Rhetorik-Seminar

Uni Tübingen ehrt Ursula von der Leyen für die "Rede des Jahres 2019"

published: 16.12.2019

Ursula von der Leyen hielt nach Meinung des Seminars für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen die "Rede des Jahres 2019" (Foto: Thomas Stolte/Public Address) Ursula von der Leyen hielt nach Meinung des Seminars für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen die "Rede des Jahres 2019" (Foto: Thomas Stolte/Public Address)

Das Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen verleiht die Auszeichnung "Rede des Jahres" 2019 an Ursula von der Leyen. Die Präsidentin der Europäischen Kommission erhält die Auszeichnung für ihre Wahlrede vor dem Europäischen Parlament am 16. Juli 2019. Die Rede sei ein eindrucksvolles und glaubwürdiges Bekenntnis zu Europa, ein Beweis für die Integrationskraft der Idee "Europa" und ein engagiertes Plädoyer für eine europäische Wertegemeinschaft, so die Jury in ihrer Begründung. Hier geht es zum Text der Rede. Pointer zeigt sie dir zudem im Video:

Europaparlament: Bewerbungsrede von Ursula von der Leyen zum EU-Kommissionsvorsitz am 16.07.19


Von der Leyen hatte nicht die besten Ausgangsbedingungen für ihre Bewerbung zur EU-Kommissionspräsidentin. Bis zur Abstimmung war offen, wie sich das Europäische Parlament entscheiden würde. In dieser krisenhaften Situation gelingt es der CDU-Politikerin nach Meinung der Jury jedoch in vorbildlicher Weise, Überzeugungsarbeit zu leisten, für ihr Programm zu argumentieren und für Europa zu werben.
 

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In ihrer halbstündigen Rede kämpft sie für eine Erneuerung Europas, wie das Gremium ausführt, und bezieht deutlich Position zu aktuellen Herausforderungen wie Klimawandel, Digitalisierung und Brexit. Pointiert deute sie die Einigung Europas als ein "gewaltiges Werk" und beschwöre das Parlament, Europa zu einen und zu stärken. Unter Beifall erkläre sie den Klimaschutz zu einer zentralen Herausforderung und werbe überzeugend für einen "Green Deal". In der sorgsam durchkomponierten Rede spanne sie einen weiten Bogen von Sachthemen, um schließlich einen emotionalen Appell für Europa zu formulieren: "The world needs more Europe".
 

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Die 61-Jährige spricht laut der Jury engagiert und wohl artikuliert, sie zeige mit einer akzentuierten Gestik und Körperhaltung, wie wichtig ihr Europa ist. Ihre in drei Sprachen gehaltene Rede - Französisch, Englisch, Deutsch - sei ein Muster für die Realität der politischen Rede in der vielsprachigen Europäischen Union und illustriert damit die kulturelle Vielfalt des Kontinents in souveräner Weise. In Zeiten von starker Polarisierung setzte von der Leyen auf die integrative Kraft Europas, werbe für Einheit und Zusammenhalt. Ihren Einsatz für Europa leite sie dabei plausibel aus der eigenen Biographie ab: "Deshalb bin ich in Brüssel geboren und Europäerin gewesen, bevor ich später gelernt habe, dass ich Deutsche bin und Niedersächsin."
 

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In Straßburg etabliere sich von der Leyen als "leidenschaftliche Kämpferin" für Europa, die eindrucksvoll für die Idee Europa streite, Rechtstaatlichkeit und moralische Standards hochhalte. Dabei mache es sich die Rednerin nicht leicht, weil sie Probleme und Schwierigkeiten in ihrer Rede eben nicht ausspare. Ein Zitat ihres Vaters weise dabei den Weg: "Europa ist wie eine lange Ehe. Die Liebe wird nicht größer als am ersten Tag, aber sie wird tiefer." Am Ende stehe der emotionale Ausruf "Es lebe Europa!", ein Appell, der aus tiefstem Herzen zu strömen scheine. Damit war von der Leyen nicht nur der Applaus der Abgeordneten sicher, sondern auch die Mehrheit der Stimmen. Sie erhielt 383 von 747.
 

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Die Auszeichnung "Rede des Jahres" wird seit 1998 vom Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen vergeben und ging seitdem unter anderem an Margot Käßmann, Marcel Reich-Ranicki und Navid Kermani. Mit diesem Preis würdigt das Seminar für Allgemeine Rhetorik jährlich eine Rede, die die politische, soziale oder kulturelle Diskussion entscheidend beeinflusst hat. Neben das Kriterium der Wirkungsmächtigkeit treten bei der Auswahl weitere Bewertungsmaßstäbe wie argumentative Leistung und stilistische Qualität der Rede. Ziel ist es, das gesamte rhetorische Kalkül des Redners zu betrachten und zu bewerten.

[PA]

Links

Zum Text der Rede

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