Auslandsstipendien

Studieren, wo andere Urlaub machen

published: 10.05.2005

Weltkarte (Foto: Public Address) Weltkarte (Foto: Public Address)

Was vor einigen Jahrzehnten unter den Kommilitonen noch für bewunderndes Staunen sorgte, gehört inzwischen für viele Studis zur universitären Ausbildung dazu: ein Aufenthalt an einer ausländischen Universität. Zur hohen Beliebtheit der Auslandssemester hat die große Anzahl an Stipendien beigetragen, die den Exkurs an fremde Bildungsinstitute auch für Studenten mit kleinem Geldbeutel möglich machen.

Die Finanzierung ist in den meisten Fällen nicht das Problem, wenn auch nicht jedes Programm eine 100-prozentige Deckung der Kosten bietet. Viel schwieriger ist es, unter der Vielzahl der Programme das richtige zu finden. Unikosmos gibt einen Überblick über die wichtigsten Stipendien und erklärt euch, wo ihr euch bewerben könnt.

Auslandsaufenthalt: ja oder nein?
Eigentlich wollt ihr euer Studium möglichst schnell hinter euch bringen. Sind da ein oder gar zwei Semester im Ausland nicht Zeitverschwendung, zumal nicht alle Scheine von dort an eurer Uni anerkannt werden? Nein. Wer so denkt, studiert möglicherweise an den Anforderungen des Arbeitsmarktes vorbei. Denn nicht nur Geschwindigkeit zählt, sondern auch Erfahrung. Und die solltet ihr nicht nur zwischen Hörsaal und Schreibtisch machen.

Viele Personalchefs wissen: Wer eine Zeit im Ausland gelebt hat, hat dort wahrscheinlich gelernt sich anzupassen und ist entsprechend teamfähig. Die Vorteile der Fremdsprachenkenntnisse kommen noch hinzu. Also auch wenn sich euer Studium durch Auslandssemester verlängert, ist das kein Beinbruch, sondern erhöht eure Chancen am Arbeitsmarkt. Auch persönlich wird euch die Erfahrung in einem fremden Land mit einer fremden Kultur weiterbringen.

Habt ihr euch für ein Studium an einer ausländischen Uni entschieden, solltet ihr den richtigen Zeitpunkt wählen. Dass ihr nicht gleich nach dem ersten Semester eure Koffer packt, ist logisch. Schließlich will sich der emsige Erstsemestler erst mal an der eigenen Uni zurechtfinden. Aber schon im Anschluss kommt der richtige Augenblick, um sich über Möglichkeiten und Stipendien zu informieren. Bis kurz vor Ende eures Studiums solltet ihr nicht warten, da wollt ihr euch auf das Examen vorbereiten. Für viele ist der beste Zeitpunkt für einen Auslandsaufenthalt nach dem Grundstudium oder Vordiplom. Das wird bei einigen Stipendien sogar als Bewerbungsvoraussetzung gefordert.


Die Fulbright-Kommission
Eines der renommiertesten Austauschprogramme bietet die deutsche Fulbright-Kommission an, die seit 1952 besteht. Die Kommission entstand auf Grund eines Regierungsabkommens als zwischenstaatliche Organisation und wird finanziell von US-amerikanischer und deutscher Seite getragen. Sie vergibt Stipendien an deutsche Studenten und Graduierte für ein akademisches Jahr in den USA.

Da der Aufenthalt in den USA neben der fachlichen Förderung ausdrücklich den Charakter des Kulturaustausches hat, wird besonderer Wert auf Engagement außerhalb der Hochschule gelegt. Allerdings sind die Fulbright-Plätze schnell vergeben. Vor allem bei Vollstipendien übersteigt die Anzahl der Bewerbungen in der Regel die Zahl der zur Verfügung stehenden Stipendien. Ihr solltet eure Erfolgsaussichten deshalb von Anfang an realistisch einschätzen und euch nicht darauf verlassen. Eine Bewerbung lohnt sich aber immer.

Zu den Bewerbungs-Voraussetzungen gehören eine deutsche Staatsbürgerschaft sowie gute englische Sprachkenntnisse. Die Bewerber müssen zum Zeitpunkt der Bewerbung mindestens im dritten Fachsemester eingeschrieben sein und zum Zeitpunkt der Abreise mindestens fünf abgeschlossene Semester vorweisen können. Außerdem müssen für die Anmeldung zur amerikanischen Hochschule ein Sprachtest und ein akademischer Test absolviert werden. Bewerben könnt ihr euch schriftlich jeweils ab April/Mai, wenn die Stipendien am akademischen Auslandsamt ausgeschrieben werden. Mehr Infos gibt’s auf www.fulbright.de.

Ins Ausland mit dem DAAD
Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ist der größte deutsche Förderer für Studierende, die ins Ausland wollen, und bietet eine Vielzahl verschiedener Programme an. Zu den bekanntesten gehören sicherlich das Erasmus- und das Sokrates-Programm. Der DAAD unterstützt Studis mit bis zu 575 Euro monatlich. Dabei habt ihr freie Wahl des Landes und der Gastuniversität. Die Höhe des Stipendiums ist vom Land und der Dauer des Aufenthaltes abhängig. Einen Überblick über das umfangreichen Angebot an Fördermöglichkeiten findet ihr auf www.daad.de.

Erasmus
Nach dem niederländischen Humanisten Erasmus von Rotterdam (1469-1536) ist das wichtigste und beliebteste europäische Austauschprogramm für Studierende benannt. Ein großer Vorteil des von der EU finanzierten Programms: Die im Stipendium erarbeiteten Scheine und Prüfungen werden daheim anerkannt, auch wenn euch das in der Praxis nicht immer etwas nützt; manchmal sind die Studiensysteme einfach zu unterschiedlich.

Leider fällt die Förderung recht niedrig aus, dafür entfallen die Studiengebühren. Mit bis zu 200 Euro Förderung im Monat muss sich der Erasmus-Student auf eigene Kosten einstellen. Die Höhe der Förderung hängt übrigens von der Anzahl der Bewerber und der Ziel-Uni ab. Exotische Auslandswünsche erhöhen also die Chance auf größtmögliche Förderung. Damit ihr teilnehmen könnt, muss eure Fakultät am Erasmus-Programm teilnehmen.

Tipp: Wenn ihr in eine bestimmte Stadt möchtet, deren Fakultät aber nicht am Programm teilnimmt, könnt ihr euch dort selber einen Erasums-Koordinator suchen. Das bedeutet, ihr braucht einen Professor, der sich bereit erklärt, euch in der Zeit eures Aufenthaltes zu betreuen. Also erstmal an der eigenen Fakultät fragen, welche Kontakte zu Professoren in anderen europäischen Städten bestehen.

Bewerben könnt ihr euch direkt bei den für eure Fakultät zuständigen Erasmus-Koordinatoren. Ihr solltet aber auf die teilweise recht frühen Bewerbungsfristen achten. Je nach Studienfach müssen vor Antritt des Auslandsstudiums verschiedene Prüfungen wie Vordiplom oder Zwischenprüfung abgelegt werden. Nach eurer Bewerbung erfolgt dann die Auswahl durch die Koordinatoren der Fakultät. Mehr Infos auf hier.

Das ASA-Programm
In den 60-er Jahren entstand das Programm für Arbeits- und Studien-Aufenthalte in Afrika, Lateinamerika, Asien und Südosteuropa (ASA) als ein von Studierenden selbst verwaltetes Programm. ASA organisiert Arbeits- und Studienaufenthalte in Ländern der so genannten Dritten Welt.

Im Mittelpunkt steht dabei die Begegnung verschiedener Kulturen, die sowohl dort als auch durch ein Gegenbesuchsprogramm in Deutschland stattfindet. Der Erfolg dieser studentischen Initiative führte zu einer starken Nachfrage nach Programmplätzen. Für eine Teilnahme am ASA-Austauschprogramm müsst ihr erst einige Vorbereitungsseminare absolvieren.

Bei ASA-Programmen werden die Flugkosten bis zu 750 Euro übernommen. Die monatlichen Aufenthaltskosten werden bis zu 350 Euro pro Monat gefördert, abhängig vom besuchten Land. Allerdings wird die Finanzierung nur für drei Monate übernommen. Außerdem wird eine Pauschale für Fahrkosten, Impfungen und Visa von etwa 200 Euro gezahlt.

Für die Teilnahme am Programm solltet ihr zwischen 21 und 30 Jahre alt sein und bereits sprachliche Kenntnisse des Gastlandes mitbringen. Politisches oder soziales Engagement ist ebenfalls erwünscht. Für ein Aufenthalt auf ASA-Kosten solltet ihr euch bis zum 20. November des Vorjahres beworben haben. Mehr Infos auf www.asa-programm.de.

Sicher findet ihr unter den vorgestellten Programmen das passende für euch. Ob nun Europa, USA, Asien, Afrika oder Lateinamerika - die Übersicht zeigt: Für jeden ist etwas dabei. Selbst wenn es nicht gleich mit der ersten Bewerbung klappt, solltet ihr euer Glück weiter versuchen. Schreibt ruhig gleich mehrere Programme an. Außerdem lohnt sich im Einzelfall auch die Suche nach weiteren Stipendien, die kleiner und dadurch weniger bekannt sind. So sollte es letztlich mit dem Semester im Ausland klappen, ohne dass ihr für neue Erfahrungen und Top-Fremdsprachenkenntnisse euer Sparschwein schlachten müsst.

[Jörg Römer]

Das könnte dich auch interessieren:

Hochschulkarte

Suche

Mimadeo / shutterstock.com
Über 19.000 Studiengänge an 747 Hochschulstandorten
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung