Serie Wohnmodelle, Teil 2

Die eigene Wohnung

published: 07.09.2005

Wenn man zum ersten Mal seine Wohnungstür aufschließt, ist das ein richtig gutes Gefühl (Foto: shutterstock.com/Michaelpuche) Wenn man zum ersten Mal seine Wohnungstür aufschließt, ist das ein richtig gutes Gefühl (Foto: shutterstock.com/Michaelpuche)

"Bitte rufen sie uns nicht an. Wir melden uns." Diese meist wenig freundliche Auskunft hat wohl jeder Student schon mal bekommen, der bei sich bei einer Wohnungsbesichtigung gegen die Horden anderer Wohnungssuchender durchsetzen wollte. Doch nur all zu selten machen die Vermieter ihr Versprechen wahr und bringen mit dem ersehnten Rückruf die freudige Nachricht: "Sie haben die Wohnung." Der Stolperstein bei der Wohnungssuche: Haben Makler oder Vermieter bemerkt, dass sich hinter den Interessenten für ihre Wohnung Studenten befinden, werden diese ungern als Mieter gewählt.

Nicht anders erging es auch Mark, Student im fünften Semester eines Ingenieursstudiengangs. Als der 24-Jährige sich auf Wohnungssuche begab, war es schwierig genug, in der Zeitung eine Wohnung zu finden, die sich mit den Finanzen des BAföG-Empfängers in Einklang bringen ließ. Und wenn der ausgesuchte Wohnraum endlich zusagte, musste er sich noch gegen ein Heer von Mitbewerbern durchsetzen. Da scheiterte er regelmäßig. Also war der Traum vom WG-fernen Wohnen erst mal ausgeträumt. Dabei ist eine eigene Wohnung für Studenten nicht unbedingt die schlechteste Wahl...

Ruhe und Frieden in der eigenen Wohnung
..., bietet sie doch einige Vorteile, die das studentische Leben in einer WG niemals geben könnte. Da ist zum einen die Ruhe - für Mark das entscheidenden Argument. Denn immer wenn Hausarbeiten, Klausuren oder Referate einen längeren Einsatz am Schreibtisch erforderten, hatten seine Mitbewohner die Lernphase offenbar gerade überwunden. Und feierten dies lautstark in der gemeinsamen Küche. Oder Dirk, sein anderen Mitbewohner und passionierter Rockfan: Warum musste der die Leistung seiner Boxen immer dann testen, wenn am nächsten Tag eine wichtige Klausur anstand?

Auch anderen Dinge können aus einem geselligen WG-Studenten schnell einen wohnungssuchenden Einzelgänger werden lassen: Das Gezanke um den Abwasch oder den Hausmüll nervt irgendwann richtig. Auch der morgendliche Stau vor dem Bad ist auf die Dauer nicht angenehm, mal ganz davon abgesehen, dass Toilette und Waschbecken nicht nur laut Putzplan längst wieder eine Reinigung vertragen könnten.

"Wenn ich meine Ruhe haben wollte, war das in der WG nie vorhersehbar", erklärt Mark seinen Unmut. Anders sieht es da mit den eigenen vier Wänden aus. "Da kann ich selber entscheiden, wann mir nach lauter Musik und wann nach Ruhe ist". Und im Gegensatz zur WG ist der tägliche Einkauf auch am nächsten Morgen noch im Kühlschrank. "Die berühmten WG-Heinzelmännchen, die über Nacht zuschlagen, fühlen sich bei allein wohnenden Studenten offenbar nicht wohl", schmunzelt der angehende Ingenieur.

Auch wenn mal ein paar Freunde über das Wochenende zu Besuch kommen, bietet eine eigene Wohnung Vorteile. Zum einen nervt das keine Mitbewohner, die möglicherweise gerade selber für Klausuren oder Hausarbeiten lernen müssen. Zum anderen bietet die eigene Wohnung im Idealfall mehr Platz und verfügt noch über ein weiteres Zimmer, in das du die Freunde problemlos einquartieren kannst. Doch mit mehr Platz sind wir auch schon bei den unangenehmen Begleiterschienungen, die die eigenen vier Wände mit sich bringen.

Mehr Platz kostet mehr Geld
Leider kostet mehr Platz fast immer auch mehr Geld. Und bekanntlich verfügen die meisten Studis nicht über unerschöpfliche Reserven. Begibst du dich also auf den Abenteuerpfad der ersten Wohnungssuche, sollte dir der Kostenfaktor von Anfang an klar sein. Natürlich gibt es auch Nobel-WGs in denen jeder Bewohner über zwei Zimmer verfügt, aber dann kostet die schmucke Bleibe in der Regel genauso viel wie einen eigene kleine Wohnung.

Außerdem kommen auf Wohnungssuchende zu Anfang oft mehr Kosten zu als in den meisten Wohngemeinschaften. Neben der obligatorischen monatlichen Miete ist vor einem Wohnungsbezug fast immer eine Kaution fällig. Je nach Größe und Zustand der Wohnung beträgt diese meist drei, selten zwei Monatsmieten. Auch wenn dieser Betrag vom Vermieter zinsbringend angelegt und bei einwandfreiem Auszug zurückbezahlt wird, muss das Geld erst mal aufgebracht werden.

Solltest du auf dem einfachsten Weg zu einer eigenen Wohnung gelangen wollen, kann ein Makler angeworben werden. Die meisten Wohnungen in den Tageszeitungen werden ohnehin über Makler vergeben. Das Problem mit den Maklern: Auch sie kosten Geld. Und das bezahlt leider der Mieter, also du. Hast du dich aber für einen Makler entschlossen und kannst ihn dir auch leisten, solltest du diesen direkt auf deine Traum-Wohnung ansetzen. Denn wenn du schon eine sogenannte Courtage zahlen musst, sollte der Makler auch etwas dafür leisten.

Auch abseits der hohen Kosten gibt es Argumente für eine WG. "Zu Anfang meines Studiums war die WG eine gute Wahl. Niemals hätte ich sonst so schnell neue Leute kennen gelernt und Freund gefunden", muss auch Mark zugeben. Keine Wunder also, dass gerade Einsteiger gerne auf das WG-Konzept zurückgreifen. Zur ersten Orientierung in einer fremden Stadt bietet sich ein WG-Platz immer an. Zumal sich dieser schneller ergattern lässt als einen eigene Wohnung.

So klappt’s mit der eigenen Wohnung
Was tun, hat man sich für eine eigene Wohnung entschieden? Zunächst solltest du intensiv die Zeitung wälzen. In jeder Stadt erscheint an bestimmten Tagen eine Wohnungsbeilage, meistens am Samstag. Besonders wenn du in bestimmten und oft auch begehrten Stadtteilen suchst, solltest du dafür unbedingt früh aufstehen und die Anzeigen durchgehen. Hast du erst gegen Mittag eine Auswahl getroffen, sind die guten Angebote meist schon vergeben. Viele Vermieter habe wenig Lust, bei der Besichtigung ganze Hundertschaften übern den frisch renovierten Holzfußboden stolpern zu lassen und laden aus diesen Grund oft nur die ersten 20 Anrufer zum Besichtigungstermin.

Um die Makler-Courtage zu sparen, solltest du solche Wohnung von Anfang an nicht berücksichtigen. Gelegentlich werden Wohnungen direkt vom Verwalter vermietet. Hier fallen dann außer einer möglichen Kaution keine weiteren Kosten an. Das gleiche gilt für privat vermietete Wohnungen, also solche, die der Eigentümer auf eigene Faust direkt vermietet.

Zur gewünschten Wohnung in deinem Lieblings-Stadtteil führen manchmal auch speziellen Stadtteilzeitungen. Einige Vermieter annoncieren bewusst in solchen "Käseblättchen", um nicht mit Anrufen terrorisiert zu werden. Leider erscheinen solche regionale Zeitungen oft nur in Großstädten. Eine weitere Möglichkeit besteht, ein eigenes Gesuch zu platzieren, sei es in der Zeitung oder im Internet. Willst du in spezielle und beliebte Viertel ziehen, lohnt es sich auch, Zettel mit deinem Gesuch an Laternen in der Gegend anzubringen.

Die Besichtigung
Glückwunsch: Du hast eine Wohnung ausgewählt und bist zur Besichtigung eingeladen. Bis hierhin hast du es schon mal geschafft. Doch wie solltest du dich auf der Besichtigung verhalten, wenn dir die Wohnung gefällt, das offenbar aber auch bei den restlichen 40 Interessenten der Fall ist?

Hier gilt die wenig zurückhaltende Formel: Auffallen um jeden Preis. Denn selbst wenn sich der Vermieter bei den finanziellen Fragen sicher ist, wie soll er sich unter der großen Anzahl der Bewerber einzelne Gesichter merken? Deshalb ist es ratsam, sich auftretende Fragen auch direkt vom Vermieter oder Verwalter beantworten zu lassen und dafür zu sorgen, dass dieser deinen Namen mit deinem ausgefüllten Bogen, der sogenannten "Freiwilligen Selbstauskunft", in Verbindung bringen kann.

Bei der "Freiwilligen Selbstauskunft", dem Zettel, auf dem du deinen monatlichen Verdienst und deinen Beruf eintragen musst, lohnt es sich, dich – falls möglich – "ins rechte Licht zu rücken". Hast du einen geregelten Job, der dir das Studium finanziert, ist es nicht verkehrt, diesen auch anzugeben. Wenn du unter Beruf "Student" einträgst, wird meist eine Bürgschaft der Eltern verlangt.

Das Studentenwerk hilft
Studierst du in einer Stadt mit langer universitärer Geschichte, werdet ihr sicher weniger Probleme bei der Wohnungssuche bekommen als in einer Großstadt wie Hamburg oder München. Trotz der hohen Anzahl an Studierenden prägen diese meist weniger das Stadtbild – und damit auch den Wohnungsmarkt – als in typischen Studentenstädten mittlerer Größe wie Tübingen oder Marburg. Der klassische Vermieter wünscht sich in einer Großstadt seltener studentische Mieter als dort, wo Studi-Wohnungen Tradition haben. Trotzdem gibt es Vermieter, die auch in Metropolen gerne an Studierende vermieten.

Eine solche Liste mit einem dazugehörigen Schwarzen Brett bieten oft die jeweiligen Studentenwerke der Universitäten an. Hier finden sich ausschließlich Vermieter, die gerne Studierende beherbergen wollen. Wirst du also nach deinem Beruf gefragt, kannst du dir das sonst übliche Stottern sparen. Der Vorteil besteht hier zusätzlich darin, dass du keine Konkurrenz hast. Denn die genauen Wohnungsadressen oder Telefonnummern werden in der Regel der Reihe nach einzeln vergeben. Bist du an der Reihe, kannst du dich in aller Ruhe für oder gegen die Wohnung entscheiden. Ein Vorteil, den der freie Wohnungsmarkt niemals bieten wird.

So hat es dann auch mit Mark geklappt. "Nach langer Suche habe ich endlich die richtige Wohnung gefunden. Und das auch noch im gewünschten Stadtteil." Dass die Wohnung nicht in Top-Zustand ist, hat den Studenten nur wenig gestört. Dafür ist die Miete bezahlbar.

[Jörg Römer]

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