Sprechstunde mit Dr. Karin Anderson

Mit dem Dozenten anfreunden?

published: 18.02.2009

Beziehungen zwischen Studentierungen und Dozenten können schwierig werden (Foto: shutterstock.com/Syda Productions) Beziehungen zwischen Studentierungen und Dozenten können schwierig werden (Foto: shutterstock.com/Syda Productions)

Ihr sitzt in der Vorlesung und hört mit Begeisterung eurem neuen Dozenten zu. Endlich versteht es jemand, schwere Materie interessant zu vermitteln. Ganz abgesehen davon, scheint er auch noch ziemlich nett zu sein. Und neulich habt ihr bei einem kleinen Plausch auf dem Gang sogar festgestellt, dass ihr im selben Sportverein Tennis spielt. Aber Moment einmal, darf man sich überhaupt mit seinem Dozenten oder seiner Dozentin anfreunden? Das fragte sich auch Unikosmos-Userin Mary1986 im Help-Forum.

Jetzt haben die Techniker Krankenkasse und Unikosmos für euch die "Sprechstunde mit Dr. Karin Anderson" eingeführt. Darin beantwortet die Ärztin und Psychotherapeutin eine dringende User-Frage. Im Anschluss daran könnt ihr wie gewohnt im Help-Forum über das Thema diskutieren.

Mary1986: "Hallo Frau Dr. Anderson, ich habe eine Frage zur 'Etikette' an der Uni. Darf man sich als normale Studentin mit einem Dozenten anfreunden? Ich habe in meinem Geschichtsseminar nämlich einen total netten Dozenten, der auch kaum älter als ich ist, den ich sehr sympathisch finde. Unter normalen Umständen, also wenn er einfach ein Kommilitone wäre, würde ich auf ihn zugehen und auf einen Kaffee einladen. Aber einem Dozenten gegenüber kann man das nicht bringen, oder? Oder geht das auch? Vielleicht wissen Sie, was da erlaubt ist und was nicht. Ich mache mir etwas Sorgen, dass er denkt, ich will Vorteile davon, also bessere Noten oder so, aber ich finde ihn einfach nur nett. Oder käme er dann in einen Gewissenskonflikt, wenn wir uns anfreunden würden? Ich würde mich sehr über eine Antwort von Ihnen freuen. Mary"

Dr. Karin Anderson: "Hallo Mary! Dozenten lernen ihre Partnerinnen natürlich auch irgendwo kennen, und der Arbeitsplatz bietet im Allgemeinen die meisten Kontakte. Die Grenze des Erlaubten bzw. Ethischen bei Beziehungen zwischen Lehrenden und Lernenden an der Uni wird nur dann überschritten, wenn ein Abhängigkeitsverhältnis besteht und die Beziehung zu unerlaubter Bevorzugung führen kann.

Wenn Du bei einem Dozenten einfach irgendeine Vorlesung hörst oder ein Seminar belegt hast, in dem Du nicht gleichzeitig von ihm geprüft und benotet wirst, besteht sicher kein Einwand gegen ein näheres Kennenlernen. Ist der betreffende Dozent aber gleichzeitig Dein Prüfer, sieht die Sache ganz anders aus. Dann käme er nämlich in den Konflikt, Dich nicht mehr objektiv genug beurteilen zu können, und andere könnten unterstellen, dass er Deine Abhängigkeit ausnutzt oder Du ihn (mit Sex) bestechen willst.

Falls Du Dich also für einen netten Dozenten interessierst, der Dich in einem Prüfungsfach unterrichtet, und er dieses Interesse erwidert, musst Du unbedingt die Konsequenzen ziehen, und Dich bei einem anderen Professor für den betreffenden Kurs anmelden (oder zumindest klarstellen, dass Du einen anderen Prüfer bekommen kannst).

Daher kannst Du Deinen netten Dozenten ruhig zu einer gemeinsamen Tasse Kaffee einladen. Dabei wirst Du ja feststellen, wie er auf diese freundliche Einladung reagiert und ob auch seinerseits Interesse besteht. Für den Fall einer Freundschaft muss dann aber eindeutig klar sein, dass er als Prüfer oder Beurteiler für Dich nicht mehr in Frage kommt. Liebe Grüße, Dr. Karin Anderson"

[TK]

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