Sprechstunde mit Dr. Karin Anderson

Vortraghalten trotz Fremdsprache

published: 22.04.2009

Wer sich traut, in einer Fremdsprache zu referieren, sammelt auch bei den Professoren Pluspunkte (Foto: Public Address) Wer sich traut, in einer Fremdsprache zu referieren, sammelt auch bei den Professoren Pluspunkte (Foto: Public Address)

In einer fremden Sprache zu studieren, ist schon nicht ganz einfach. Bei dem Gedanken, auch noch vor den Kommilitonen einen Vortrag in dieser Sprache zu halten, wird vielen Nicht-Muttersprachlern mulmig. Groß ist die Angst, sich nicht verständlich machen zu können oder gar von den Zuhörern ausgelacht zu werden. Expertin Dr. Karin Anderson weiß, warum es sich lohnt, diese Herausforderung dennoch anzunehmen.

Unikosmos-User: "Hallo zusammen, ich bin seit drei Semestern in Deutschland und habe das Problem, dass ich in meinem Bachelor-Studiengang Hausarbeiten schreiben muss, und die auch im Hörsaal vortragen. Ich schreibe gerne, aber vortragen vor so vielen Leuten?! Davor habe ich eine Riesenangst, da ich Deutsch nicht wie ein Muttersprachler spreche, und wenn ich aufgeregt bin, dann geht es noch schlimmer als sonst. Ich habe daran gedacht, dass ich vielleicht in meiner Fakultät nachfragen sollte, ob es möglich ist, mich von dem Vortrag zu befreien [...]"

Dr. Karin Anderson: "Hallo, ich möchte Dich gern ermutigen, trotz nicht perfekter Deutschkenntnisse Dein Referat auf deutsch zu halten! Als Non-Native-Speaker hier in den USA habe ich auch einige Erfahrungen mit Ansprachen vor Gruppen und kann daher Deine Bedenken sehr gut nachvollziehen. Auch wenn Du befürchtest, dass einige Deiner zuhörenden Kommilitonen auf holpriges Sprechen und Unsicherheit eventuell mit Spott reagieren können - ich bin sehr sicher, dass die Mehrheit Deiner Mitstudierenden Deine Bemühungen, ein Referat in einer fremden Sprache zu halten, mit Sympathie und Anerkennung aufnehmen werden. Schließlich wissen sie ja, wieviel mehr Aufwand und Überwindung so ein Referat von Dir fordert. Wenn Du Dein Referat hältst, suche Dir vorher unter den Zuhörern ein sympathisches Gesicht aus und schau diese Person an, während Du sprichst - dann denkst Du dabei weniger an die ignoranten Leute, die möglicherweise über Dich lachen könnten. Ich selbst habe auf Psychotherapie-Kongressen viele Vorträge gehört, die Ausländer in deutscher Sprache gehalten haben. Die Aufnahme im Publikum war immer sehr wohlwollend. Mir ist dabei ein Kunstgriff aufgefallen, der Ausländern möglicherweise leichter fällt als Deutschen, nämlich den Vortrag mit einer witzigen Bemerkung einzuleiten. Der berühmte Borderline-Forscher Otto Kernberg beispielsweise machte sich zu Beginn seiner Rede erst einmal selbst über sein lückenhaftes Deutsch lustig, und brachte alle damit zum Lachen. So eine Einleitung wirkt immer sehr sympathisch und nimmt gleichzeitig eventuellen Spöttern den Wind aus den Segeln.

Und noch etwas solltest Du bedenken: Wenn Du Dir trotz Deines Sprachhandicaps die Mühe machst, Dein Referat zu halten, werden mit Sicherheit nicht nur Deine Mitstudenten diese Extraleistung anerkennen, sondern auch Deine Professoren. Du schaffst Dir damit ganz eindeutig auch bei ihnen ein besseres Image, als wenn Du den scheinbar einfacheren Weg wählst und dich davon befreien lässt.
Und wenn Du Dein erstes Referat gehalten hast, wirst Du ganz sicher feststellen, dass Du Dein Selbstbewusstsein dadurch enorm bestärkt hast. Und beim nächsten Mal ist es dann auch bestimmt einfacher. Ich wünsche Dir alles Gute für Dein Studium und drücke Dir die Daumen für Dein Referat, Dr. Karin Anderson"

[TK]

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