Besonders psychisch sind die Studierenden durch den Corona-Lockdown belastet (Foto: Christian Erfurt/unsplash.com) Besonders psychisch sind die Studierenden durch den Corona-Lockdown belastet (Foto: Christian Erfurt/unsplash.com)
Forsa-Umfrage

Wie das Online-Studium Studenten auf die Psyche schlägt

Statt zur Vorlesung zu fahren, setzt man sich eine Minute vor Vorlesungsbeginn an den Laptop. Sich während der Seminare mit Kommilitonen auszutauschen und Referate in den Lernräumen der Uni vorzubereiten, war einmal. Jetzt chattet man per WhatsApp und trifft seine Kommilitonen höchstens in Lerngruppen per Videokonferenz. Und anstatt am Samstagabend feiern zu gehen, verabredet man sich per Zoom auf ein Glas Wein. Es herrscht eine seltsame Mischung aus abwartendem Hoffen auf das Ende des Corona-Lockdowns und dem Ab- und Zurechtfinden mit der Situation. Klar: Das Verlangen nach Normalität ist in allen gesellschaftlichen Bereichen vorhanden. Maximal herbeigesehnt wird sie auch an den Universitäten. Dort, wo eigentlich das Leben blühen sollte, hat sich durch den Lockdown alles verändert. Statt analog gibt es jetzt alles in einer digitalen Edition. Doch die Erwartung, dass sich das schnell ändert, ist unrealistisch.

Welche Folgen hat diese digitale Ausgabe des Studentenlebens für die Studierenden? Wie gut kommen die Studentinnen und Studenten damit zurecht? Was belastet sie? Dazu liegen jetzt Ergebnisse einer Forsa-Umfrage vor, die im Auftrag der Techniker (TK) erstellt wurde.
 


Laut dieser Befraung ist ein kritischer Aspekt die Kommunikation. In Zeiten von Corona besteht diese an den Hochschulen hauptsächlich aus Video-Konferenzen und E-Mails. Mehr als die Hälfte der befragten Studierenden, rund 54 Prozent, gaben an, dass sie das anstrenge. Viele Aspekte erschweren aus Sicht der Studierenden die digitale Kommunikation. "Es ist ein guter Versuch, einen Ersatz für 'face-to-face'- Kommunikation zu finden", meint die Psychologie-Studentin Tabea gegenüber Pointer. "Jedoch finde ich, dass zwischenmenschliche Kommunikation auf diesem Weg oft nicht klappt, sei es aufgrund einer schlechte Verbindung, entstehender Missverständnisse oder fehlenden Mutes, seine Meinung zu sagen oder Fragen zu stellen."
 


Mit insgesamt 60 Prozent fühlen sich Studentinnen stärker von der digitalen Kommunikation belastet als Studenten, wo es nur 49 Prozent sind. Acht von zehn Befragten gaben an, dass persönliche Gespräche mit anderen im Studium durch nichts zu ersetzen seien.
 


Das ist jedoch nicht das einzige Feld, auf dem sich die Studierenden in ihrem Corona-Studium belastet fühlen. Ein weiterer herausfordernder Aspekt ist das eigenständige Arbeiten. Dieses war zwar auch schon vor Corona Teil des Unialltags, hat aber an Ausmaß und Intensität nun deutlich zugenommen, während gleichzeitig unterstützende Angebote wegfallen. Bei ihr sei das tagesabhängig, sagt Tabea. "An manchen Tagen fällt mir das eigenständige Arbeiten leichter, gerade wenn die Arbeit für ein interessantes Modul ansteht. An anderen Tagen wiederum - vor allem, wenn von meinen persönlichen Hobbys aus Online-Meetings anstehen - fällt es mir schwerer." Insgesamt gaben 47 Prozent der Befragten in der Forsa-Umfrage an, dass es ihnen eher schwerfällt, sich für das eigenständige Arbeiten zu motivieren. Auch bei der Public-Administration-Studentin Magdalena ist das der Fall. "Ich kenne Kommilitonen, die sind wirklich so selbstbeherrscht, dass sie sich Punkt 7:45 Uhr morgens oder noch früher an ihren Schreibtisch setzen und sich ohne Probleme genau nach Stundenplan eigenständig Sachen erarbeiten", erzählt sie Pointer. "Ich gehöre definitiv nicht dazu. Ich stehe zwar auch so früh auf, aber nur, wenn ich eine Online-Vorlesung habe, an der ich teilnehmen muss, da bei uns Anwesenheitspflicht herrscht", sagt sie. Ansonsten versuche sie, sich dazu zu "zwingen", eigenständig Inhalte zusammenzufassen , was wirklich nicht leicht sei. Grundsätzlich sehen sich die Studenten mit 51 Prozent stärker herausgefordert als die Studentinnen mit 42 Prozent.
 


Online-Angebote allgemein werden von den Studierenden sehr gut aufgenommen. Insgesamt 84 Prozent geben an, dass sie gut mit den neuen Online-Angeboten umgehen können. Das sieht auch Tabea so. "Es wird versucht, so viel wie möglich anzubieten. Viele Professoren und Professorinnen geben sich Mühe, auch interaktive Aufgaben anzubieten", so die 21-Jährige. "Angesichts dessen, dass versucht wird, das Beste aus der Situation zu machen, kann ich mich nicht beklagen." Und auch Magdalena meint: "Teilweise geben sich die Dozenten richtig Mühe, erstellen Lernvideos, vertonen PowerPoint-Präsentationen und laden Übungsfälle und Übungsaufgaben hoch. Im Großen und Ganzen finde ich die Angebote gut."

Für die Forsa-Umfrage der TK wurden im Oktober 2020 bundesweit 303 Studierende im Alter zwischen 18 und Mitte 30 zu ihrem Digitalverhalten befragt. Diese ist jedoch nicht die einzige Umfrage, die die TK herangezogen hat, um die Auswirkung des Online-Studiums auf Studierende zu überprüfen. Eine Online-Umfrage der Technischen Universität München (TUM) beschäftigt sich mit der wohl wichtigsten Frage zur aktuellen Situation: Wie geht es den Studierenden überhaupt? Die Antwort ist: Je länger der Lockdown dauert, umso schlechter.

Bereits bei der ersten Befragung zur Belastung durch die Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 gaben 72 Prozent der befragten Studierenden der TUM an, dass es ihnen während des Lockdowns schlechter ging als vor den Ausgangsbeschränkungen. Bei der gleichen Befragen später im Jahr im Dezember hatten sich die Werte deutlich verschlechtert. "In fast allen Bereichen hat die Lebenszufriedenheit der Studierenden signifikant abgenommen," sagt Dr. Thorsten Schulz vom Studentischen Gesundheitsmanagement (SGM) der TUM, der die Befragung durchführte. Rund 80 Prozent der Befragten haben sogar sogenannte "abklärungsbedürftige" Werte. Das sind Werte, die auf eine mögliche depressive Verstimmung hinweisen.
 


Die Ergebnisse der beiden Umfragen sind angesichts der hohen Wahrscheinlichkeit, dass die Pandemie und damit das Online-Studium noch eine Weile dauern werden, nicht gerade gut. Doch was lässt sich dagegen unternehmen? "Um das Wohlbefinden und die Gesundheit der Studierenden in dieser herausfordernden Situation zu stärken, ist es wichtig, ihnen Unterstützung anzubieten", so Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK. Hochschulprojekte zum studentischen Gesundheitsmanagement mit gezielten Angeboten zur Stärkung der gesundheitlichen Ressourcen in der Pandemiezeit könnten also helfen. So bietet die TUM in Kooperation mit der TK ihren Studierenden und Hochschulmitarbeitenden kostenlose Online-Bewegungs- und Meditationskurse an. Zusätzlich gibt es eine 28-Tage-Challenge aus dem Bereich Mental Health zur Stärkung der Achtsamkeit und Entschleunigung. Auch die Technische Universität Kaiserslautern unterstützt die Studierenden im Rahmen des SGMs mit ihrem ganzheitlichen Onlineprogramm "Gemeinsam durch einsame Zeiten". Dies umfasst eine Mischung aus Bewegungs- und Entspannungskursen sowie digitalen Gesprächsrunden zu den Themen Einsamkeit, Umgang mit Angst, "Digital Overload" sowie zu Motivationsproblemen.

Es bleibt zu hoffen, dass zum einen mehr Universitäten und zum anderen auch die Politik vermehrt auf die psychische Belastung der Studierenden während der Corona-Pandemie aufmerksam werden und Angebote ausarbeiten, die die psychische Gesundheit der Studierenden stabilisieren. Schließlich scheint ein schnelles Ende des Lockdowns nicht in Sicht.

Dieser Artikel wird präsentiert von unserem Gesundheitspartner Die Techniker.

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Die Autorin: Eva Dangelmaier
Die Autorin: Eva Dangelmaier

Die Autorin: Eva Dangelmaier

Bücherwurm, Schnitzel-Fan, Regenläuferin: Eva ist in einer kleinen Stadt in Baden-Württemberg aufgewachsen. Nach dem Abitur zog es sie ans andere Ende von Deutschland. In Hannover studiert sie Politikwissenschaft und träumt bei einer guten Tasse Kaffee von einer Karriere als Journalistin. Für Pointer schreibt sie über aktuelle Ereignisse und Lifestyle-Trends für Studierende.