Studienkompass

Mit dem Coach in die Uni

published: 10.09.2014

Mit der Hilfe vom Studienkompass arbeiten Anna-Lena und Lucas an einer erfolgreichen Zukunft  (Foto: Public Address) Mit der Hilfe vom Studienkompass arbeiten Anna-Lena und Lucas an einer erfolgreichen Zukunft (Foto: Public Address)

Der Studienkompass

* setzt sich für mehr Bildungsgerechtigkeit ein und kämpft gegen Einschränkungen Jugendlicher durch ihre soziale Herkunft und
* fördert Schülerinnen und Schüler, in deren Familie keine akademische Laufbahn nachzuweisen ist.
* ist eine Initiative der Accenture Stiftung, der Deutsche Bank Stiftung und der Stiftung der Deutschen Wirtschaft.
* fördert für drei Jahre, beginnend zwei Jahre vorm Abitur bis zum ersten Studienjahr
* Arbeit in Gruppen mit einer zuständigen Vertrauensperson
* Fünf Workshops, individuelle Treffen mit Gruppe
* Coachen der Teilnehmer durch professionelle Trainer
* Elternkompass: Finanzielle Förderung, Vergabe von Stipendien

Die 17-Jährige Anna-Lena Nerlich will studieren, am liebsten Psychologie. Ihre Eltern stehen ihr dabei zwar emotional zur Seite, bei konkreten Fragen über die Bewerbung, das Studium oder das Studentenleben sind sie jedoch überfragt, da sie selbst nie auf der Uni waren. "Da ist mir der Studienkompass eine super Hilfe. Ich freue mich auf die nächsten drei Jahre", sagt Anna-Lena.

Wir sitzen in der Turnhalle der gymnasialen Emil-Krause-Oberstufe, 25 ausgewählte Hamburger Schülerinnen und Schüler - und ich, die Pointer-Reporterin. Gespannt warten wir darauf, dass die Studienkompass-Organisatoren die Willkommensfeier für die diesjährigen Teilnehmer eröffnen. Die vier Vertrauenslehrer der Neulinge sitzen bereits in der ersten Reihe vor der Bühne. "Wie wohl die anderen Jungs und Mädels so sind?" "Wer kommt in welche Gruppe?" Aufgeregte Jugendliche tuscheln oder unterhalten sich lautstark, schauen sich nach ihren Eltern, Geschwistern oder Lehrern um.


 
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Mittendrin sitzt Anna-Lena. Sie hat bisher nur eine vage Vorstellung davon, wie sie ihre Zukunft gestalten will. Über dem Totenkopf ihres schwarzen St.-Pauli-Pullis lächelt sie neugierig. Ihre Eltern haben "nur" einen Hauptschulabschluss. "Sie haben halt einfach so Arbeit gefunden, ohne Ausbildung und ohne alles", erzählt die Schülerin der Max-Brauer-Stadtteilschule. Anna-Lena will ihre Zukunft nicht so sehr dem Zufall überlassen. Sie will studieren. Um ihr zukünftiges Berufsleben besser bestimmen zu können, ist sie Mitglied im Studienkompass geworden.

Sich die eigenen Möglichkeiten bewusst machen

Dann geht es los. Auf der Bühne spricht Anne Clausing, Projektleiterin vom Studienkompass. Sie trifft mit ihren Fragen an die Teilnehmer den Nagel auf den Kopf: "Wie stelle ich mir mein Leben vor? Was will ich erreichen?" Als ich mich zum Publikum umdrehe, sehe ich förmlich Rauchwolken aus den Köpfen der Zuhörer aufsteigen. Denn diese Fragen sind für die Teenager bislang unbeantwortet geblieben und quälen sie zuweilen. Seit

Projektleiterin Anne Clausing zeigt, wo es lang geht (Foto: Public Address)Projektleiterin Anne Clausing zeigt, wo es lang geht (Foto: Public Address)

2007 geht die Förderstiftung Studienkompass diese Unklarheiten gezielt an. Sie wendet sich an angehende Abiturientinnen und Abiturienten, in deren Familien keine Akademiker sind. Frau Clausing erklärt mir später, zu wenig Jugendliche würden die Chance der freien Zukunftsgestaltung nutzen, "gerade Jugendliche aus Haushalten, in denen akademische Vorerfahrungen fehlen".

Eine feurige Ansprache

Anna-Lena verrät mir in unserem anschließenden Gespräch, dass sie studieren will, weil sie denkt, dass ihr so mehr Türen offenstünden. Ihre Eltern können ihr beim Beschreiten dieses anstrengenden Weges nicht helfen, sie nicht einmal darin unterstützen, den richtigen Pfad einzuschlagen. Von ähnlichen Schwierigkeiten berichtet mir Lucas Große. Der 19-Jährige ist bereits seit einem Jahr Mitglied im Studienkompass. Lucas hält im Laufe der Feier eine Rede, eine wahrhaftig feurige Ansprache darüber, wie sehr die Organisation ihm unter die Arme greift. Auf meine Frage, wie er sich seine Zukunft und sein Berufsleben vorstellt, sagt er: "Ich will am liebsten dual studieren: Bachelor of Engineering, Maschinenbau und habe mich bei einigen Hochschulen beworben. Da warte ich jetzt auf die Rückmeldung." Der Schüler des Heilwig-Gymnasiums stammt auch aus einer Familie, in der es nicht üblich ist zu studieren. Durch eine Infoveranstaltung von Anne Clausing an seiner Schule erfuhr er vom Studienkompass. Er zeigte seiner Mutter die Broschüren und sie sagte: "Mach das, das ist eine gute Idee. Die können dir da bestimmt besser weiterhelfen, als wir das können."

Auf zu neuen Ufern

Schon während der Veranstaltung wird viel geschmunzelt und gelacht. Die jungen Repräsentanten und Vertrauenspersonen sprechen die neuen Mitglieder einfühlsam und verständnisvoll an. Alle gucken sich häufig um, versuchen, einen Eindruck davon zu bekommen, mit wem sie die nächste Zeit verbringen werden. Die ganze Zeremonie hat etwas von einer Einschulung. Alle stehen auf einer Bühne, sind nervös und glücklich zugleich, halten das Studienkompass-Zertifikat in der Hand und strahlen von einem Ohr zum anderen. Schon zwei Tage später werden sich alle vier Teams separat treffen, um sich besser kennen zu lernen, und dann bestimmt viel von der Unsicherheit ablegen.

Vom Engagement der zwei Studienkompass-Teilnhemer kann ich als Studentin (r.) noch lernen (Foto: Public Address)Vom Engagement der zwei Studienkompass-Teilnhemer kann ich als Studentin (r.) noch lernen (Foto: Public Address)


Sich nicht aus den Augen verlieren

Über den zeitlichen Aufwand des Programms sagt Lucas, dass seine Gruppe sich alle paar Wochen treffe. "So verliert man sich nicht aus den Augen, es kostet aber auch nicht zu viel Zeit." Das Ziel aller ist es, die Informationsfülle, die mit dem Studium über sie hereinbricht, zu verarbeiten. Zudem geht es darum, mit der Hilfe von professionellen Trainern herauszufinden, was man eigentlich will, seine Schwächen und Stärken zu erkennen und zu guter Letzt seinen Weg durch den Studienalltag zu finden.

Euphorisch und hoffnungsvoll

Abgeschlossen wird die Aufnahmefeier durch ein Gruppenfoto aller Anwesenden und ein Buffet im Vorraum, wo sich alle in intensiven Gesprächen wiederfinden. Die Stimmung ist euphorisch und hoffnungsvoll. Ein schöner Moment, der mich auch ein bisschen nachdenklich macht: Ob mir das Glück meines unkomplizierten akademischen Werdegangs zureichend bewusst ist?

[Lotta Behrend]

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