Sommerfest der deutschen Bahá’í-Gemeinde

Volkerverständigung und Toleranz

published: 06.06.2005

(Foto: Baháí von lambda_X lizensiert durch (CC BY-ND 2.0) (Foto: Baháí von lambda_X lizensiert durch (CC BY-ND 2.0)

Mit seiner ungewöhnlichen Form, die auch als die "Zitronenpresse" bezeichnet wird, erscheint das Europäische Bahá'i Haus der Andacht auf der Anhöhe des Ortes Langenhain mitten im Taunus etwas eigenwillig. Der 1964 errichtete Bau ist heute ein Kulturdenkmal Hessens. Dorthin lädt die deutsche Bahá’í-Gemeinde am 26. Juni 2005 ein, ihr jährliches Sommerfest zu begehen.

Geplant sind künstlerische Darbietungen, internationale Speisen werden in großen weißen Zelten dargeboten, außerdem wird der Buchladen geöffnet sein. Vor allem aber ist der Name des Gebäudes Programm: Dieses soll der Andacht und Meditation dienen, ist dem Gebet ohne Ritus gewidmet und steht allen Menschen zur stillen Einkehr offen. So wird es auch an diesem Tag eine Andacht geben, in der aus den Schriften der Weltreligionen gelesen wird.

Bahá’í in Deutschland
In diesem Jahr feiern die Bahá’í das 100-jährige Jubiläum ihrer Gemeinde in Deutschland: 1905 kam Dr. Edwin Fisher als erster Bahá’í aus Amerika in seine schwäbische Heimat zurück und eröffnete in Stuttgart eine Zahnarzt-Praxis. Zwei Jahre später folgte Alma Knobloch, die sich in Esslingen niederließ. Schon bald entstand eine lebendige Gemeinde, die erste Aktivitäten entfaltete. Seither war es das Bestreben der Bahá’í, sich konstruktiv in die deutsche Gesellschaft einzubringen.

Einen Einschnitt bildeten die Jahre zwischen 1937 und 1945, als die Bahá’í-Religion wegen ihrer Lehren der Völkerverständigung und der Toleranz verboten wurde. Bahá’í sind heute in knapp 900 Orten Deutschlands vertreten. Auf örtlicher wie bundesweiter Ebene engagieren sie sich in Themenfeldern wie interreligiöser Dialog, Integration und sozialer Zusammenhalt, Geschlechtergleichstellung, nachhaltige Entwicklung sowie Menschenrechtsbildung. Das Wirken in der Gesellschaft und die Pflege des Gemeindelebens gehen für die Bahá’í Hand in Hand. Bei vielen Aktivitäten geht es darum, die persönliche Lebensführung stärker an geistigen Werten zu orientieren und sich in den Dienst der Gesellschaft zu stellen.

Zu einer Feierlichkeit im Mai in Berlin hat Bundesinnenminister Otto Schily den Bahá’í in Deutschland in einem Grußwort für das "ungebrochene Engagement" für den "Schutz und die Bewahrung gemeinsamer Werte und die Gleichwertigkeit aller Menschen" gedankt. Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Gemeinde in Deutschland sagte er: "Die Religionsgemeinschaft der Bahá’í bringt sich seit Jahrzehnten in beispielhafter Weise in das gesellschaftliche Leben Deutschlands ein."

Der Hintergund
Die Arbeit der Bahá’í bezieht ihre Inspiration aus den Schriften Bahá’u’lláhs (1817-1892), des Stifters der Bahá’í-Religion. Ein zentrales Prinzip bildet dabei die Überzeugung, dass die Völker der Welt, welcher Religion sie auch angehören, "ihre Erleuchtung derselben himmlischen Quelle verdanken und einem einzigen Gott unterstehen."

Die Bahá’í-Religion gilt als jüngste unter den Weltreligionen. Bahá’u’lláhs Lehren umfassen alle Grundfragen menschlicher Existenz. Im Zentrum steht der Gedanke der Einheit der Menschheit. Diese wird als organische Einheit verstanden, die - eingebettet in eine globale Friedensordnung - die Vielfalt der Menschen, Völker und Kulturen willkommen heißt. „Die Erde ist nur ein Land, und alle Menschen sind seine Bürger“, verkündete Bahá’u’lláh vor über hundert Jahren.

Die weltweite Bahá’í-Gemeinde stellt eine der vielfältigsten Gemeinschaften der Erde dar. Ausweislich der Encyclopaedia Britannica (Jahrbuch 2003) ist sie nach dem Christentum die geographisch am weitesten verbreitete Religionsgemeinschaft. Über fünf Millionen Bahá’í bilden einen Querschnitt der Menschheit aus mehr als 200 Ländern und Gebieten, aus den verschiedensten sozialen und kulturellen Hintergründen. Sie leben in über 100.000 Orten der Erde und repräsentieren über 2100 ethnische Gruppen.

[Shila Behjat]

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