Leibniz Universität Hannover

Prof schließt Studenten nach Corona-Debatte von Vorlesung aus

published: 26.05.2020

Nach Kritik an seinen Äußerungen schließt Finanzprofessor Homburg Studierende aus seiner Vorlesung aus (Foto: flagman_1 / Shutterstock.com) Nach Kritik an seinen Äußerungen schließt Finanzprofessor Homburg Studierende aus seiner Vorlesung aus (Foto: flagman_1 / Shutterstock.com)

Der Finanzwissenschaftler Stefan Homburg ist in den letzten Wochen durch ablehnende Äußerungen zu den Beschränkungen in der Corona-Krise aufgefallen. Als einige Studierende sich in einem Forum der Leibniz Universität Hannover kritisch über die Meinung des Professors äußerten, schloss Homburg sie von seiner Online-Vorlesung aus. Die Studenten fordern von der Leitung der Uni nun Konsequenzen.

Vergleich mit den Geschehnissen in den 1930er Jahren

Der Finanzprofessor Stefan Homburg übt starke Kritik an den aktuellen Einschränkungen, die zur Bekämpfung des Coronavirus beitragen sollen. Er stellt die geltenden Kontaktbeschränkungen in Frage und setzt laut der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" ("HAZ") die Situation mit dem Beginn der Nazi-Herrschaft 1933 gleich. Er trat mit seinen Ansichten bereits als Redner bei einer Demonstration von Corona-Skeptikern in Stuttgart auf. Dabei setzte er die Bundesregierung mit diktatorischen Regimen gleich und stellte die Unabhängigkeit der Medien und der Wissenschaft in Frage. Neben dieser Rede sind auch Links zu Artikeln und Interviews von Homburg auf der Internetseite des von ihm geführten Instituts für Öffentliche Finanzen verfügbar. Diese Vermischung von seinem Amt als Professor an der Leibniz Universität und der Verbreitung seiner politischen Ansichten betrachten Hochschulmitarbeiter und Studierende äußerst kritisch.
 

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Studierende wegen Kritik von Vorlesung ausgeschlossen

In Homburgs Vorlesung zu Kommunalfinanzen protestierten schließlich einige Studierende gegen die umstrittenen Äußerungen des Professors. Die Studenten verfassten einen kritischen Text und luden ihn in einem universitätsinternen Forum zur Vorlesung hoch. Homburg entfernte die Datei von der Plattform und schloss einige der Studierenden von seiner Vorlesung aus. Noah Horn, einer der Betroffenen, sagte gegenüber der "HAZ", die Studierenden "wollten das nicht so stehen lassen und ein Zeichen setzen". Homburg begründete seine Reaktion gegenüber der Zeitung mit angeblichem Vandalismus der Studierenden auf der Plattform. Aus seiner Sicht sollten sich die Beiträge im Forum auf inhaltliche Fragen beschränken. Der Professor verwies stattdessen auf Twitter als eine mögliche Plattform für die Diskussion.
 

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AStA appelliert an die Hochschulleitung

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) verurteilte Homburgs Verhalten und appellierte an die Hochschulleitung, Konsequenzen zu ziehen. Nils Heidenreich vom AStA der Leibniz-Uni kritisierte gegenüber der "HAZ" besonders die fehlende Trennung zwischen Homburgs Tätigkeit als Professor und seinem Aktivismus. Mit seinen Äußerungen unterstütze der Professor Verschwörungsideologien und rücke damit auch die Uni in ein schlechtes Licht. Der Studierendenausschuss forderte in der Folge, Homburg von seiner Lehrtätigkeit zu entbinden.
 

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Hochschule distanziert sich von Homburgs Meinung

Laut der "HAZ" hatte eine Sprecherin der Leibniz-Uni bereits deutlich gemacht, dass Homburgs Meinung nicht in Verbindung zur Universität stehe und die Hochschulleitung seine Ansichten ausdrücklich nicht unterstütze. Nun distanzierten sich die Spitzengremien der Hochschule auch in einer offiziellen Erklärung von den Äußerungen des Professors. Professor Holger Butenschön, Senatssprecher der Universität, spricht in einem Interview mit der "HAZ" von "Missbrauch der Freiheit von Forschung und Lehre" und verurteilt damit die Verknüpfung von Homburgs Äußerungen mit seinem Status als Professor der Leibniz-Uni. Rechtlich gegen die Aktionen des Finanzprofessors vorzugehen, scheint momentan jedoch nicht möglich zu sein. Homburgs Äußerungen werden durch das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung und die Freiheit von Forschung und Lehre geschützt. Auch die Verwendung von Servern der Universität zur Verbreitung seiner Ansichten zu den Corona-Beschränkungen war nach Angaben von Butenschön rechtlich zulässig.


 
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Die Autorin: Hannah Reuter

Die Autorin: Hannah Reuter

Hobbyköchin, Schoko-Junkie, Ordnungsfreak: In Hannover geboren und aufgewachsen, unternahm Hannah nach dem Abi eine Interrailreise quer durch Europa. Anschließend zog sie der Traum vom Journalismus in die Medienstadt Hamburg, wo sie seit 2018 Politikwissenschaft studiert. Sie liebt es zu reisen, erkundet momentan aber vor allem ihre Wahlheimat. Für Pointer schreibt Hannah über Themen rund ums Studium und den Uni-Alltag.

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Links

Hier geht's zum Artikel der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung"
Hier geht's zum "HAZ"-Interview des Senatssprechers

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