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Keine Studienberechtigung

Schock: G8-Abitur ungültig

published: 01.04.2015

Was nun? Die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs, das deutsche G8-Abitur nicht anzuerkennen, lässt viele Abiturienten und Studenten fassungslos zurück (Foto: Marcos Mesa/Sam Wordley/Stutterstock.com) Was nun? Die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs, das deutsche G8-Abitur nicht anzuerkennen, lässt viele Abiturienten und Studenten fassungslos zurück (Foto: Marcos Mesa/Sam Wordley/Stutterstock.com)

Das deutsche Abitur nach der zwölften Jahrgangsstufe beinhaltet nicht, wie bisher in der Bundesrepublik gehandhabt, die Hochschulreife. Dies hat der Europäische Gerichtshof am 1. April 2015 in Luxemburg entschieden, nachdem das Gericht der Europäischen Union zuvor anders geurteilt hatte. Relevante Lernziele fänden wegen der Verkürzung der Schulzeit um ein Jahr im Rahmen der G8-Einführung hierzulande keine ausreichende Berücksichtigung mehr. Insbesondere Basiskompetenzen wie Rechtschreibung und Algebra seien jedoch als grundlegend für den Besuch einer europäischen Hochschule zu erachten. Der G8-Lehrplan vermittele diese nicht in hinreichendem Maße. Damit verstoße die deutsche Praxis gegen geltendes europäisches Recht. "Es ist nicht hinnehmbar, dass der deutsche Bildungs-Sonderweg weiterhin in der Gemeinschaft der europäischen Staaten akzeptiert wird", so die Richter in ihrer Begründung. "Diese Praxis verstößt gegen den Gleichheitsgrundsatz." Die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur von bisher 13 auf nunmehr zwölf Jahre war zuvor in fast allen Bundesländern eingeführt worden. Lediglich in Rheinland-Pfalz blieb es bei einem Modellversuch.


In einer ersten Stellungnahme kündigte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) einen baldigen Gipfel mit ihren Kollegen aus den Bundesländern an. Auf dem Treffen solle ein neuer Rahmenlehrplan erarbeitet werden. "Wir müssen zudem überlegen, wie wir den Studierenden, die nach Einführung der G8-Regelung ihre Abiturprüfung abgelegt haben, nun nachträglich die Erlangung der Hochschulreife ermöglichen", so die Politikerin. "Nach einer genaueren Auseinandersetzung mit dem Urteil werden wir wissen, ob dies ausschließlich im Rahmen eines zweisemestrigen Kurses oder alternativ über eine einmalige G9-Prüfung erfolgen kann." Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) kündigten ihre Teilnahme am Bildungsgipfel an. "Es geht nicht an, dass die deutsche Wirtschaft nicht mehr wie die europäische Konkurrenz auf junge Berufseinsteiger zurückgreifen soll", sagte der Vizekanzler der "Tagesschau". Den bildungspolitischen Fehler habe die Vorgängerregierung begangen. "Hier hat die schwarz-gelbe Koalition nicht nur den jungen Menschen, sondern auch der hiesigen Wirtschaft angesichts der internationalen Konkurrenz einen Bärendienst erwiesen".


Erleichtert über das Urteil zeigte sich dagegen Linken-Chefin Katja Kipping. "Die durch die Hintertür um ein Jahr erhöhte Arbeitszeit der Menschen bis zur Rente ist nun hinfällig", sagte die Politikerin vor Journalisten in Berlin. "Nun muss sich die Koalition ein anderes Mittel einfallen lassen, die Rentenlücke zu stopfen", so Kipping weiter. Sie empfehle die Anhebung des Spitzensteuersatzes.


Studierendenvertreter riefen unterdessen bundesweit zu Streiks auf. Der Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) der Freien Universität Berlin richtete sich zudem in einem offenen Brief an die Bildungsminister. Darin wirft das Gremium u.a. die Frage auf, ob die bisher erlangten Credit Points und abgeschlossenen Module von Studenten, die über ein G-8-Abitur an die Hochschulen kamen, nun "auf Halde liegen", bis diese ihre G9-Prüfung nachgeholt hätten, oder ob alle bisher erreichten Leistungen "nur noch für den Papierkorb taugen". "Wir sind stinksauer und fühlen uns von der Politik als Versuchskaninchen missbraucht", so die Studenten weiter.

[April Scherz]

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