Lohnt es sich, nach dem Bachelor-Abschluss noch ein Master-Studium aufzunehmen? (Foto: shutterstock.com/MrGarry)Vor anderen Menschen zu sprechen, fällt nicht jedem leicht (Foto: shutterstock.com/VGstockstudio)Wer sich traut, in einer Fremdsprache zu referieren, sammelt auch bei den Professoren Pluspunkte (Foto: Public Address)Alexander (l.) und Lukas schätzen die internationale Anerkennung des Bachelor-Abschlusses (Foto: Public Address)Im Anschreiben die richtigen Worte zu finden, fällt vielen Bewerbern nicht leicht (Foto: shutterstock.com/Photographee.eu)Wir haben Marinus (l.) und Moritz auf dem Campus der Uni Hamburg befragt (Foto: Public Address)Wer in stressigen Lernphasen nicht für Abwechslung sorgt, fühlt sich schnell wie erschlagen  (Foto: shutterstock.com/Firma V)

Umfrage

Eure größte Kritik am Bachelor

published: 10.05.2009

Wie gefällt den Studierenden  das Bachelor-/Master-System? (Foto: shutterstock.com/Imilian) Wie gefällt den Studierenden das Bachelor-/Master-System? (Foto: shutterstock.com/Imilian)

Die Veränderungen im deutschen Hochschulsystem sind gravierend und besonders am Bachelor-/Mastersystem scheiden sich die Geister. Immer wieder hört man hie und da ein Grummeln und Grollen, wenn die Begriffe Bachelor oder Master fallen. Selbst Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker bemängelte in einem "Zeit"-Interview, dass "die Verschulung" verhindere, "dass man sich ein Bild von der Welt" mache - und das könne man doch nur als Student.

Doch was stört die Studierenden selbst am neuen Hochschulsystem? Unikosmos wollte von wissen, was euer größter Kritikpunkt am Bachelor-/Mastersystem ist, und hat sich auf dem Campus der TU Harburg und an der Universität Hamburg umgehört.

Was ist eure größte Kritik am Bachelor?

  • Man hat zu wenig Freiheiten im Studium, um individuelle Schwerpunkte zu setzen.

  • Man hat einen zu hohen Leistungsdruck.

  • Man hat zu wenig Möglichkeiten, in andere Fächer hineinzuschnuppern.

"Mein größter Kritikpunkt ist, dass man durch das Studium gezerrt wird. Man hat nicht die Möglichkeit, den Horizont auch in anderen Bereichen zu erweitern und innerhalb der Uni ein bisschen schnuppern zu gehen. Für alles, was man macht und tut, bekommt man seine Creditpoints. Man ist eher damit beschäftigt, diese zu sammeln, als sich anderweitig umzuschauen", findet Mandy, die Erziehungswissenschaften und Ethnologie im vierten Semester auf Bachelor studiert.

Jonas, Lehramtstudierender im zwölften Semester, stimmt ihr da zu. "Ich glaube, man wird als Bachelorstudent pragmatisch und ist nur auf der Jagd nach diesen Creditpoints - das ist alles, was zählt. Das Studium verflacht da einfach." Er fügt noch hinzu: "Es ist auf jeden Fall der Workload, der es einem nicht möglich macht, als Kind nicht-reicher Eltern zu studieren. Wenn man nebenbei arbeiten muss, ist der Zeitdruck superkrass."

Das Wichtigste zum Bachelor

1999 unterzeichneten 29 europäische Bildungsminister im Bologna-Prozess das Vorhaben, bis 2010 ein einheitliches europäisches Hochschulwesen zu schaffen. Seitdem herrscht eine Flut von Neuregelungen und Neuheiten an den Unis.

Hier ein Überblick über die Änderungen:
* Das Bachelorstudium sieht eine Regelstudienzeit von sechs Semestern vor (eventuell sieben oder acht).
* Innerhalb dieser sechs Semester sind 180 Leistungspunkte (credit points) zu erwerben.
* Die Lehrveranstaltungen sind in Module gegliedert.
* Es besteht Anwesenheitspflicht.
* Kurse in den Allgemeinen Berufsqualifizierenden Kompetenzen (ABK) sollen den Studenten Projektmanagment und Arbeitsmethoden näher bringen
* Im Anschluss an das Bachelorstudium ist ein Masterstudiengang möglich, der aufbauen und vertiefen soll.
* Fächer wie Evangelische Theologie, Medizin, Pharmazie und Rechtswissenschaft laufen nach wie vor nach dem alten System.

Benjamin, Musikwissenschaftsstudent auf Diplom, meint: "Das Bachelorsystem widerstrebt dem, was ich am Studieren wichtig finde, nämlich, dass man eigenständiges Arbeiten lernt und Forschung betreibt, die nicht in einen Stundenplan passt. Man hat während des Studiums viel zu wenig Möglichkeiten, sich auch außerhalb der Uni fortzubilden."

Und auch Dennis, der Sonderschullehramt im achten Semester auf Staatsexamen studiert, sieht ähnliche Schwierigkeiten. "Das Problem ist, dass das neue System viel weniger Freiheiten zulässt. Der Stundenplan ist von A bis Z durchgeplant und du kannst dir überhaupt keine Schwerpunkte nach Interesse setzen. Alles ist vorgegeben", bemängelt er. "Der eigentliche Sinn des Studierens geht verloren, nämlich dass du Zeit haben solltest, dein Wissen zu vertiefen und deine Kompetenz zu erweitern."









[Juliane Breiler]

Das könnte dich auch interessieren:

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung