WG-Spezial

Liebe in der WG

published: 31.10.2005

Selten geplant, oft geschehen: Liebe in der WG (Foto: shutterstock.com/karelnoppe) Selten geplant, oft geschehen: Liebe in der WG (Foto: shutterstock.com/karelnoppe)

WG gesucht - Liebe gefunden

Stell dir vor: Du wohnst mit vier Leuten in einer bunt zusammengewürfelten Fünfer-WG. Da kennt man früher oder später nicht nur den Musikgeschmack, die Ess- und Schlafgewohnheiten sowie die Putz-Hemmschwelle der anderen, sondern auch deren Liebesleben. Manchmal vermischt sich das sogar mit dem eigenen. Jeder, der dem Mitbewohner schon mal näher gekommen ist, eine WG-Beziehung gestartet hat oder den Partner vom Zimmernachbarn mehr als attraktiv findet, weiß, wovon die Rede ist. Die Liebe nimmt gerade in WGs oft strapaziöse Formen an. Wir haben uns nach ein paar konfliktträchtigen Situationen umgehört und in die Ratgeberkiste gegriffen.

Krise 1: Du bist in deinen Mitbewohner oder deine Mitbewohnerin verliebt.

Nadja wohnt in einer Vierer-WG mit zwei Jungs und einem Mädel. Obwohl sie ihren Mitbewohner Matthias anfänglich weder attraktiv noch besonders interessant findet, schleichen sich ein paar Gedanken mehr und mehr bei ihr ein: „Er ist ja irgendwie süß. Wie er mich heute beim Frühstück angesehen hat. Einen Kaffee hat er mir auch mitgekocht. Wie das wohl wäre, wenn...?“ Nadja fängt an, Matthias ein bisschen genauer zu beobachten und weil er immer so charmant, total nett und auch noch lustig ist, kann sie sich nicht mehr dagegen wehren, auch in Vorlesungen in Gedanken von ihrem supersüßen Mitbewohner zu schwärmen. Sie ist verknallt. Doch Matthias hat seit über einem Jahr eine Freundin. Trotzdem geht Nadja oft in die Küche, wenn sie hört, dass Matthias dort am Tisch hockt. Sie will ihn gerne sehen und sich mit ihm unterhalten. Aber oft ist seine Freundin zu Besuch und Nadja muss gequält mit anhören, wie aus ihrem Nachbarzimmer laute, gefühlvolle Radiohead-Musik ertönt und die beiden stundenlang nicht aus dem Zimmer herauskommen. Das geht jetzt schon wochenlang so und immer wieder ist Nadja enttäuscht, wenn Matthias seine Freundin besucht, obwohl er seine Mitbewohnerin am Morgen doch mehrmals so zuckersüß angelächelt hat.

Unser Rat:

Nadja steckt in einer schwierigen Situation. Nicht nur, dass sie sich in einen Mann verliebt hat, der schon vergeben ist. Sie muss ihn auch noch jeden Tag sehen, weil er in derselben WG wohnt. Es ist sicherlich nicht sinnvoll, ihm die Zuneigung zu gestehen. Dann würde das Zusammenleben vermutlich verkrampfen und Matthias' Freundin fände es bestimmt auch nicht sehr lustig. Am besten spricht Nadja mit Freunden über die Sache und versucht sich abzulenken. Viel ausgehen, vielleicht gerade wenn Matthias zu Hause ist. Früher oder später wird sich das Verliebt-Gefühl wieder verdünnisieren. Wenn das nicht der Fall sein sollte und es ihr lange Zeit nicht besser geht, ist es natürlich sinnvoll, wenn sie sich eine andere nette WG sucht, damit sie sich nicht so quälen muss.

Krise 2: Du hast mit deinem Mitbewohner oder deiner Mitbewohnerin geknutscht. Vielleicht habt ihr sogar eine Affäre.

Timo teilt sich in einem Studentenwohnheim die Bude mit zwei charmanten weiblichen Wesen und einem sehr computerorientierten Einsiedler. Er kommt mit allen gut klar und die vier planen eine WG-Party. Viele wild tanzende Gäste in der Küche, laute Musik und die allgemein heitere Stimmung begünstigen die Situation: Timo sitzt neben Mitbewohnerin Dina auf dem Sofa, die zwei lachen, lästern, trinken einen Cocktail dabei und fangen auf einmal an zu knutschen. Beide finden das ganz witzig und feiern noch weiter, bis die letzten Gäste aus der Tür oder in Timos Zimmer auf dem Matratzenlager verschwunden sind. Dinas Zimmer steht leer und es bietet sich an, dort ein bisschen zu zweit von der Party auszuruhen. Beim Ausruhen bleibt es nicht und da hat man den Salat. Am nächsten Tag sitzen sich Timo und Dina am Frühstückstisch etwas beklemmt gegenüber. Keiner weiß, wie er oder sie sich verhalten soll. Nach ein paar Tagen der Unsicherheit gestehen beide, dass es für sie jeweils nur ein „netter Zwischenfall“ gewesen sei. Damit ist das Thema vom Tisch und sie können sich wieder lockerer im Flur begegnen.

Unser Rat:

Haben sich beide Beteiligten an einem solchen Abend verliebt, so wird sich wohl die Entstehungsgeschichte einer Beziehung in Gang setzen (siehe Krise 3). Bedeutet die Geschichte für eine(n) der beiden mehr, für den anderen jedoch nicht, wird es schwierig. Der/Die Verliebte muss dann damit leben, dass es eine einmalige Sache war. Das ist natürlich hart und kann im schlimmsten Fall mit Auszug aus der WG enden (siehe Krise 1). In dem Fall, dass es sich für beide um einen Ausrutscher handelt, wird es keine größeren Probleme geben. Man kann abwägen, ob man den Mitbewohnern davon erzählt. Den Computerfreak aus Timos WG würde es sowieso nicht sonderlich interessieren.

Krise 3: Du und dein Mitbewohner / deine Mitbewohnerin habt euch verliebt und seid jetzt ein WG-Paar.

Felipe fand Elena schon attraktiv, als sie die Vierer-WG gegründet haben. Nach einigen Wochen des Zusammenlebens kann er seine Zuneigung kaum noch leugnen. Sie sitzen in seinem Zimmer. Ihr Nacken ist verspannt. Da bietet er ihr eine Massage an und aus einer Massage wird ja bekanntlich oft mehr - wie in diesem Fall... Bei diesem einen Mal soll es jedoch nicht bleiben. Felipe und Elena fallen in sturmfreien Zeiten immer wieder übereinander her, um alles schnell zu vertuschen, wenn ein anderer Mitbewohner nach Hause kommt oder gar Elenas Freund anruft. Ein gefährliches, aber umwerfend spannendes Versteckspiel innerhalb der eigenen Wohnung beginnt. Doch weil irgendwann selbst die abenteuerlustigsten Liebhaber einmal zur Ruhe kommen wollen, beendet Elena ihre alte Beziehung und diskutiert mit Felipe dann doch die Frage: Warum sollten wir eigentlich nicht richtig zusammensein? Elena und Felipe bringen die Sache, jeweils im Einzelgespräch, den anderen WG-Bewohnern bei. Obwohl die zwei überrascht sind, finden sie die Sache okay. Sie äußern jedoch die Befürchtung, dass sich dann in der WG wohl einiges ändert. Ganze zweieinhalb Jahre hat das bei Felipe und Elena mit der Beziehung geklappt. Das WG-Leben hat sich jedoch verändert. Es sind eben keine vier einzelnen Mitbewohner mehr, sondern einmal ein Zweierpack. Die beiden haben oft zu zweit gekocht und typisches Paarverhalten an den Tag gelegt. Da war Mitbewohnerin Teresa schon öfter eifersüchtig, weil Elena ihre beste Freundin ist und durch die Liebe zu Felipe viel weniger Zeit für sie hatte.

Unser Rat:

Innerhalb der WG Verliebte sollten nicht allzu lange ein Versteckspiel aus ihrer Affäre machen. Irgendwann merken es die anderen sowieso und fühlen sich dann umgangen. Spätestens wenn man weiß, dass eine Beziehung aus der Angelegenheit entsteht, sollte man sich ein Herz für ein Gespräch fassen, besser jedoch schon vorher. Wenn es erst mal soweit ist, sollte das frischgebackene WG-Paar darauf achten, nicht nur noch als Zweierknäuel in der WG zu existieren. Das ist unangenehm für die Mitbewohner, trägt auch nicht sonderlich zu einer guten Beziehungsentwicklung bei. Zum Beispiel lieber öfter mit allen gemeinsam kochen, als jeden Abend ein zweisames Liebesmahl zu zaubern und damit andere ausschließen.

Krise 3 a): Das WG-Paar trennt sich.

Oje, eigentlich möchte man gar nicht daran denken. Gibt es in der WG erst einmal ein Pärchen, dann besteht auch jederzeit die Gefahr einer Trennung. Felipe und Elena können mit ihrer Geschichte hier gut anknüpfen. Irgendwann haben sich die zwei nicht mehr so gut verstanden, es gab oft Streit. Schließlich fährt Elena für zwei Wochen in Urlaub, lernt dort einen anderen kennen und als sie zurückkommt, ist es vorbei mit der langjährigen WG-Beziehung. Felipe kann es mit ihr nicht in einer Wohnung aushalten, also zieht er für sechs Wochen zu einem Freund. Als er zurückkommt, muss er die Situation noch ein paar Wochen ertragen, bis sie schließlich auszieht. Doch auch jetzt fühlt er sich in der WG nicht mehr wohl. Alles erinnert ihn hier an die lange gemeinsame Zeit. Er zieht also auch aus, sogar in eine andere Stadt.

Unser Rat:

Wenn die WG-Beziehung auseinander gegangen ist, sollte man sich gut überlegen, ob ein weiteres Zusammenwohnen überhaupt noch möglich ist. Besser für beide und auch die Mitbewohner ist es, wenn einer der beiden auszieht. Eine harte aber sinnvolle Konsequenz. Denn wer möchte schon mit ansehen, wie der Ex-Partner reihenweise neue Eroberungen mit nach Hause bringt. Wer will von der damaligen zweiten Hälfte beim Sammeln neuer Liebeserfahrungen beobachtet werden? Also lieber eine neue WG suchen, falls es nicht schon der andere tut. Damit erspart man sich unnötigen zusätzlichen Herzschmerz oder gar Krieg. Nett ist es an dieser Stelle natürlich, wenn der Verlassene nicht der ist, der ausziehen muss, sondern der Verlassende ihm das abnimmt. Die Verletzung ist ja schon groß genug und man kann in dieser Zeit gut auf Umzugsstress verzichten.

Krise 4: Du bist von den häufigen Partnerbesuchen deiner Mitbewohner genervt. Vielleicht bist du sogar der einzige Single in deiner WG und die anderen haben ständig ihre Gefährten da.

Julia wohnt in einer Dreier-WG. Sie mag beide Mitbewohnerinnen sehr gern und fühlt sich eigentlich wohl dort. Wenn da nicht dieser eine Haken wäre: Sie ist Single, die zwei anderen nicht. Karins längjähriger Freund ist fast jeden Tag da, Barbaras neuer Freund kommt auch sehr häufig vorbei. Wie soll man denn da in Ruhe sein Single-Leben führen? Julia ist schon seit mehr als zwei Jahren Single und hat die Zeit bisher voll ausgekostet. Jetzt ist bei ihr allerdings die Zeit gekommen, in der sie sich wieder einen Freund wünscht. Umso schwieriger ist es, jeden Tag zwei glückliche Paare innerhalb der eigenen Wohnung mitzubekommen. Hier mal ein paar eindeutige Geräusche aus dem Nachbarzimmer, da wildes Geknutsche beim zweisamen Plätzchenbacken. Als drittes oder fünftes Rad am Wagen hat man es nicht leicht und will ja auch die Liebe der anderen nicht stören.

Unser Rat:

Es ist sehr verständlich, dass sich Julia oft als Reststück ohne bessere Hälfte fühlt, weil sie das Beziehungsleben ständig vorgelebt bekommt. Zumal neuerdings beide Mitbewohnerinnen liiert sind. Man kann die Dinge nicht ändern und sollte den anderen ihr Glück schon gönnen. Ein offenes Gespräch über das Problem ist sehr sinnvoll: Wenn die Mitbewohner(innen) wissen, wie es dem WG-Single geht, können sie besser Rücksicht nehmen. Sie können dann öfter mal den Partner besuchen, statt ihn immer zu sich einzuladen. Hilfreich ist es auch, viel mit Freunden zu unternehmen. Um das Zusammenleben zu pflegen, kann man auch einmal einen partnerlosen WG-Abend vorschlagen, bei dem zum Beispiel zusammen gekocht wird und man dann gemeinsam eine DVD anschaut. Diesen Abend könnte man auch regelmäßig stattfinden lassen, die Partner der anderen können sich dann darauf einstellen.

Krise 5: Deine Freundin und dein Mitbewohner (oder dein Freund und deine Mitbewohnerin) haben sich ineinander verliebt.


Nicht im Traum hätte Basti daran gedacht, dass seine Freundin Britta so etwas tun würde: Sie ist regelmäßig zu Besuch in Bastis Dreier-Jungs-WG, versteht sich auch mit den anderen beiden, Lukas und Alex, gut. Sie fand Lukas schon immer attraktiv, aber seit er auch noch immer so charmant zu ihr ist, entsteht ein bisschen mehr Interesse. Es kommt zu folgender Situation: Basti ist über das Wochenende zu seinen Eltern gefahren, Britta ist geblieben, weil sie arbeiten muss. Sie hat dummerweise ihre Kontaktlinsen in Bastis WG vergessen, fährt hin und wer ist da alleine zu Hause? Lukas. Da auf beiden Seiten Neugierde besteht, entscheiden sich die zwei, noch einen Wein zusammen zu trinken. Aus einem werden fünf und aus dem netten Geplauder ein wildes Knutschen.
Danach ist die Misere natürlich groß: Britta muss die Geschichte Basti beibringen, denn schweigen könnte sie darüber nicht. Das Komplizierte daran ist natürlich, dass auch Lukas mit Basti sprechen muss, denn die beiden wohnen schließlich zusammen. Eine lange gefühlsmäßig qualvolle Zeit beginnt für alle drei. Britta will Basti, den sie sehr liebt, nicht verlieren. Sie kämpft um die Beziehung, obwohl sie auch damit umgehen muss, sich in Lukas verguckt zu haben. Der hat sich Hals über Kopf in Britta verliebt, will sich aber nicht in die Beziehung drängen, zumal es hier um einen guten Freund und Mitbewohner geht. Basti schließlich ist verletzt, würde Lukas gerne gar nicht mehr sehen und versuchen, wieder Vertrauen zu Britta aufzubauen, weil er sie auch nicht verlieren möchte.

Unser Rat:

In dieser Konstellation ist es tatsächlich ratsam, dass sich einer der beiden Männer eine neue Bleibe sucht. Zumindest bis die Sache verdaut ist und man sich als Kumpels eventuell wieder annähert. Aber auch dann ist die alte Wohnkonstellation, die an die damalige Misere erinnert, nicht sehr förderlich. Basti und Britta sollten sich aussprechen und versuchen, ihre Beziehung zu retten, da ihnen ja viel aneinander liegt. Auch ein Gespräch zwischen Lukas und Basti wäre gut, obwohl eine sofortige kumpelhafte Versöhnung in dem Fall eher unwahrscheinlich ist. Britta und Lukas sehen sich besser vorerst nicht.

[Nora Erlenbach]

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