“ - seit dem Wintersemester 2001/2002 wird zur Kasse gebeten, wer in Österreich studieren will. Die Gebühren betragen landeseinheitlich 363,36 Euro pro Semester, also knapp 730 Euro im Jahr. Vielfach geäußerte Bedenken, dass mit Einführung der Studiengebühren die Zahl der Studentinnnen und Studenten zurückgehen werde, scheinen sich nur kurzfristig bewahrheitet zu haben: Zwar ging die Studentenzahl zunächst tatsächlich zurück, doch im Wintersemester 2004/2005 haben sich mehr Studienanfänger an den österreichischen Universitäten eingeschrieben als je zuvor. Vorbildlich: Flossen die eingenommen Gebühren zunächst in die Kassen des Finanzministeriums, können die Unis seit vergangenem Jahr selbst entscheiden, was mit den Geldern geschehen soll.

Portugal
Die Studiengebühren an staatlichen Universitäten betragen derzeit ungefähr 400 Euro jährlich. Mit etwa 360 Euro pro Jahr ist es an den „Institutos Politécnicos“, den polytechnischen Hochschulen, etwas günstiger. Vergleichsweise teuer wird es an den privaten Universitäten: Hier beträgt die Studiengebühr monatlich rund 150 Euro.

Schweden
Studiengebühren sind in Schweden kein Thema. Die Regelung ist ähnlich wie in Dänemark: Studentinnen und Studenten erhalten ein monatliches Grundeinkommen in Höhe von circa 275 Euro monatlich. Voraussetzung: Ihr Jahreseinkommen überschreitet eine bestimmte Grenze (momentan ungefähr 10.900 Euro) nicht. Darüber hinaus kann ein Darlehen in Höhe von rund 540 Euro in Anspruch genommen werden.

Spanien
Die Höhe der Studiengebühren an staatlichen Universitäten ist in Spanien von verschiedenen Faktoren abhängig: von der Universität, vom Studienfach, von der Semesterzahl. Normal sind Gebühren in Höhe von 500 bis 800 Euro pro Jahr. Generell sind technisch aufwendigere Studiengänge (wie beispielsweise Medizin) teurer als geisteswissenschaftliche Fächer. Studentinnen und Studenten aus einkommensschwachen Familien erhalten eine finanzielle Unterstützung. Wer nicht mehr bei seinen Eltern wohnt, kann außerdem Wohngeld erhalten. An privaten Hochschulen ist das Studium deutlich teurer als an den staatlichen Universitäten: mit bis zu 9000 Euro jährlich sind Privatstudenten dabei.

[Jens Findeisen]