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Mindestlohn ab 2015

Aus für unbezahlte Praktika?

published: 01.08.2014

Bekommt man als Student während der Praktika den Mindestlohn von 8,50 Euro?  (Foto: Public Address) Bekommt man als Student während der Praktika den Mindestlohn von 8,50 Euro? (Foto: Public Address)

8,50 Euro die Stunde – diesen Mindestlohn müssen Arbeitgeber ab dem 1. Januar 2015 zahlen. Viele Studenten fragen sich, ob dies auch bei Praktika gilt, die sie oft als Pflichtteil des Studiums oder freiwillig absolvieren, um Berufserfahrungen zu sammeln. In der Tat: Einige Studierende und Auszubildende profitieren aufgrund von Ausnahmen nicht vom neuen Gesetz. "Wir hätten uns gewünscht, dass Praktika stärker in den Mindestlohn einbezogen werden", kommentiert Dominic Glock vom Arbeitsbereich für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des AStAs der Universität Mainz. Welche Sonderregelungen hat der Bundestag beschlossen? Welche Meinungen gibt es zum Mindestlohn und den Ausnahmen? Informiere dich hier und mach mit bei unserer Umfrage.

Welche Praktikanten bekommen den Mindestlohn?

Wer hat Anspruch auf 8,50 Euro die Stunde? Darüber entscheiden Zeitpunkt und Dauer des Praktikums. Arbeitgeber müssen Praktika, die der Praktikant nach seinem Hochschulabschluss absolviert, normalerweise mit dem Mindestlohn vergüten. Macht ein Absolvent jedoch in einem fachfremden Bereich ein Praktikum, ist er von dieser Regelung ausgenommen. Wer also etwa Sozialwissenschaften studiert hat, jedoch ein Praktikum im Bereich Graphik-Design an Land zieht, kann keine Bezahlung verlangen.

Unter Studierenden gibt es unterschiedliche Meinungen zum Mindestlohn für Praktika (Foto: Public Address)Unter Studierenden gibt es unterschiedliche Meinungen zum Mindestlohn für Praktika (Foto: Public Address)

Auch wenn ein Student ein Pflichtpraktikum absolviert, das sein Studium vorschreibt, gibt es keinen Mindestlohn. Ebensowenig werden freiwilligen Praktika vor oder während des Studiums vergütet. Dauern sie allerdings länger als drei Monate, muss der Arbeitgeber auch hier 8,50 Euro die Stunde zahlen.

Zu viele Ausnahmen?

Die Bundesregierung will mit dem Mindestlohn Ausbeutung von Praktikanten verhindern, die bereits fertig ausgebildet sind. Die Politiker wollen nicht, dass Absolventen von einem Praktikum zum nächsten weitergereicht werden, sondern Gehalt bekommen und von der Arbeit leben können. "Die Generation Praktikum gehört der Vergangenheit an", behauptete Andrea Nahles (SPD), Bundesministerin für Arbeit und Soziales, in ihrer Rede vor dem Bundestag am 3. Juli 2014.

Wie steht die Studierendenseite zum Mindestlohn, vor allem zu den Ausnahmen? "Viele Praktika, die nicht bezahlt werden, beanspruchen mehr oder weniger die gesamte Woche. Dadurch bleibt keine oder nur wenig Zeit, nebenher zu arbeiten. Das ist für viele Studierende finanziell eine sehr schwierige Situation", bemängelt Glock. Er argumentiert, dass zwar zu Beginn eines Praktikums etwas Einarbeitungszeit benötigt werde, jedoch 8 Euro für die Leistungen, die Studis erbringen, eine angemessene Bezahlung seien. Der Studierendenausschuss der Universität Mainz fordert daher, Praktika ohne Ausnahmen in den Mindestlohn aufzunehmen.

Zu teuer für den Arbeitgeber?

Vanessa Wünsch ist Studentin an der Universität Hamburg. Sie ist skeptisch, wenn es um den Mindestlohn geht. "Auf der einen Seite finde ich es gut, dass man durch bezahlte Praktika die Möglichkeit hat, in unterschiedliche Berufe hineinzuschnuppern, ohne beispielsweise von den Eltern abhängig zu sein. Andererseits bin ich etwas besorgt, welche Auswirkungen der Mindestlohn auf das Angebot von Praktika haben könnte." Sie befürchtet, dass Arbeitgeber bezahlte Praktika als zu teuer erachten und deshalb weniger Praktikumsplätze zur Verfügung stellen könnten. Gerade eine Bezahlung auch von Pflichtpraktika, wie sie der AStA fordert, sieht die 24-Jährige kritisch. Die Suche nach einem geeigneten Praktikumsplatz sei bereits jetzt nicht einfach. "Ich glaube, dass der Mindestlohn in dieser Hinsicht nur eine weitere Hürde darstellen würde."

Wie findest du die Mindestlohnregelungen bei Praktika?

  • Ich hätte mir einen Mindestlohn bei allen Praktika gewünscht.

  • Ich bin gegen einen Mindestlohn bei Praktika.

  • Ich bin zufrieden mit den beschlossenen Regelungen.

Die Befürchtung, dass das Angebot von Praktikumsplätzen durch den Mindestlohn beeinträchtigt werden könnte, teilt der Studierendenausschuss nicht. "Der Praktikant ist ja nicht nur eine Belastung für das Unternehmen, sondern erbringt auch Leistungen. Praktika, die zwei oder vier Wochen dauern, nicht zu bezahlen, ist akzeptabel, aber alles darüber hinaus muss entlohnt werden. Diese Ausnahmeregelung für Praktika, die bis zu drei Monate dauern, lehnen wir als AStA ab."

Weitere Praktikumsregelungen

Neben dem Mindestlohn hat der Bundestag weitere Richtlinien für Praktika beschlossen. So muss es ab 2015 immer einen Vertrag geben. In diesem sollen die Themen Entlohnung, Aufgabenfeld und Ziele des Praktikums klar definiert werden. Auch auf ein Zeugnis haben Praktikanten ab Anfang nächsten Jahres rechtlichen Anspruch.

Was hältst du von den derzeitigen Mindestlohnregelungen? Stimmst du mit dem überein, was der Bundestag beschlossen hat? Oder vertrittst du die Ansicht, dass alle Praktika ohne Ausnahme mit 8,50 Euro pro Stunde honoriert werden sollten? Oder bist du vielleicht komplett gegen einen Mindestlohn für Praktikanten? Mach mit bei unserer Umfrage!

[Meike Langner]

Links

AStA der Universität Mainz
Bundesministerium für Arbeit und Soziales

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