Bachelor und Master - die neuen Studiengänge

Studieren unter dem Dach Europas

published: 27.06.2005

Bis 2010 sollen auch in Deutschland die Bachelor- und Masterstudiengänge kommen (Foto: shutterstock.com/Syda Productions) Bis 2010 sollen auch in Deutschland die Bachelor- und Masterstudiengänge kommen (Foto: shutterstock.com/Syda Productions)

Dass ein Bachelor ein Junggeselle ist, wissen viele Kinofans seit Tom Hanks klamaukigem Spielfilm-Debüt „Bachelor Party“. Seit Neuestem hat Bachelor auch etwas mit deutschen Unis zu tun. Fast jeder ist schon mal über den Begriff gestolpert. Doch die wenigsten wissen, was sich genau hinter den Begriffen verbirgt. Dabei ist der Bachelor kein Neuling in der akademischen Landschaft.

Bereits seit dem 13. Jahrhundert wurde der niedrigste akademische Grad Bakkalaureus genannt und erstmals an der Pariser Universität verliehen. In Deutschland verschwand der Bakkalaureus um 1820, da das Abitur nun dessen Zweck erfüllte.

Wie sich inzwischen herausgestellt hat, war diese Entscheidung nicht endgültig. Denn der Bachelor kommt zurück und mit ihm der akademische Grad des Master. Beide Abschlüsse werden in den nächsten Jahren immer stärker das Studienangebot prägen. Die Entscheidung für einen Studiengang ist weit reichend und schwer. In einer Phase der Neuorientierung und Reform der Hochschulen sollten alle wissen, was auf sie zukommt.

Der Bologna-Prozess
In den 1990er Jahren wurde in Europa eine Initiative gestartet, das Hochschulwesen in Europa zu harmonisieren. Die Hauptziele wurden in einer Erklärung der Bildungsminister aus 29 Ländern am 19. Juni 1999 im italienischen Bologna festgelegt. Die Vorbereitung und Umsetzung dieser Erklärung wird als Bologna-Prozess bezeichnet.

Die Hauptziele des Bologna-Prozesses sind die Schaffung eines Systems leicht verständlicher und vergleichbarer Abschlüsse sowie die Schaffung eines zweistufigen Systems von Studienabschlüssen. Das bedeutet in der Praxis, dass nicht graduierte von graduierten Studenten unterschieden werden. Studenten, die bereits über einen Bachelor verfügen, sind graduiert. Außerdem werden die neuen Studiengänge ein Leistungspunktesystem beinhalten, das European Credit Transfer System (ECTS). Dieses System wird besonders in den Wirtschaftswissenschaften schon seit längerer Zeit erfolgreich angewandt.

Der Bologna-Prozess und die sich anschließenden Berliner und Prager Erklärungen sind keine verbindlich getroffenen Verträge oder Absprachen, sondern Absichtserklärungen der beteiligten Staaten. Inzwischen beteiligen sich über 40 Länder am Bologna-Prozess, so dass diese Entwicklung weit über die 25 EU-Länder hinaus geht. Der Bologna-Prozess wird durch die alle zwei Jahre stattfindende "Bologna Follow Up Konferenz" der Bildungsministerinnen und -minister weiterentwickelt. Nach ihrer Entscheidung sollen Bachelor und Master bis etwa 2010 in Europa eingeführt werden.

Der Bachelor
Der Bachelor ist der niedrigste akademische Titel des neuen Studiensystems, aber trotzdem bereits berufsqualifizierend. In Europa könntet ihr euch nach einer Regelstudienzeit von sechs bis acht Semestern etwa „Bachelor Of Arts“ (BA) nennen. Das ist der gängigste Bachelorgrad, der meistens in geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern vergeben wird. Der „Bachelor Of Science“ (BSc) krönt dagegen naturwissenschaftliche Fächer.

Bevor sich die fleißigen Studenten aber „Bätscheler“ nennen dürfen, müssen nach dem ECTS-Schema in dieser Zeit 180 Leistungspunkte (Credit Points) erworben werden. Die Punkte werden wie bisher durch Klausuren oder Hausarbeiten vergeben. Dabei entspricht ein Punkt einer Arbeitsbelastung von 25 bis 30 Stunden.

Ziel der Einführung eines Bachelor-Abschlusses in Europa war neben der Vereinheitlichung innerhalb der EU und einer kürzeren Studiendauer auch ein stärkerer Praxisbezug des Studiums. Da in den Geistes- und Sozialwissenschaften die möglichen Berufsfelder oft nicht klar eingegrenzt sind, werden in der Regel zwei oder drei Fächer studiert.

Trotz Credit-Points-System schließt das Studium in Deutschland generell mit einer Hochschulprüfung ab. Das heißt, auf dich kommen eine Prüfung und eine Abschlussarbeit zu. In anderen Ländern reichen für den Bachelor unter Umständen die während des Studiums erbrachten Credit Points.

Übrigens: Der neue Studienabschluss tritt nicht nur an der Universität auf, auch in der Literatur finden sich Hinweise: In Goethes Faust II halten Literaturexperten den Bakkalaureus für identisch mit dem Schüler aus Faust I.

Der Master
Habt ihr erstmal den Bachelor in der Tasche, qualifiziert dieser euch entweder schon zur Berufstätigkeit oder zu einem Masterstudium. Durch ein Masterstudium könnt ihr euer Bachelorfach vertiefen. Anders als bei dem alten System könnt ihr aber auch Kenntnisse in einem anderen Fachgebiet erwerben.

Generell ist das neue System mit dem alten schwer zu vergleichen. Ein Masterstudium ist aber in etwa dem Diplom- und Magisterabschluss äquivalent. Dabei entspricht ein Diplom in etwa dem „Master Of Science“ (M.Sc.). Der deutsche Magister Artium mit einem Haupt- und zwei Nebenfächern ist mit dem „Master Of Arts“ (M.A.) vergleichbar.

Außerdem unterscheidet das neue System zwischen "Academic Degree" für wissenschaftlich orientierte Studiengänge und dem "Professional Degree", der stärker berufsorientiert ausgerichtet ist, wie beispielsweise dem „Master Of Business Administration“ (MBA) oder dem „Master Of Engineering“ (M.Eng.).

Im Vollzeitstudium müsst ihr für euren Master mit weiteren ein bis drei Jahre Studium rechnen. Natürlich regelt die genauen Anforderungen des Masterstudiums die jeweilige Prüfungsordnung der Fächer. Trotzdem gilt auch hier das Credit-Point-System. Am Ende des Studiums, dessen Abschluss euch zu einer Promotion qualifiziert, stehen wie bisher eine Prüfung und eine Master-Arbeit an. Die ist meistens weniger umfangreich als eine Magisterarbeit.

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