Universität Göttingen

Studenten erforschen Jungsteinzeit-Anlage

published: 12.03.2019

Im trockenen Sommer zeichneten sich im Getreide spezielle Muster ab, was auf Gräben im Untergrund hindeutete. Heute erforschen Studenten mit dem Erdwerk von Wellie bei Niendorf einen zentralen Platz der Jungsteinzeit (Foto: Heinz-Dieter Freese / Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege) Im trockenen Sommer zeichneten sich im Getreide spezielle Muster ab, was auf Gräben im Untergrund hindeutete. Heute erforschen Studenten mit dem Erdwerk von Wellie bei Niendorf einen zentralen Platz der Jungsteinzeit (Foto: Heinz-Dieter Freese / Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege)

Das Erdwerk von Wellie bei Nienburg ist ein zentraler Platz der Jungsteinzeit – erst im vergangenen Jahr wurde die Anlage entdeckt. Wofür sie früher genutzt wurde, erforscht derzeit ein Wissenschaftler der Georg-August-Universität Göttingen gemeinsam mit zehn Studierenden und der Kommunalarchäologie der Schaumburger Landschaft. Sie untersuchen den Bereich mit geophysikalischen und bodenkundlichen Methoden. Ziel ist ein erster maßstabsgerechter Gesamtplan der Anlage sowie ihre zeitliche und kulturelle Einordnung.

Bis Ende April nimmt Projektleiter Tobias Scholz vom Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Universität Göttingen gemeinsam mit den Studierenden das Erdwerk unter die Lupe. "Zunächst wird das Erdwerk mit einer geomagnetischen Prospektion analysiert", sagt Scholz. Sie messen dabei kleinräumig die Magnetisierbarkeit des Bodens. Darin befindliche Objekte und ehemalige Bodeneingriffe stören das natürliche Erdmagnetfeld und werden als Anomalien im unbeeinträchtigten Erdmagnetfeld abgebildet.

Die Fläche wurde bei einer Vermessungstechnikübung für die Studierenden des Seminars im März 2017 geomagnetisch vermessen (Foto: Ronald Reimann)Die Fläche wurde bei einer Vermessungstechnikübung für die Studierenden des Seminars im März 2017 geomagnetisch vermessen (Foto: Ronald Reimann)


Anschließend werden die geomagnetischen und bodenkundlichen Ergebnisse mit den Informationen, die bei Flügen über die Anlage gesammelt wurden, zusammengeführt. "Gezielte Bohrungen können zudem Hinweise auf die Tiefe und Verfüllungsprozesse der ehemaligen Gräben liefern und so möglicherweise Erkenntnisse zur Gestalt und Nutzung dieser Anlage erbringen", so Scholz. Er und sein Team wollen dabei Details wie ausgebaute Torsituationen erfassen und möglichen Spuren einer Innenbebauung nachgehen. Nach ersten Erkenntnissen scheinen frühe Bauerkulturen dort viel Arbeit investiert zu haben, um Gräben zu erstellen. Möglicherweise handelt es sich um einen überregionalen Versammlungsort.

Auf der Suche nach zeitgleichen Siedlungsplätzen zum nahegelegenen Gräberfeld von Liebenau/Steyerberg untersuchte ein lokaler Beauftragter der Kommunalarchäologie bereits 2017 einen kleinen Teil des Erdwerks. Über 1000 Funde wurden dabei aufgelesen – Feuersteinartefakte, Keramikfragmente und einzelne gebrannte Knochen. "Einige Gerätschaften wie Pfeilspitzen ermöglichen eine genauere kulturelle Zuordnung", sagt Scholz. Derartige Anlagen, die vorwiegend aus dem vierten Jahrtausend vor Christus stammen, sind im Landkreis Nienburg/Weser äußerst selten. Tatsächlich lässt sich die Verbreitung dieses Befundtyps dank des neuen Fundplatzes weiter nach Nordwesten hin belegen als bisher angenommen.
 

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Das gesamte Erdwerk wurde erst im vergangenen Jahr durch den Amateur- und Luftbildarchäologen Heinz-Dieter Freese entdeckt. Aufgrund des heißen und trockenen Sommers zeichneten sich im Getreide spezielle Muster ab, was auf ehemalige Gräben im Untergrund hindeutet.

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