Um sich eine kleine Wohnung in einer Universitätsstadt leisten zu können, ist für viele Studenten sparen angesagt (Foto: Aaron Amat/Shutterstock.com)Deutsche und norwegische Jugendliche lernen sich und ihre Kulturen während des Jugendforums kennen (Foto: Assunta Jaeger, DNJF 2014)Pointer-Reporterin Lotta will von den Studierenden der Uni Hamburg wissen, ob sie in der Fastenzeit Verzicht üben (Foto: Public Address)Auf dem Campus der Uni Paderborn findet das größte Outdoor-Uni-Festival Deutschlands statt (Foto: AStA-Sommerfestival)Im letzten Jahr haben  sich 4,5 Prozent mehr neue Studierende aus dem Ausland an deutschen Hochschulen eingeschrieben als 2013 (Foto: imageCORE/Shutterstock.com)Die Wohnungssuche ist gerade für Erstsemester nicht immer einfach (Foto: wavebreakmedia/Shutterstock.com)Der 17-jährige Benjamin Ansari erhält das Pfad.finder-Stipendium der Uni Witten/Herdecke (Foto: Universität Witten/Herdecke)

Nachgedacht: Anwesenheitspflicht

Ein Plädoyer für leere Hörsaalbänke

published: 20.03.2015

Mehr Entscheidungsfreiheit: Nordrhein-Westfalen hat zum Wintersemester 2014/15 die Anwesenheitspflicht abgeschafft (Foto: Creativa Images/Shutterstock.com) Mehr Entscheidungsfreiheit: Nordrhein-Westfalen hat zum Wintersemester 2014/15 die Anwesenheitspflicht abgeschafft (Foto: Creativa Images/Shutterstock.com)

Liebe Universitäten,
lasst uns mal Klartext sprechen. Wir wissen, ihr meint es gut mit uns Studierenden. Wollt nur unser Bestes. Aber mal ernsthaft – was soll das mit dieser Anwesenheitspflicht? Da hat man Mama und Papa gerade hinter sich gelassen und steht auf eigenen, wenn auch noch etwas wackeligen Beinen, da kommt die Uni mit erhobenem Zeigefinger um die Ecke. Und wir würden nur allzu gern mit dem Mittelfinger antworten. Tun wir aber nicht, weil wir wissen, dass ihr uns eigentlich nur zu unserem Glück zwingen wollt. Zu guten Noten, einem guten Abschluss und somit einer guten Zukunft. Aber Glück und Zwang, wisst ihr, waren noch nie ein gutes Team. Klar, in Zeiten, in denen viele ihre Hochschulzugangsbescheinigung noch vor dem Führerschein erhalten, wollt ihr junge Studenten an die Hand nehmen. Aber was würde denn passieren, wenn ihr einfach mal losließet?


Im Westen was Neues

In Nordrhein-Westfalen scheint es jedenfalls zu klappen, wurde dort zum Wintersemester 2014/15 doch die Anwesenheitspflicht per Hochschulzukunftsgesetz (HZG NRW) abgeschafft. Dass die Dozenten von dieser Revolution weniger begeistert waren als die Studierenden, zeigt der Anwesenheitsmelder des AStA Uni Münster. Dort meldeten die Studenten in kurzer Zeit über hunderte Verstöße derjenigen Lehrenden, die immer noch auf der Anwesenheitspflicht beharrten.

Aber stop! Wer jetzt in Gedanken schimpfend "Typisch Deutschland mit seinem Spießertum" ruft, den müssen wir enttäuschen. Selbst im Land der unbegrenzten Möglichkeiten scheinen die Möglichkeiten des Schwänzens begrenzt: In den USA nimmt das Thema Anwesenheitspflicht sogar ganz neue Dimensionen an. So ermöglicht die App Class120 es Eltern, per GPS live herauszufinden, ob ihr Kind wirklich in der Uni ist. Befindet sich der Nachwuchs kurz vor Seminarbeginn noch nicht in Raumnähe, bekommen die Eltern eine Alarmmeldung. Im Gegensatz zu Vertrauen ist Class120 nicht unbezahlbar: Jährlich 214,99 Dollar kostet die Eltern diese lückenlose Kontrolle ihrer Kinder.


Das Internet ist nicht für alle Neuland. Für Unis aber schon

Also, ihr Universitäten da draußen – wie können wir uns einigen? Fest steht: Im Seminar zu sitzen bedeutet nicht, geistig anwesend zu sein. Gleiches gilt andersrum: Abwesenheit bedeutet nicht, sich nicht mit dem Thema zu beschäftigen. Ganz im Gegenteil: Eine Umfrage an der Universität zu Köln hat ergeben, dass Studenten sich sogar täglich im Netz via Facebook mit Unithemen auseinandersetzen und sich 84 Prozent der Befragten ein verstärktes Onlineangebote zur flexibleren Studiengestaltung wünschen. Na, liebe Unis, das wär' doch mal was!


Lasst uns mit der alten Tradition brechen – und lasst uns los. Nur wer beide Hände frei hat, kann nach etwas Neuem greifen. Es ist Zeit für einen Wandel. Versteht uns nicht falsch, wir finden euch super. Aber lasst uns selber entscheiden, wann wir welches Seminar besuchen. Und wenn wir dann mit unseren wackligen Beinen am Ende tatsächlich durch die Prüfung fallen, dann stehen wir eben wieder auf. So lernen wir nicht nur für die Klausur, sondern auch fürs Leben.

Die Autorin: Jana Schütt

Die Autorin: Jana Schütt

1993 geboren. Aufgewachsen in einem Dorf in Niedersachen zwischen Kühen und katastrophalen Busverbindungen – gelandet in der zweitgrößten Stadt Deutschlands. Dann ging es für Jana erstmal ab in die Werbung, als Texterin arbeiten. Inzwischen ist sie an der Uni Hamburg, um etwas über Soziologie und Medien- und Kommunikationswissenschaften zu lernen. Die Pointer-Autorin mag kein Gemüse, Kartoffelchips findet sie aber voll okay. Größter Traum: Niklas Luhmann auf einen Pfefferminztee treffen.

Mehr

Dringend Reformen benötigt
Welcher Studiengang macht reich?
Uni-Experiment endet mit Überdosis

Links

Zum ZEIT-ONLINE Artikel "Lasst uns den Studenten via Facebook helfen!"
Das " Hochschulzukunftsgesetz (HZG NRW)" im Web
Der "Anwesenheitsmelder" im Web
Zum Artikel "Minderjährig an der Uni"
Die App "Class120" im Web

Das könnte dich auch interessieren:

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung