Lehrberufe und Titel an der Uni

Von Privatdozenten und Dekanen...

published: 26.05.2005

Professor Hark Bohm leitet den Studiengang Filmregie an der Universität Hamburg (Foto: Public Address) Professor Hark Bohm leitet den Studiengang Filmregie an der Universität Hamburg (Foto: Public Address)

Mark, erstes Semester Soziologie, wollte sich im Sekretariat nur eine Auskunft abholen. Da sagt ihm die freundliche Dame: "Dafür ist der Dekan zuständig". Mark fühlt sich an ein würdevolles Amt in der katholischen Kirche erinnert. Ein Dekan - was verbirgt sich wohl hinter dem Titel?

Ähnliche Situationen hat wohl jeder zu Beginn seines Studiums erlebt. Doch wenn du bei einer C4-Professur noch immer an den gleichnamigen Sprengstoff oder gar an ein archäologisches Datierungsverfahren denkst, tut Aufklärung not. Die meisten Studierenden hören Begriffe wie "Dekan" oder "Privatdozent" täglich. Ist aber die genaue Erklärung gefragt, kommen nicht nur Erstsemestler, sondern auch alte Hasen ins Grübeln. Denen fällt vielleicht noch ein, dass der C4-Professor wohl doch nicht der Fachmann für das archäologische Datierungsverfahren C14 sein kann. Aber was steckt dann hinter der Abkürzung? Ein wenig Wissen über die Hintergründe der Berufsbezeichnungen kann nicht schaden.

Was sind Tutoren?
Meistens kennst du sie schon, bevor du richtig in den Uni-Alltag einsteigst. Denn die Tutoren führen in den meisten Fachbereichen die Anfänger vor dem Vorlesungsstart durch die Uni und geben nützliche Tipps zum Studienbeginn. Oft begegnen dem Erstsemestler die Tutoren dann in einem Kurs wieder, der eine Vorlesung oder ein Seminar begleitet: dem so genannten Tutorium.

Tutoren sind erfahrene Studenten aus höheren Semestern oder auch Doktoranden, die Anfänger betreuen und zu integrieren versuchen. Diese studentischen Helfer gibt es im deutschen Universitätsbetrieb erst seit Ende der 60er Jahre. Damals wurde das System nach dem Vorbild an angloamerikanischen Hochschulen, den "Tutorials", eingeführt. Tutoren gibt es nicht nur an der Uni, sondern überall da, wo es ums Lernen geht. Übrigens kommt der Begriff aus dem Lateinischen und bedeutet "Beschützer".

Wenn du selbst über genügend Studienerfahrung verfügst, kannst du dich auf eine Tutorenstelle bewerben. Dazu frage einfach bei deinem Professor an, wann wieder eine Stelle frei wird. So kannst du jüngeren Studis helfen und nebenbei ein wenig Geld verdienen.

Dozent oder Privatdozent?
Dass es sich bei einem Dozenten oder einer Dozentin um eine Person handelt, die an der Uni Kurse leitet oder Seminare abhält, ist jedem Studienanfänger klar. Doch was unterschiedet einen Dozenten von einem Privatdozenten und einem Professor?

Ein Dozent ist in der Lehre tätig. Das Wort leitet sich vom Lateinischen "docere" (dt.: "lehren") ab. Ein Dozent muss nicht an einer Hochschule tätig sein, sondern darf sich auch dann so nennen, wenn er an einer Volkshochschule Kochkurse gibt. Der Name ist nicht zwingend mit einem akademischen Grad, etwa einem durch Promotion erworbenen Doktortitel, verbunden.

Trotzdem können Dozenten an den Hochschulen meist akademischen Titel vorweisen, auch wenn sie noch nicht Professoren sind. Das heißt, sie sind nicht vollständig verbeamtet und haben keine Professorenstelle inne. Meistens sind Dozenten an Hochschulen Beamte auf Zeit, etwas für sechs Jahre. Dazu leiten sie überwiegend Seminare, während Vorlesungen üblicherweise von Professoren gehalten werden.

Ein Privatdozent ist ein selbständig Lehrender an einer Hochschule, der keine Professorenstelle inne hat, aber als habilitierter Hochschullehrer zur akademischen Lehre berechtigt ist. An einigen Hochschulen wird der akademische Titel "Privatdozent" mit Abschluss des Habilitationsverfahren verliehen.

An der TU München wird sogar zwischen "Lehrbefähigung" und "Lehrberechtigung" unterschieden: Die Habilitation umfasst die Lehrbefähigung und den Titel "Dr. habil.". Die Lehrberechtigung mit dem Titel "Privatdozent" und der Zugehörigkeit zur Hochschullehrerschaft muss anschließend separat beantragt werden. Gerüchte besagen, dass diese Aufspaltung in den 1930er Jahren erfunden wurde, um jüdischen Privatdozenten die Lehrberechtigung zu entziehen. In den theologischen Fakultäten ist die Unterscheidung bedeutsam, da die Lehrberechtigung außer der Habilitation auch eine kirchliche Erlaubnis voraussetzt.

Wichtig: Der Titel "Privatdozent" ist an die Verpflichtung gebunden, Vorlesungen zu halten. Wenn jemand dieser Verpflichtung nicht nachkommt, verliert er den Anspruch auf diesen Titel.

Das weite Feld der Professur
Natürlich ist der Professor der bekannteste unter den Lehrberufen an der Uni. Ziemlich schnell weiß man, dass jemand in der Regel erst promoviert und dann habilitiert sein muss, um ein Professor zu werden. Schwieriger erklären sich da schon die zahlreichen Varianten einer Professur. Um die alle zu durchblicken, solltet man möglichst wenig zerstreut sein...

Der Ursprung des Wortes liegt wieder bei den alten Lateinern. "Profiteri" heißt so viel wie "öffentlich bekennen, vortragen". Professor ist die Berufsbezeichnung eines in der Regel beamteten Hochschullehrers. Wichtig: Bei "Hochschulprofessor" handelt es sich um einen Titel. Dieser bleibt erhalten, auch wenn der Beruf nicht mehr ausgeübt wird. In besondern Fällen kann er jedoch aberkannt oder niedergelegt werden.

Kompliziert wird die Sache durch die verschiedenen Professorenämter, die in Deutschland unterschieden werden. Die wichtigste Gruppe sind hier die so genannten ordentlichen Professoren, im Vorlesungsverzeichnet "o. Prof." abgekürzt. Sie werden etwas altmodisch auch "Ordinarius" genannt, sind Inhaber eines Lehrstuhls an einer Fakultät und vertreten diesen offiziell. Außerdem haben sie sich in einem langen und komplizierten Bewerbungsverfahren gegen diverse Konkurrenten durchgesetzt.

Die Voraussetzungen dafür regeln das Hochschulrahmengesetz (HRG) und die Landeshochschulgesetze. In Bayern gibt es sogar ein eigenes Hochschullehrergesetz. Wer letztendlich nach Probevorträgen, die im Fachjargon auch "Vorsingen" genannt werden, die Stelle bekommt, entscheidet nach einer Vorauswahl durch die Uni das zuständige Landesministerium.

An zweiter Stelle folgen die außerordentlichen Professoren, abgekürzt "ao. Prof.", die so genannten "Extraordinarien". Das sind Professoren mit einem etwas kleinern Fachgebiet. Im Gegensatz zu einem ordentlichen Professor sind sie nicht Inhaber eines Lehrstuhls. Auch verfügen sie meist über weniger wissenschaftliches Personal.

Außerplanmäßige Professoren, abgekürzt "apl. Prof.", sind Hochschullehrer, die nach dem Stellenplan keine Professorenstelle inne haben und dennoch als Hochschullehrer tätig sind. Es handelt sich um einen Titel, der in der Regel an verdiente Privatdozenten verliehen wird. Diese Regelung ist besonders an Universitätskliniken verbreitet. Dort verdient der Arzt sein Geld als Oberarzt oder Chefarzt und erhält für seine wissenschaftliche Arbeit eine außerplanmäßige Professur, die meist kostengünstiger ist als eine planmäßige Stelle.

Entgegen der landläufigen Annahme erhält der Honorarprofessor nicht unbedingt ein Honorar für seine Lehrtätigkeit. Das Wort leitet sich vom lateinischen "honorarius" gleich "ehrenhalber" ab. Hier handelt er sich um Professoren, die für gewöhnlich nicht die normale akademische Karriere durchlaufen haben und nicht unbedingt die üblichen akademischen Voraussetzungen mitbringen. Sie wurden aufgrund ihrer beruflichen Qualifikation oder ihres langjährigen akademischen Einsatzes wegen ehrenhalber berufen. Sie halten zwar Lehrveranstaltungen ab, sind aber zur Hauptsache abderweitig tätig.

Der Titel "Professor h.c." wird für besondere wissenschaftliche, künstlerische oder politische Verdienste verliehen. Auch hier helfen gute Lateinkenntnisse: "h.c." steht für "honoris causa" und bedeutet "ehrenhalber". Der Stiftungsprofessor schließlich ist ein Professor, der auf einen Lehrstuhl berufen wird, der über eine fremdfinanzierte Stiftung zur Verfügung gestellt wird.

Für die Berufung an Fachhochschulen werden dagegen die Promotion und in der Regel eine mindestens fünfjährige Berufspraxis - davon drei Jahre außerhalb der Hochschule - sowie besondere Leistungen bei der Anwendung oder Entwicklung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden erwartet.

Übrigens: Ein emeritierter Professor, abgekürzt "Prof. em(erit).", hat nichts mit einem Einsiedler auf einer einsamen Insel zu tun. Der Begriff bedeutet lediglich, dass der Hochschullehrer pensioniert ist. Allerdings besteht ein Unterschied zur herkömmlichen Pensionierung, da Professoren ein besonderes Emeritierungsrecht genießen: Sie erhalten ein höheres Ruhegehalt, das ungefähr der Besoldung vor Eintritt der Emeritierung entspricht. Der Vorgang wird auch Entpflichtung genannt und bedeutet, dass ein Professor aus Altersgründen von den Pflichten seiner Lehrtätigkeit entbunden ist. Allerdings kann er weiter Vorlesungen halten oder Doktoranden betreuen.

Von C4 auf W3?
Was verbirgt sich hinter den merkwürdigen Kürzeln C4 und W3? Hier handelt es sich nicht um Computer-Schach, sondern um Besoldungsgruppen. Klassisch wird zwischen C1, C2, C3 und C4 unterschieden. C1-Stellen werden innerhalb dieses Systems meistens von wissenschaftlichen Assistenten, C2-Stellen von Oberassistenten und Hochschuldozenten besetzt. Bei C3- und C4-Professoren handelt es sich um außerordentliche oder ordentliche Professoren, wobei Lehrstuhlinhaber grundsätzlich C4-Profs und ordentliche Professoren sind. C3-Stellen haben grundsätzlich dieselben Rechte und Pflichten wie C4-Stellen, doch verfügt ein C3-Professor meist nicht über Mitarbeiterstellen.

Bei Neueinstellungen oder nach Bleibeverhandlungen kommt je nach Bundesland seit 2004 oder spätestens seit 2005 nur noch die W-Besoldung zur Geltung. Das heißt, das System wurde von den vier C-Stellen auf drei W-Stellen umgestellt. Eine W2- oder W3-Stellen war zuvor also eine C3- oder C4-Stelle. Die C1- und C2-Stellen von Assistenten und Hochschuldozenten werden künftig in der Besoldungs-Stufe W1 zusammengefasst. Die vor 2005 berufenen Hochschulangehörigen behalten weiterhin die alte C-Besoldung bei.

Dekan
Bei einer Dekanin oder einem Dekan handelt es sich um das gewählte Haupt einer Fakultät oder eines Fachbereiches einer Universität. Das Amt wird meist für die Dauer von zwei Jahren vergeben und vom Fakultätskonvent, bestehend aus allen Professoren des Fachbereichs, gewählt. Der Dekan leitet den Fachbereich und vertritt ihn innerhalb der Hochschule. Unter anderem ist er für die Vollständigkeit des Lehrangebotes und die Einhaltung der Lehrverpflichtungen sowie für die Studien- und Prüfungsorganisation zuständig.

Eine seiner Aufgaben ist die Unterzeichnung von Habilitations- und Promotionsurkunden, die auf öffentlichen akademischen Festakten feierlich verliehen werden. Bei offiziellen Anlässen innerhalb der Hochschule steht dem Dekan auch heute noch die respektvolle, förmliche Anrede "Spektabilität" (von "spectabilitas" gleich "ehrwürdig") zu.

Mit diesem Wissen über die Titel und Berufsbezeichnungen der Lehrenden an Hochschulen sollte der Uni-Alltag auch für Soziologie-Neuling Mark einfacher ablaufen. Zumindest lesen sich jetzt das Vorlesungsverzeichnis und die Abkürzungen auf den Büroschildern der Professoren nicht mehr wie chinesisch.

[Jörg Römer]

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