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Wenn Studenten zur Uni pendeln

Zwischen Bus, Bahn und Büchern

published: 13.05.2014

Chillige Studienzeit? Für pendelnde Studenten bedeutet bereits die Anreise Stress (Foto: Public Address) Chillige Studienzeit? Für pendelnde Studenten bedeutet bereits die Anreise Stress (Foto: Public Address)

"Ohne mein Smartphone wäre ich aufgeschmissen", gesteht Leonie aus Hessen. Die 27-Jährige studiert Religionswissenschaft im achten Semester. Sie pendelt zwischen ihrer Wohnung in Gießen und der Philipps-Universität Marburg. Pro Fahrt ist die Marburger Studentin mindestens eine Stunde unterwegs. Ursprünglich studierte Leonie in Gießen. Ihre günstige Wohnung dort behielt sie trotz der größeren Entfernung. Für 60 Quadratmeter zahlt sie nur eine Kaltmiete von 220 Euro. Der durchschnittliche Mietpreis in Marburg liegt dagegen bei 8,48 Euro per Quadratmeter. Das bedeutet: Unter 500 Euro bekäme sie in der Universitätsstadt nur schwer eine gleichwertige Wohnung. Ein WG-Zimmer von 15 Quadratmeter ist in Marburg dagegen schon ab 210 Euro verfügbar. Doch mit dieser günstigen Alternative kann sich Leonie nicht anfreunden. Sie will Räumlichkeiten und Hausarbeit nicht mit Fremden.

Mit technischer Rafinesse kämpft Leonie gegen die Widrigkeiten des Alltags (Foto: privat)Mit technischer Rafinesse kämpft Leonie gegen die Widrigkeiten des Alltags (Foto: privat)

So macht sie sich täglich auf den beschwerlichen Weg zur Uni. Weder die Züge zwischen den Universitätsstädten noch die Busse in Marburg fahren sonderlich zuverlässig. Züge haben Verspätung, Busse sind zu voll oder die Verkehrsmittel fallen ohne ersichtlichen Grund komplett aus. Alternativen sieht sie keine. "Wegen meines Semestertickets kann ich die öffentlichen Verkehrsmittel umsonst nutzen und ein Auto kann ich mir nicht leisten", erklärt Leonie. Neben dem Studium jobbt sie, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Immerhin kann sie sich mit ihrem Smartphone jederzeit über mögliche Ausfälle und Verzögerungen auf dem Laufenden halten.

Trend Mobilität

Leonie ist kein Einzelfall. Laut dem Statistischen Bundesamt gibt es in Deutschland über 33 Millionen Pendler. Wie viele davon Studenten sind, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Das Deutsche Studentenwerk geht jedoch davon aus, dass auch bei Studierenden Mobilität im Trend liegt. Ihrer Einschätzung nach ist aufgrund der Rekordzahl an Studenten und der schwierigen Wohnsituation in Universitätsstädten ein Ausweichen ins Umland unumgänglich. Rund 2,5 Millionen Studenten sind derzeit an deutschen Hochschulen immatrikuliert. Nicht alle finden angemessenen Wohnraum in unmittelbarer Nähe zur Hochschule. 23 Prozent aller immatrikulierten Studenten leben bei ihren Eltern. Ein großer Teil von ihnen ist, weil ihr Elternhaus nicht in unmittelbarer Nähe einer Hochschule liegt, auf das Pendeln angewiesen.

Auch viele Nesthocker pendeln

"Leider geht das Studentenfeeling durchs Pendeln oft verloren, denn ich kann kaum spontan sein", erklärt Evi aus Bayern. Die 21-Jährige studiert Maschinenwesen im fünften Semester. Sie fährt von ihrem Elternhaus in Gräfelfing regelmäßig zur Technischen Universität München. Angewiesen ist sie dabei auf einen Bus in ihrer Heimatstadt und eine U-Bahn-Verbindung im Münchner Vorort Großhadern. Die Busverbindung beschert ihr den größten Kummer. Laut Plan beträgt ihre Fahrzeit nur eine Stunde. In der Regel braucht sie aber länger. "Mein Bus fährt alle 20 Minuten. Leider hat er oft Verspätung oder fällt manchmal aus", klagt Evi.

Die Mieten in München sind hoch. Daher wohnt Evi lieber bei ihren Eltern (Foto: privat)Die Mieten in München sind hoch. Daher wohnt Evi lieber bei ihren Eltern (Foto: privat)

Während ihre Kommilitonen sich nach den Vorlesungen noch nach Lust und Laune verabreden können, sorgt sich die Studentin darum, nicht mehr nach Hause zu kommen. Abends fahren die Busse nur noch alle 40 Minuten und später gar nicht mehr. Ihre Fahrt dauert zu lange, als dass ihre Kommilitonen auf sie warten würden, sagt sie. Das Studentenleben ist manchmal sehr schnelllebig.

Eine eigene Wohnung kann sich die Studentin derzeit nicht leisten. Immerhin gilt München als die teuerste Stadt der Bundesrepublik: Für eine 30-Quadratmeter-Wohnung muss man durchschnittlich etwa 540 Euro kalt bezahlen. Der Quadratmeter kostet fast 18 Euro! Da ist "Hotel Mama" für Evi die bessere Alternative.

Prekäre Situation in Großstädten

Die Sozialerhebung zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Studierenden des Deutschen Studentenwerks lässt nur ein sehr ungenaues Bild zu. In vielen Hochschulstädten - vor allem im Süden, im Rhein-Main-Gebiet, aber auch in Teilen von Nordrhein-Westfalen und Hamburg - ist die Wohnungsmarktsituation für Studierende prekär. Staatlich geförderte Wohnheimplätze sind ebenso wie bezahlbare Wohnungen absolute Mangelware. Die Studentenwerke in München und Marburg richten beispielsweise zu jedem neuen Semesterbeginn eine begrenzte Anzahl an Notunterkünften ein, um Notschläfern wenigstens vorübergehen eine warme Bleibe zu bieten. Noch immer haben private Vermieter Vorbehalte gegenüber Studenten als Mietern. Mit schlimmen Folgen für die Studierenden: Denn der Erfolg bei der Wohnungssuche entscheidet oft darüber, ob man das Studium fortsetzt oder abbricht.

Auf dem Land günstig wohnen

Tanja gehört zu den Studenten, die es aufgrund der horrenden Mieten aufs Land verschlagen hat. "In Hamburg sind die erschwinglichen Wohnungen oft in einem desolaten Zustand. Hier auf dem Land haben die Wohnungen eine bessere Qualität und sind viel günstiger", resümiert sie. Zusammen mit ihrem Ehemann wohnt sie in einer Drei-Zimmer-Wohnung und zahlt für 85 Quadratmeter eine Kaltmiete von 490 Euro. Für eine gleichwertige Wohnung würde sie in Hamburg durchschnittlich 12 Euro pro Quadratmeter zahlen und käme auf eine Kaltmiete von über 1000 Euro.

Um Wohnkosten zu sparen lebt Tanja lieber auf dem Land  (Foto: Petra Janzen)Um Wohnkosten zu sparen lebt Tanja lieber auf dem Land (Foto: Petra Janzen)

Die 24-Jährige studiert Soziale Arbeit und Diakonie an der Evangelischen Hochschule Hamburg. Sie wohnt drei Kilometer hinter Ratzeburg und benötigt pro Fahrt über 90 Minuten. Für Tanja beginnt der Tag daher bereits um 6 Uhr in der Früh, selbst wenn ihre Vorlesungen erst zur Mittagszeit stattfinden. Mit ihrem alten Auto, das es wohl nicht mehr durch den nächsten TÜV schafft, fährt sie zunächst zum Ratzeburger Bahnhof. Dort dauert es oft, einen Parkplatz zu finden. Frühstücken kommt aufgrund des Zeitdrucks nur auf dem Bahnhof in Frage. Nach Hamburg fährt sie mit der Regionalbahn auf dem Semesterticket. Bis zum Hauptbahnhof steigt sie mindestens einmal um. Zur Hochschule gelangt Tanja dann mit der U-Bahn.

Der Rückweg ist ebenso stressig. Weil ihre Veranstaltungen bis zum späten Nachmittag andauern, kommt sie erst abends im Dunkeln heim. Aufgrund der ungünstigen Fahrtzeiten verpasst die Studentin grundsätzlich 20 Minuten ihrer letzten Veranstaltung. Denn die Züge zurück nach Ratzeburg fahren nur einmal pro Stunde. "Aber mein Pendeln hat auch durchaus Vorteile", sagt Tanja nachdenklich, "Ich erledige die Vor- und Nachbereitung meiner Veranstaltungen unterwegs und habe zu Hause dann Freizeit." Und davon braucht sie jede Menge. Die Studentin arbeitet nebenbei in einem Pflegedienst und ist zusätzlich ehrenamtlich für die evangelische Jugend tätig.

Ähneln deine Erfahrungen denen von Leonie, Evi oder Tanja? Dann schreibe uns einen Kommentar oder diskutiere darüber im Forum!

[Martin Ludwig]

Links

Philipps-Universität Marburg im Web
Das Deutsche Studentenwerk im Web
Technischen Universität München im Web besuchen?
Evangelischen Hochschule Hamburg im Web

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