Carl Friedrich Gauß (1777-1855)

"Fürst der Wissenschaft"

published: 22.02.2005

Carl Friedrich Gauß - der Mann hinter der berühmten Kurve  (Foto: Zehner von reingestalter lizensiert durch CC BY-NC 2.0) Carl Friedrich Gauß - der Mann hinter der berühmten Kurve (Foto: Zehner von reingestalter lizensiert durch CC BY-NC 2.0)

Wunderkind: "Früher rechnen als sprechen"
1787 in einem Klassenzimmer einer Braunschweiger Volkschule. Ein Lehrer gibt seinen zehnjährigen Schülern die Aufgabe, die Summe aller Zahlen von eins bis 100 zu errechnen. Nach nur wenigen Sekunden legt ein Schüler seine Schiefertafel beiseite. Carl Friedrich Gauß ist am Ende der Stunde der Einzige, der die richtige Zahl heraus bekommt.

Sein Leben lang begleitet Carl Friedrich Gauß die Gabe, die kompliziertesten Rechnungen im Kopf auszuführen. Den Anekdoten nach soll Carl Friedrich als Dreijähriger bereits den Vater bei der Lohnabrechnung korrigiert haben. Er habe das Rechnen vor dem Reden gelernt, erklärte der berühmte Mathematiker, Astronom, Geodät und Physiker später.

Leben: "Der Fürst der Wissenschaft"
Carl Friedrich Gauß wurde am 30. April 1777 in Braunschweig geboren. Er war der Sohn einfacher Leute. Seine mathematische Begabung wurde jedoch schon früh unterstützt. So besuchte Gauß eine höhere Schule, studierte von 1795 bis 1798 an der Georg-August-Universität in Göttingen und promovierte mit 22 Jahren in Helmstedt zum Doktor der Philosophie. Der Herzog von Braunschweig kam bis zum Ende seines Studiums für alle Kosten auf.

Der Gelehrte Gauß wurde mit nur 30 Jahren als Professor für Astronomie nach Göttingen berufen. Bis zu seinem Tod am 23. Februar 1855 lehrte und forschte Gauß als Direktor der Universitäts-Sternwarte an der Georgia Augusta. König Georg V von Hannover ließ nach dem Tod des Mathematikers bereits 1856 Gauß-Münzen prägen. Sein Porträt zierte später die von 1989 bis zum Jahresende 2001 gültige Zehn-Mark-Banknote.

Leistungen: "Wenig, aber ausgereift"
Angesichts der Leistungen, die der deutsche Wissenschaftler vollbrachte, fällt sein Wahlspruch „Pauca sed matura“ (wenig, aber ausgereift) eher bescheiden aus. Gauß zählt zu den wichtigsten Mathematikern weltweit. Er hat jedoch wie Archimedes, Newton und Galilei auch in anderen Disziplinen Bahnbrechendes geleistet. Mit nur 19 Jahren bewies er die Konstruierbarkeit eines 17-Ecks und damit die aller regelmäßigen Vielecke. Als es ihm gelang die Umlaufbahn des Planeten Ceres korrekt zu berechnen, war er erst 24. In diesem Alter erlangte er bereits internationale Berühmtheit. Unvorstellbar, dass seine Methoden zur Berechnung von Planetenbahnen bis in die heutige Zeit im Kern nicht mehr verbessert wurden.

Carl Friedrich Gauß Copyright: Stadt GöttingenCarl Friedrich Gauß Copyright: Stadt Göttingen


In der Geodäsie, der Wissenschaft von der Bestimmung der Form und Größe der Erde, leitete Gauß das Zeitalter der Kartographie ein. Er war verantwortlich für die Vermessung des Königreichs Hannover. Hierfür entwickelte er neue Geräte und ließ sie nach seinen Vorgaben bauen. Zusammen mit Wilhelm Weber erfand Gauß den ersten Telegrafen der Welt. Dabei tauschte er über elektromagnetisch beeinflusste Kompassnadeln Nachrichten mit Weber aus. Dieses Prinzip wurde erstmals 1840 in England von der Blackwell-Eisenbahn-Gesellschaft angewandt. Nicht zuletzt basiert Albert Einsteins Relativitätstheorie auf seinen geometrischen Forschungen. Viele seiner Entdeckungen teilte er lediglich seinen Freunden durch Briefe mit oder notierte sie in seinem Tagebuch.

Gedenken: "Gauß - Genial - Göttingen"
Am 23. Februar 2005 jährt sich der Todestag des "Fürst der Wissenschaft" zum 150. Mal. Aus diesem Anlass veranstalten die Georg-August-Universität, die Stadt Göttingen und die Göttinger Gauß-Gesellschaft das GAUSSJAHR 2005. Zu Ehren des genialen Wissenschaftlers laden die Veranstalter zu Ausstellungen, Vortragsreihen, Führungen und Aktionen ein. Geplant sind ein Schülertreffen der Gauß-Schulen im deutschsprachigen Raum sowie ein Gauß-Tag und ein "Festival der tausend Sterne".

Durch das Wirken von Carl Friedrich Gauß entwickelte sich Göttingen seiner Zeit zu einem weltweit anerkannten Zentrum der Mathematik. An Gauß' Forschungsarbeit erinnern die beiden Ausstellungen "Wie der Blitz einschlägt, hat sich das Rätsel gelöst" (Start: 23. Februar 2005) und "Mathematik zum Anfassen" (Start: 30. Mai 2005). Die Georg-August-Universität und die Akademie der Wissenschaften laden im Sommersemester 2005 zu einer öffentlichen Ringvorlesung ein. Diese beschäftigt sich mit "Werk und Wirkung" von Carl Friedrich Gauß.

[Melanie Eberlein]

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