Geschichten vom Campus

Spiegel studentischer Realität

published: 29.03.2007

Eckart Krause, Leiter der Bibliothek für Universitätsgeschichte in Hamburg, sammelt seit Ende der 60er Jahre Flugblätter (Foto: Public Address) Eckart Krause, Leiter der Bibliothek für Universitätsgeschichte in Hamburg, sammelt seit Ende der 60er Jahre Flugblätter (Foto: Public Address)

Der Hamburger Eckart Krause hat sich die Sammlung von Flugblättern zur Aufgabe gemacht. Tagtäglich streift er über den Campus der Universität Hamburg auf der Suche nach neuen Exemplaren. Als Leiter der Bibliothek für Universitätsgeschichte in der Hansestadt ist dies Teil seines Jobs. Krauses ergrautes Haupthaar, der Schnauzer und seine an einer Kordel baumelnde Lesebrille passen in das Bild vom sammelfreudigen Bibliothekar. Die Leidenschaft zur Flugblatt-Archivierung begann aber schon in der Studienzeit des ausgebildeten Historikers, Ende der 60er Jahre: „Für mich waren diese Flugblätter seit der zweiten Hälfte des Studiums Teil meiner Biographie“. Augenzwinkernd fügt der Bibliotheksleiter hinzu: „Natürlich ist so eine Sammelleidenschaft immer die milde Form einer Macke“. Privat beherbergt der begeisterte Lokal-Historiker übrigens eine 2000-Bände umfassende Abteilung über Hamburg.

In den 80er Jahren war Krause der Koordinator eines universitären Projekts über den Nationalsozialismus. Diese Aufgabe inspirierte ihn, die Flugblatt-Sammlung professionell anzugehen. Das Ergebnis lässt sich sehen: Heute sind Druckschriften dieser Art aus den letzten 40 Jahren in der Bibliothek für Universitätsgeschichte zu finden. Eingesehen werden sie von Studenten und Forschern gleichermaßen. Gelegentlich entleihen auch Museen Flugblätter aus einer bestimmten Periode, um Ausstellungen mit Original-Dokumenten bestücken zu können.

Das Archiv sieht Eckart Krause als Investition in die Forschungszukunft (Foto: Public Address)Das Archiv sieht Eckart Krause als Investition in die Forschungszukunft (Foto: Public Address)

Der 63-jährige Krause hat einige "Aufgreif-Kriterien" für seine Sammlung entwickelt. Flugschriften – also die mehrseitige und hauptsächlich politisch motivierte Variante des Flugblattes – kommen auch in das Archiv. So genannte Flyer haben jedoch keinen Platz in Krauses Bibliothek. Sie seien eine rein kommerzielle Mode-Erscheinung der letzten Jahre, so der Experte. Sonst nehme er aber alles mit, was auf den Tischen der Hamburger Mensa zu finden sei.

Generell hat der Historiker den Eindruck, dass die Flugblätter im Zuge der technischen Entwicklung viel professioneller geworden seien. Auch inhaltlich sei eine Veränderung festzustellen, denn die Themen wären zunehmend weniger politisch und würden mehr den Lifestyle fokussieren. Eckart Krause erklärt die thematische Verlagerung: „Heute ist der Status Student nur ein Element einer komplexen sozialen Wirklichkeit. Die meisten müssen schon während des Studiums einer Tätigkeit nachgehen und verstehen sich selbst auch als Konsumenten von Lifestyle.“

Landläufig könnte man den Flugblatt-Sammler als Pionier dieser Quellenart im Rahmen der neueren Hochschulgeschichtsschreibung bezeichnen. Das Archiv sieht Krause als Investition in die Forschungszukunft: „Bundesweit ist wissenschaftlich zur Universitätsgeschichte nach dem zweiten Weltkrieg so gut wie nichts aufgearbeitet und die Flugblätter sind eine Voraussetzung dafür, dass dieses Thema einmal fruchtbar wird". Grundsätzlich werden Flugblätter als historische Schrift übrigens von Institutionen wie dem Deutschen Historischen Museum und dem Bundesarchiv gesammelt.

[Daniela Daus]

Links

Hamburger Bibliothek für Universitätsgeschichte
Bundesarchiv
Deutsches Historisches Museum

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