Viele Studenten in Deutschland sehen sich im Zuge der Corona-Pandemie gezwungen, auf Studienkredite zurückzugreifen (Foto: pathdoc) Viele Studenten in Deutschland sehen sich im Zuge der Corona-Pandemie gezwungen, auf Studienkredite zurückzugreifen (Foto: pathdoc)
Hilfskredite

Corona: Tausende Studenten verschulden sich

Mehrere Tausend Studenten haben in den vergangenen Monaten Schulden aufgenommen oder staatliche Hilfszahlungen beantragt. Das geht aus einem Schreiben des Bundesbildungsministeriums an den Bildungsausschuss des Bundestages hervor, dass der Deutschen Presseagentur vorliegt. Demnach wurden seit Mai bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mehr als 22.000 Anträge auf vorerst zinsfreie Studienkredite in Höhe von insgesamt 641,6 Millionen Euro gestellt.
 


Viele Studierende sind in den letzten Monaten in eine finanzielle Notlage geraten. Ursächlich hierfür ist die Corona-Pandemie, aufgrund derer viele Studis ihre Nebenjobs verloren. Um dem entgegen zu wirken, brachte das Bundesbildungsministerium ein 100-Millionen-Euro-Nothilfepaket auf den Weg, um dort Abhilfe zu schaffen, wo die Hilfe benötigt wird. Dem Schreiben nach wurde davon auch in mehr als 41.000 Fällen Gebrauch gemacht.
 


Allerdings wurden nach Ministeriumsangaben etwa doppelt so viele Anträge eingereicht. "Es ist ein Skandal, dass jeder zweite Antrag von Studierenden auf Unterstützung in der Pandemiekrise abgelehnt wird", sagte der hochschulpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Kai Gehring, laut der "ZEIT". "Die Modalitäten der sogenannten Überbrückungshilfe sind offensichtlich so miserabel, dass Studierende in Notlagen zur blanken Existenzsicherung in den KfW-Studienkredit getrieben werden." Das Bundesbildungsministerium selbst geht nach eigenen Angaben zumindest für den Monat Juli von einer höheren Annahmequote aus.
 


Die Kritik der Grünen geht jedoch noch einen Schritt weiter: "Dass die Lage vieler Studierender schon vor der Krise so prekär war, zeigt, wie notwendig eine grundlegende Reform der staatlichen Studienfinanzierung ist", meint Gehring. Diese Ansicht teilt auch das Deutsche Studentenwerk. Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde hatte im "Handelsblatt" gesagt, dass viele Studenten keine Pandemie-bedingte Notlage nachweisen könnten, heiße nicht, dass sie nicht in einer Notlage seien, sondern dass diese schlicht schon vorher bestanden habe. Es bleibt abzuwarten, wie gebeutelt die Studierenden tatsächlich aus dieser Krise gehen.

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Der Autor: Jakob Baumgardt
Der Autor: Jakob Baumgardt

Der Autor: Jakob Baumgardt

Als gebürtiger Hamburger ist Jakob manchmal etwas kurz angebunden. Er brennt schnell für ein Thema, wenn es um Sport oder Musik geht. Jakob probiert sich gerne kreativ aus und in seiner Freizeit geht ihm nichts über entspannte Abende und laute Boxen. In seinem Studium lernt er neben Journalismus und PR auch die negativen Seiten der Medien kennen. Er kann sich durchaus vorstellen, später einmal auszuwandern.