Studie

Klimaschutz durch Fleischverzicht

published: 26.10.2019

Eine Studie hat untersucht, welche Aufforstung und Ernährungsgewohnheiten zur Einhaltung der Pariser Klimaziele notwendig sind (Foto: Sam Rabin, KIT) Eine Studie hat untersucht, welche Aufforstung und Ernährungsgewohnheiten zur Einhaltung der Pariser Klimaziele notwendig sind (Foto: Sam Rabin, KIT)

Laut einer neuen Studie zum Klimaschutz kann das Pflanzen neuer Wälder nur dann bei der Einhaltung der Pariser Klimaziele helfen, wenn das Lebensmittelsystem umgestellt wird, insbesondere in Hinblick auf eine drastische Reduktion des Fleischkonsums. Das Abkommen von Paris sieht eine Begrenzung der Erderwärmung auf maximal zwei Grad Celsius, bestenfalls auf 1,5 Grad im Vergleich zu Vorindustriellen Zeiten zu begrenzen. Derzeit steigt die Temperatur jede Dekade um etwa 0,1 bis 0,2 Grad weswegen nach derzeitigem Stand das 1,5 Grad Ziel verfehlt werden wird und auch das Ziel, unter zwei Grad zu bleiben, eine enorme Herausforderung darstellt. An der Studie arbeiteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie - Zentrum für Klima und Umwelt (KIT ZKU), des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung – Atmosphärische Umweltforschung (IMK-IFU), des Campus Alpin des KIT in Garmisch-Partenkirchen, der University of Edinburgh, der Cranfield University/UK sowie der TIAMASG Foundation in Bukarest.
 

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Wald bindet Kohlenstoffdioxid (CO2) und wandelt dieses durch Photosynthese in Sauerstoff um. Viele Staaten planen daher die Pariser Klimaziele durch Aufforstung zu erreichen. Diese Bestrebungen konkurrieren dabei mit der Landwirtschaft. Immer wieder werden Wälder abgeholzt um neues Land für die Lebensmittelproduktion bewirtbar zu machen. In ihrer Studie haben die Karlsruher Wissenschaftler daher untersucht unter welchen Bedingungen die Klimaziele mit Aufforstung in Europa gelingen kann, während gleichzeitig die Ernährung der europäischen Bevölkerung gewährleistet werden kann. Die Forscher haben dazu 972 Simulationen für verschiedene Szenarien in den 2050er Jahren angefertigt. Dr. Heera Lee vom IMK-IFU des KIT, die Erstautorin der Studie, erklärt: "Wir verglichen verschiedene Szenarien, in denen die Nachfrage nach Fleisch, der Anbau von Energiepflanzen, die Bewässerungseffizienz sowie die Ernteertragssteigerung variieren."
 

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351 simulierte Szenarien erreichen die Mindestwerte sowohl bei der Waldfläche als auch bei der Lebensmittelversorgung. Dazu müsste die Waldfläche um 23 Prozent gegenüber 2010 gesteigert werden. Für die Energieversorgung durch Nahrung wurden 2800 Kilokalorien pro Person und Tag angesetzt. Das Gelingen hängt allerdings von verschiedenen Faktoren ab. Einige Szenarien erfordern keine Änderung der Essgewohnheiten, dafür aber eine Ernteertragssteigerung von bis zu 30 Prozent erfordert. Viele Szenarien basieren auf einer Reduktion des Fleischkonsums von bis zu 75 Prozent, einige sogar den völligen Verzicht auf Fleisch. Allen Varianten ist gemein, dass der Lebensmittelimport nicht gesteigert werden darf, um die Probleme nicht auf Regionen außerhalb Europas zu verlagern. "Unsere Studie zeigt, dass die für den Klimaschutz ausreichende Vergrößerung der Waldflächen bei gleichzeitiger Sicherung der Lebensmittelversorgung eine Umstellung des Lebensmittelsystems auf der Angebots- wie auf der Nachfrageseite erfordert, wobei der teilweise oder völlige Verzicht auf Fleisch in der Praxis eine Herausforderung darstellen dürfte", erklärt Dr. Heera Lee.

[Hauke Koop]

Links

Das Karlsruher Instituts für Technologie - Zentrum für Klima und Umwelt im Web
Link zur Studie

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