Das Outfit der Studierenden darf in der Abschlussprüfung nicht zu Punktabzug führen, hat ein Gericht klargestellt (Symbolbild: Rido/Shutterstock.com) Das Outfit der Studierenden darf in der Abschlussprüfung nicht zu Punktabzug führen, hat ein Gericht klargestellt (Symbolbild: Rido/Shutterstock.com)
Gerichtsurteil

Kleidung darf nicht in die Uni-Prüfung einfließen

Einer ehemaligen Studentin einer Berliner Hochschule waren in einer Prüfung Punkte wegen ihres Kleidungsstils abgezogen worden. Sie hatte im Master-Studiengang "Recht für die Öffentliche Verwaltung" bei einer mündlichen Prüfung Jeans und ein gepunktetes Oberteil getragen. Wegen dieses Outfits wurde ihre Leistung mit 1,7 statt 1,3 benotet. Dagegen klagte die junge Frau vor dem Berliner Verwaltungsgericht - und bekam Recht.

Dem Gericht zufolge konnte die Gegenpartei nicht darlegen, weswegen das Outfit der Prüfungssituation nicht angemessen gewesen sei. Die Dozentin hatte den Prüflingen im Vorfeld zur Prüfung die Kriterien zugesandt. Eines davon war die "Präsentationsweise (Vortrag)" worunter "sicheres und überzeugendes Auftreten mit einem dem Charakter der Prüfung angemessenem Kleidungsstil" falle. In einer weiteren Mitteilung an die Studierenden hatte die Dozentin mitgeteilt, wegen der hohen Temperaturen dürfe man auf einen "strengen formalen, geschäftlichen Dress-Code" verzichten. Zur Prüfung sollten die Klägerin und ihre Kommilitonen jedoch "dem Anlass entsprechend ansprechend und gepflegt" gekleidet erscheinen.
 


Das Outfit der 1989 geborenen Jura-Studentin wertete die Prüferin als Alltagsoutfit und demzufolge mit Punktabzug. In ihren Augen hätte die Jeansträgerin "auf eine weiße Leinenhose und Black Shirt mit Ethnokette oder einem (sic) lieblichen oder auch strengen Blouson zurückgreifen oder auch ein Top mit elegantem Kurzjackett" ausprobieren können. Die Jeans hingegen sei "casual" und als luftiges Kleidungsstück nicht geeignet.

Das Gericht wollte sich dieser Perspektive nicht anschließen und verpflichtete die Dozentin, ihrer ehemaligen Studentin ein neues Zeugnis mit der Note 1,3 auszustellen. Im Urteil heißt es, der Punktabzug für die getragene Kleidung sei bewertungsfehlerhaft. Eine Prüfung könne zwar grundsätzlich auch anhand des Kriteriums "Kleidung" bewertet werden, allerdings nur dann, wenn die Kleidung selbst Prüfungsgegenstand sein, etwa im Fach Modedesign.

JuraVerwaltungÖffentliches RechtBerlinStudentinStudentenStudisStudentinnenKleidungModePrüfungKlausurMündliche PrüfungGerichVerwaltungsgerichtUrteilRichterKammerKlägerinBeklagteKlageOutfitJeansOberteilBluseDresscodeBlouson

Der Autor: Hauke Koop
Der Autor: Hauke Koop

Der Autor: Hauke Koop

In Lüneburg geboren und aufgewachsen, zog es Hauke für die Ausbildung nach Hamburg. Im Anschluss begann er in der Hansestadt ein Studium der Politikwissenschaft. Der Cineast und Serienjunkie fährt gerne lange Strecken mit dem Fahrrad und findet Radrennen auch im Fernsehen spannend. Für Pointer schreibt er unter anderem über Filme, Musik und aktuelle (Uni-) Themen.