Unikosmos-Umfrage

Was bedeutet euch der Mauerfall?

published: 09.10.2009

Seit 1989 ein Relikt aus der Vergangenheit: Die Berliner Mauer (Foto: shutterstock.com/Noppasin) Seit 1989 ein Relikt aus der Vergangenheit: Die Berliner Mauer (Foto: shutterstock.com/Noppasin)

Am 9. November 1989 fiel die Mauer, die Ost- und Westdeutschland fast 30 Jahre lang voneinander getrennt hatte. In diesem Jahr feiert die Bundesrepublik den 20. Jahrestag des Mauerfalls – aber was wissen junge Menschen über dieses historische Ereignis? Was verbinden sie persönlich mit der Öffnung der deutsch-deutschen Grenze und wo sehen sie heute noch Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen? Um dies herauszufinden, hat Unikosmos in Hamburg Studierende nach ihren Erfahrungen und Einstellungen gefragt.

Theologiestudent Till aus Wedel bei Hamburg findet, dass im Ost-West-Vergleich besonders die ungleiche Verteilung von Arbeitsplätzen ein Problem darstellt. Was die Mentalitäten von Ost- und Westdeutschen betrifft, sieht der Examensanwärter hingegen keine große Diskrepanz. Kulturelle Eigenheiten seien eher regional bedingt, meint Till. Als die Mauer fiel, war er neun Jahre alt und verfolgte das Ereignis im Fernsehen. Obwohl damals mäßig politisch interessiert, sei er von den Bildern begeistert gewesen: "Ich sah nur, dass die Leute sich freuten – und das konnte nichts Schlechtes sein", erinnert sich der 29-Jährige.

Von unterschiedlicher Erziehungspolitik weiß Bärbel, Soziologiestudentin aus Brandenburg, zu berichten. Die an der Grenze zu Polen aufgewachsene Studentin erzählt von westdeutschen Freunden, die es für selbstverständlich hielten, von ihren Müttern erzogen zu werden, weil diese nicht arbeiteten. "Bei uns sind aber prinzipiell alle Mütter arbeiten gegangen", sagt Bärbel. Ähnliche Erfahrungen hat auch die von Rügen stammende Thekla gemacht. Dennoch habe die Gesundheitsdiplomandin eine "großartige Kindheit" auf der ostdeutschen Insel verbracht.

Umfrage zum Mauerfall (4 Bilder)

Umfrage zum Mauerfall
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Viele von Franks Freunden stammen aus der ehemaligen DDR. Bei ihnen beobachte der angehende Wirtschaftsingenieur oft eine andere Art und Weise zu denken, als es ihm von Westdeutschen bekannt sei. "Das ist sicher auch auf die unterschiedliche Vermittlung von Bildung und Einstellungen zurückzuführen – viele Westdeutsche denken materieller", vermutet der Hamburger. Der Mauerfall habe dem damals Zehnjährigen gezeigt, dass "der Osten zum Westen gehört wie der Westen zum Osten". Auch Religionswissenschaftsstudentin Josephine hofft, dass die Differenzen zwischen Ost- und Westdeutschen in Zukunft weiter abnehmen.

Chemiestudentin Sandra kommt aus Lübeck, doch ihre Mutter wuchs in Ostdeutschland auf. Das Thema DDR ist daher in der Familie der Masterstudentin stets präsent. Ihr Großvater besaß damals in der Bundesrepublik Agrarflächen im Grenzgebiet – durch die Lage seines Grundstücks sei es ihm gelungen, ihre Mutter über die Grenze zu lotsen, berichtet Sandra. Mit dem Mauerfall verbindet sie vor dem Hintergrund der Geschichte ihrer Mutter vor allem Freiheit und die damalige Hoffnung auf eine bessere Zukunft. "Ich glaube, ein paar Westdeutsche wünschen sich die Zustände zurück, die vor dem Mauerfall geherrscht haben", meint die 23-Jährige. "So etwas kann ich aber nicht nachvollziehen – es ist gut, dass dieses Land geeint und nicht mehr zweigeteilt ist."

[Michaela Sommer]

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