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Serie Wohnmodelle, Teil 1

Die Wohngemeinschaft

published: 24.02.2005

Bei einer WG-Gründung solltet ihr euch auf gemeinsame Regeln einigen (Foto: shutterstock.com/auremar) Bei einer WG-Gründung solltet ihr euch auf gemeinsame Regeln einigen (Foto: shutterstock.com/auremar)

„Liebe Mitbewohner, die Küche ist schon wieder total dreckig und ich sehe nicht ein, dass ich immer der Einzige bin, der hier den Müll rausbringt. Ich werde jedenfalls gar nichts mehr tun, bis sich hier was ändert". So oder so ähnlich sehen die Ergüsse unseres lieben WG-Mitbewohners Christoph aus, die wir regelmäßig auf dem Küchentisch oder demonstrativ an die Abzugshaube gepinnt, finden. Mittlerweile nehmen wir die ganze Sache mit Humor, denn dass der Putzplan nie wirklich funktioniert, haben wir irgendwann akzeptiert und ansonsten kommen wir recht gut miteinander klar. WG eben, man lernt Abstriche zu machen, die positiven Seiten zu genießen und über Störendes hinwegzusehen.

Am Anfang war die Kommune...
Leben in der WG - was heute als selbstverständlich angesehen wird, ist eigentlich eine relativ neue Form des Wohnens. So richtig populär wurden Wohngemeinschaften in Deutschland erst Anfang der siebziger Jahre, mit der "Kommune 1" als prominentem Vorreiter. 1967 gegründet von einer Handvoll Spaßrevoluzzern der Studentenbewegung war die "Kommune" vor allem als Provokation gedacht - gegen das Spießbürgertum der ausgehenden Adenauer-Ära. Auch wenn dieses politische Motiv nach und nach in den Hintergrund rückte – der Siegeszug der Wohngemeinschaft war unaufhaltbar. Hatten 1950 noch rund 60 Prozent der Studentinnen und Studenten zur Untermiete gewohnt – so sind es heute nur noch zwei Prozent. Im Gegenzug wurde das Zusammenleben in einer buntgewürfelten Gemeinschaft vor allem bei Studenten ganz normal und wird von immerhin 22 Prozent als Alternative zum Leben bei den Eltern (22 Prozent), der eigenen Wohnung (23 Prozent) und des Zusammenlebens mit Partner (20 Prozent) genutzt. Besonders Studienanfänger leben lieber in Gemeinschaft Gleichaltriger und entscheiden sich erst im Laufe ihres Studiums und mit zunehmendem Alter für anderen Wohnformen.

Wer suchet, der braucht Geduld
Nach der großen Entscheidung für die WG ist der erste Schritt die Wohnungssuche. Am schwarzen Brett in der Uni, im Internet und in der Zeitung findet man genügend Angebote. Eine neue Wohngemeinschaft zu gründen, kann lange dauern. Viele Vermieter hegen noch immer Vorurteile gegenüber WGs und stellen die Geduld bereits vor Studienbeginn das erste Mal auf die Probe. Leichter ist es, in eine schon bestehende WG zu ziehen. Doch auch hier muss Durchhaltevermögen bewiesen werden. Ein Vorstellungsmarathon von einem Monat ist durchaus normal und sollte einen nicht entmutigen. Das Hochgefühl, wenn es dann endlich geklappt hat und man die erlösende Zusage bekommt, entschädigt die Lauferei um ein Vielfaches. Beide Möglichkeiten, die bestehende wie die neue WG, bieten Vor- und Nachteile: In einer neu gegründeten WG starten alle mit den gleichen Voraussetzungen, sind aber auch alle unerfahren. In der bestehenden kennt man sich bereits, so dass der Neuling anfängliche Schwierigkeiten haben kann, sich in die Gruppe zu integrieren. Mit engen Freunden zusammenzuziehen ist ein großes Risiko und Viele raten davon ab. Zu groß ist die Gefahr, dass gute Freundschaften an den typischen WG-Problemen wie mangelnder Sauberkeit oder ewiger Nähe zerbrechen. Freunde kann, Mitbewohner muss man sehen.

Absprachen schriftlich fixieren
Hat man sich für eine WG entschieden, ist der nächste Schritt der Mietvertrag. Einen gemeinsamen Hauptmieter festzulegen ist sinnvoll, wobei einige Vermieter einzelne Verträge pro Zimmer bevorzugen. Auf jeden Fall sollte man am Anfang schriftlich vereinbaren, wer wie viel bezahlt (Nebenkosten beachten) und eine Kündigungsfrist festlegen. Im Falle des Auszugs des Hauptmieters sollte der Nebenmieter nachrücken können und die ganze WG ein Mitspracherecht bei der Auswahl des Nachmieters haben.

Ein großer Vorteil der WG sind die Kosten, die man spart. Ein Zimmer in einer WG ist sehr viel billiger als eine 1-Zimmerwohnung, zusätzlich kann man sich anfallende Kosten wie Telefongrundgebühr, Müllkosten oder Abonnements von Tageszeitungen immer teilen.

Heavy Metal und Frühsport
Bei der Wahl der neuen Mitbewohner gibt es (fast) keine Grenzen. Gerade verschiedene Charaktere wie der Jurist mit fein gebügeltem Hemd und die Biologin, die ihr Gemüse am liebsten selbst auf dem Balkon anbaut, machen das WG-Leben spannender. Allerdings sollte man vorher herausfinden, wie sehr sich der eigene Lebensstil von den anderen unterscheidet: Ein Mitbewohner mit einer Vorliebe für Heavy Metal um drei Uhr morgens oder ein notorischer Frühaufsteher, der mit seiner guten Laune und allmorgendlicher Fitnessgymnastik alles weckt, können den WG-Frieden auf eine harte Probe stellen. Auch bei der Spezies, die geradewegs aus dem Schoß der Familie in die Realität katapultiert wird und mit der plötzlichen Eigenständigkeit überfordert ist („Kannst du mir vielleicht nochmal kurz erklären, wie man ein Klo putzt?“), ist viel Geduld erforderlich.

Quellen für Ärger
Egal, wie gut man sich seine Mitbewohner ausgesucht hat und wie sehr man sich versteht, ganz ohne Konflikte läuft es eigentlich nie. Man diskutiert über unterschiedlich große Zimmer und wie man den Mietpreis dann gerecht auf die Quadratmeterzahl ausrechnet, die Telefonrechung und ungeputzte Küchen. Und es lauern weitere Quellen für Ärger im WG-Alltag: Sei es die Cornflakespackung, die immer dann leer ist, wenn man gerade Appetit auf Cornflakes hat oder der Müll, der sich bei längerer Sturheit aller Mitbewohner schon fast selbst herausbringen kann. Abhilfe schafft der traditionelle "Putzplan", der in keiner WG fehlen darf, eine Haushaltskasse und, wenn es nötig ist, auch ein separates Stück Regal für jeden, damit die Lebensmittel auch klar ihrem Besitzer zugeteilt werden können. Grundnahrungsmittel wie Brot, Mehl oder Milch kauft man am besten zusammen, weil man als "Alleinesser" sonst am Ende der Woche mit saurer Milch und trockenen Kanten zu kämpfen hat.

"Wer wohnt denn jetzt eigentlich hier?"

Ganz wichtig ist Reden, Reden, Reden. Würde mein Mitbewohner Christoph einfach mal sagen, wenn ihn etwas stört, anstatt zu warten, bis sich aller Ärger aufgestaut hat und dann eine Krisensitzung einberufen werden muss, ginge es der ganzen WG besser. Die Gefahr, dass einen manche Mitbewohner schnell wieder verlassen, wird dadurch auf jeden Fall verringert und auch unserem Postboten ginge es wieder gut. Der ist nämlich immer vollkommen verwirrt wenn er vor unserer Tür steht und mit hilflosem Blick fragt: "Wer wohnt denn jetzt eigentlich hier? Das ändert sich ja ständig bei ihnen."

Nichts für Eremiten

Wer gern alleine ist, der wird in einer WG nicht glücklich werden. Alle anderen haben die Chance, viel Spaß, Erfahrung und vielleicht auch ein paar neue Freunde mit ins Leben zu nehmen. Auch wenn einen die lieben Mitbewohner manchmal zur Weißglut bringen, so entschädigt der Spaß, den man zusammen hat, einen für vieles: Die gemeinsamen Kochabende, das kollektive Jammern über die Klausuren und die Möglichkeit, dass man immer jemanden hat, der einen mit guten Ausreden aus misslichen Lagen befreit („Julia? Nein, die wohnt hier nicht mehr und ich weiß auch gar nicht, wo sie jetzt ist“). Anstatt abends in eine dunkle Wohnung zu kommen und sich mit seinem Fertiggericht vor den Fernseher zu setzen, kann der WG-Bewohner eigentlich immer darauf bauen, dass schon jemand da ist und in der Küche etwas Wohlriechendes zaubert. Wenn man Glück hat, kommt sogar der Spruch: „Ich hab gerade gekocht, willst du mitessen?“

[Sarah Hamann]

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