Umfrage

AfD-Anhänger finden Corona-Maßnahmen übertrieben

published: 22.05.2020

Nur 5 Prozent der Befragten des Politikpanels Deutschland fühlen sich durch das Coronavirus und die Maßnahmen dagegen nicht belastet (Symbolbild: Volurol/Shutterstock.com) Nur 5 Prozent der Befragten des Politikpanels Deutschland fühlen sich durch das Coronavirus und die Maßnahmen dagegen nicht belastet (Symbolbild: Volurol/Shutterstock.com)

Nur ein Drittel der Deutschen findet die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus übertrieben. Unter AfD-Wählern sind aber rund 74 Prozent dieser Meinung. So lautet ein Ergebnis der in unregelmäßigen Abständen stattfindende Umfrage Politikpanel Deutschland (PPD). Diesmal hat sie sich mit der politischen Stimmung in der Corona-Krise befasst. Rund 7.800 Personen wurden zu unterschiedlichen Aspekten des gesellschaftlichen Lebens und den Maßnahmen im Zuge der Pandemie befragt. Rund 5 Prozent der Befragten gab an, sich weder durch die Verbreitung des Virus noch die Maßnahmen zu seiner Bekämpfung belastet zu fühlen. Die größten Ängste gelten der Einschränkung demokratischer Rechte (18 Prozent), einer starken Rezession (20 Prozent) und vor allem der Erkrankung einer nahestehenden Person oder eines selbst (39 Prozent).

Die Umfrage wird von Prof. Uwe Wagschal (Universität Freiburg) geleitet. Gemeinsam mit PD Dr. Achim Hildebrandt von der Universität Stuttgart und PD Dr. Eva-Maria Trüdinger von der Ludwig-Maximilians-Universität München soll diese Umfrage nun alle drei Monate durchgeführt werden. Seit 20. Mai liegen die Ergebnisse der ersten Befragunsgwelle vom 7. bis zum 17. Mai 2020 vor. Die Antworten der Umfrageteilnehmer wurden nach soziodemographischen Merkmalen an die reale Verteilung der Bevölkerung angepasst, um verallgemeinerbare Aussagen über die gesamte Bevölkerung anstellen zu können.
 

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Im ersten Abschnitt der Umfrage haben die Forscherinnen nach Belastungen und Ängste infolge der Pandemie gefragt. Beinahe ein Drittel fühlt sich stark oder sehr stark belastet. Weitere rund 35 Prozent fühlen nur mittelmäßige Belastung, 28,2 Prozent sehen sich nur wenig belastet. Eine Zusammenhang zwischen der gefühlten Belastung und Fallzahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) konnten die Wissenschaftler nicht ausmachen. Im Gegenteil, während sich etwa im vergleichsweise kaum betroffenen Sachsen-Anhalt 40-50 Prozent der Befragten stark oder sehr stark belastet fühlten, gaben die Menschen in den Gebieten mit besonders vielen Corona-Fällen in Bayern und Baden-Württemberg weit seltener starke Belastung an.

Finanziell produziert die Corona-Pandemie mehr Verlierer als Gewinner. Auf die Frage der Auswirkungen der Pandemie auf das Haushaltseinkommen gaben gut 10 Prozent eine positive Entwicklung an. Ein Drittel der Umfrageteilnehmer gab hingegen negative Auswirkungen an. Mit 57,4 Prozent gab die Mehrheit der Befragten keine Veränderung an. Nach den Ängsten befragt, fürchten nur 4 Prozent der Teilnehmenden die eigene Arbeitslosigkeit. Allerdings ist die zweithäufigste Antwort ein starker Einbruch der deutschen Wirtschaft. Immerhin 12 Prozent fürchten Einschränkungen ihrer Lebensgewohnheiten.
 

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— achim_weinberg May 18, 2020

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Für die Umfrage ließ das PPD auch die Arbeit der Bundes- und Landesregierungen beziehungsweise die Eignung der staatlichen Maßnahmen bewerten. Die Teilnehmenden sollten sowohl bewerten, ob die Maßnahmen geeignet seien, die gesundheitlichen Folgen der Pandemie in den Griff zu bekommen, wovon über die Hälfte überzeugt ist, als auch, ob sie geeignet seien, die wirtschaftlichen Folgen in den Griff zu bekommen. Hier fällt die Zustimmung deutlich zurückhaltender aus. Nur gut ein Drittel der Befragten stimmt eher oder voll und ganz zu. Ein weiteres Drittel stimmte nur teils/teils zu, das letzte Drittel stimmte eher nicht oder überhaupt nicht zu.

Fast ein Drittel der Befragten ist der Meinung, die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus seien übertrieben. Nach Parteien aufgesplittert, stimmten rund 74 Prozent der AfD-Anhänger und circa die Hälfte der FDP-Wähler dieser Frage zu. Auch die Anhänger kleinerer Parteien ("Sonstige") stimmten mit etwa 71 Prozent deutlich häufiger zu als der Durchschnitt. Ähnlich verhält es sich bei der Frage, ob jeder selbst über den Umgang mit dem Coronavirus entscheiden solle. Insgesamt antwortete ein Viertel der Befragten zustimmend. Unter den Anhängern von FDP (44,5 Prozent), AfD (66 Prozent) und sonstiger Parteien (67,5 Prozent) war die Zustimmung überdurchschnittlich hoch.
 

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Hinsichtlich der Finanzierung der Krise glaubt ein großer Teil der Befragten, eine Vermögensabgabe für Reiche sei ein sinnvoller Weg. 50 Prozent der Befragten meinen, diese sei sehr sinnvoll, weitere 30 Prozent glauben, sie sei zumindest teilweise sinnvoll. Generelle Steuererhöhungen lehnen hingegen beinahe zwei Drittel ab. Bei der Zustimmung zu einzelnen Maßnahmen der Regierung zeigt sich ein differenziertes Bild. So gibt es große Zustimmung dafür, besonders betroffene Gemeinden abzuriegeln, Grenzen zu schließen, für Schul- und Kindergartenschließungen sowie das Verbot von Gottesdiensten und religiösen Feiern. Maßnahmen zur Überwachung der Telekommunikation oder gar die Einschränkung parlamentarischer Rechte werden hingegen deutlich kritischer gesehen. Auch ein Immunitätsausweis bekommt nur von gut einem Drittel der Befragten Zustimmung.

Beim Vertrauen in die Medien zeigt sich eine deutliche Spaltung der Gesellschaft zwischen den Wählerinnen und Wählern von AfD und Kleinstparteien gegenüber den anderen Parteien. Zwar haben die Wähler von Linkspartei und FDP, verglichen mit den Wählern von Union, SPD und Grünen, ein etwas geringeres Vertrauen in offizielle Webseiten (z.B. dem Robert Koch-Institut) sowie etablierte oder öffentlich-rechtliche Medien, Tageszeitungen und deren Web-Auftritte. Sie stimmen mit ihnen aber darin überein, dass dies die vertrauenswürdigsten Quellen seien. Internet-Blogs und YouTube hingegen vertrauen die Anhänger dieser Parteien am wenigsten. Für die Wählerschaft der AfD und anderer Parteien (ua. Widerstand 2020) stellen diese jedoch die vertrauenswürdigsten Quellen dar.

Der Autor: Hauke Koop

Der Autor: Hauke Koop

In Lüneburg geboren und aufgewachsen, zog es Hauke für die Ausbildung nach Hamburg. Im Anschluss begann er in der Hansestadt ein Studium der Politikwissenschaft. Der Cineast und Serienjunkie fährt gerne lange Strecken mit dem Fahrrad und findet Radrennen auch im Fernsehen spannend. Für Pointer schreibt er unter anderem über Filme, Musik und aktuelle (Uni-) Themen.

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