Studierende mit Migrationshintergrund weisen ein geringeres Zugehörgkeitsgefühl zum Lehramtsstudium auf, hat eine neue Studie ergeben. Von ihnen brechen auch mehr ihr Studium ab (Symbolfoto: LinkedIn Sales Solutions on Unsplash) Studierende mit Migrationshintergrund weisen ein geringeres Zugehörgkeitsgefühl zum Lehramtsstudium auf, hat eine neue Studie ergeben. Von ihnen brechen auch mehr ihr Studium ab (Symbolfoto: LinkedIn Sales Solutions on Unsplash)
Studie

Lehramts­studenten mit Migrations­hintergrund fühlen sich weniger zugehörig

Studentinnen und Studenten mit Migrationshintergrund empfinden im Vergleich zu ihren Mitstudierenden ein geringeres Zugehörigkeitsgefühl zum Lehramtsstudium. Zugleich neigen sie eher dazu, das Studium abzubrechen. Dies hat eine Studie ergeben.Sie wurde vom DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation sowie der Goethe-Goethe-Universität Frankfurt am Main durchgeführt. Die Untersuchung gibt auch Hinweise darauf, dass es zwischen dem mangelnden Zugehörigkeitsgefühl und der Entscheidung, das Studium vorzeitig zu beenden, einen Zusammenhang geben könnte – neben weiteren Einflussfaktoren.

Mehrere Aspekte unterstreichen die Relevanz der Ergebnisse: In Deutschland besteht ein hoher Bedarf an Lehrkräften. Daher ist es generell wichtig, mehr darüber zu erfahren, was zum Abbruch dieses Studiums führen könnte. Außerdem sind Studierende mit Migrationshintergrund im Lehramtsstudium unterrepräsentiert. Dabei sind Lehrkräfte mit Migrationshintergrund aus verschiedenen Gründen gesucht: Ihre interkulturelle Kompetenz kann beim Unterrichten einer vielfältigen Schülerschaft helfen. Zudem können sie den Kindern und Jugendlichen als Rollenvorbilder dienen. "Nicht zuletzt ist es eine Frage der Bildungsgerechtigkeit, dass alle Studierenden unabhängig von ihrer Herkunft die gleichen Chancen haben, das Studium erfolgreich zu beenden", betont Dr. Kristin Wolf vom DIPF., die Erstautorin der Studie.
 


Dr. Wolf hat die Fragen des Zugehörigkeitsgefühl und der Abbruch-Intentionen gemeinsam mit weiteren Forschenden anhand einer Stichprobe von 925 Lehramtsstudierenden untersucht. Die Erhebungen erstreckten sich über zwei Messzeitpunkte innerhalb von etwa sechs Monaten Die Studienteilnehmenden besuchten vier verschiedene Universitäten, in unterschiedlichen Semestern sowie mit verschiedenen fachlichen Schwerpunkten (zum Beispiel Deutsch oder Biologie) und schulischen Spezialisierungen (zum Beispiel Grundschule oder Gymnasium). 28,5 Prozent der Stichprobe hatten einen Migrationshintergrund, was heißt, dass die Studierenden selbst oder mindestens ein Elternteil im Ausland geboren waren. Das Zugehörigkeitsgefühl und die Abbruch-Intentionen erhoben die Forschenden mit standardisierten Fragebögen. Anhand der Ergebnisse konnte man die Stärke beider Variablen auf einer Skala von eins bis sechs einordnen.


Im Ergebnis wurde deutlich, dass die Studierenden mit Migrationshintergrund ein geringeres Zugehörigkeitsgefühl und höhere Abbruch-Intentionen aufwiesen. Anschließend analysierten die Forschenden die Zusammenhänge zwischen den beiden Befunden mit statistischen Strukturgleichungsmodellen. Dabei rechneten sie verschiedene weitere Variablen, die ebenfalls Einfluss auf das Zugehörigkeitsgefühl und die Abbruch-Intentionen nehmen können, soweit es geht heraus. Dazu gehören zum Beispiel der Bildungshintergrund der Eltern, die Abiturnoten, das Geschlecht, der im Studium gewählte Schulzweig, der Universitätsstandort und der fachlicher Schwerpunkt. So konnte das Forschungsteam einen individuellen – wenn auch kleinen – Effekt des Zugehörigkeitsgefühls auf die Abbruch-Intentionen der Studierenden mit Migrationshintergrund belegen.
 

[PA]

studie LehramtsstudiumLehramtsstudium studieStudierende mit Migrationshintergrund Lehramtsstudiumstudiums abbruchstudium abbrechenstudenten mit migrationshintergrund abbruch