Überqualifiziert

Sorry, Sie sind zu gut für den Job

published: 13.09.2015

Das Problem junger Absolventen heißt "Downgrading": Jeder sechste Akademiker bekommt nach dem Studium einen Job, der ihn unterfordert (Foto: baranq/Shutterstock.com) Das Problem junger Absolventen heißt "Downgrading": Jeder sechste Akademiker bekommt nach dem Studium einen Job, der ihn unterfordert (Foto: baranq/Shutterstock.com)

"Was ist nur los in diesem Land? Alle gehen arbeiten, nur ich nicht." Mit dieser Zeile singen Rapper Sido und Helge Schneider in ihrem Song "Arbeit" tausenden jungen Menschen aus der Seele. Vor allem den Uni-Absolventen. Denn kaum etwas belastet Akademiker aktuell so sehr, wie das Thema Arbeitslosigkeit. Das Problem lautet "Überqualifizierung" und ist leider nicht so charmant, wie es im ersten Moment klingt. Doch wie kann es eigentlich sein, dass man einen Job nicht bekommt, weil man zu gut ist?


Bachelor zu wenig, Master zu viel

Viele Studierende befinden sich in einer scheinbar ausweglosen Situation: Der Bachelor reicht den meisten Unternehmen als Qualifikation allein nicht aus und wird als Abschluss, u.a. wegen der fehlenden Praxisnähe, selten ernst genommen. Die Bologna-Reform hat einen großen Teil dazu beigetragen. Entscheidet man sich dann aber für einen Master, lehnen Personaler die Bewerber oftmals mit der Begründung der Überqualifizierung ab. Dies hat letztlich zur Folge, dass jeder sechste Absolvent eine Stelle annimmt, die er als nicht-adäquat empfindet – so das Ergebnis von Umfragen des Hochschul-Informationssystems (HIS) Hannover.

Bereits 2007 hat die Europäische Union in einer großen Umfrage ähnliche Ergebnisse erhalten: 25 Prozent der erwerbstätigen Absolventen zwischen 25 und 34 Jahren waren damals überqualifiziert für ihren Job. In Deutschland war jeder fünfte Abgänger einer Hochschule oder Berufsakademie unterhalb seines Qualifikationsniveaus beschäftigt. Viel scheint sich seitdem nicht geändert zu haben. Leider.


Ingenieure sind zufriedener als Philosophen

Mittels der HIS-Umfragen wurde zudem herausgefunden, dass die Überqualifizierung zwischen verschiedenen Fachrichtungen stark variiert: Innerhalb der Bereiche Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften beklagen sich knapp 30 Prozent der Absolventen über inadäquate Tätigkeiten — hingegen weniger als 10 Prozent der jungen Mediziner oder Ingenieure. Die Beschäftigung unter dem Niveau der eigenen Fähigkeiten, die auch als Downgrading bezeichnet wird, ist also kein allgemein gültiges Phänomen. Weswegen es aber nicht weniger schlimm ist.


 
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Zudem wird klar, dass es nicht den einen richtigen Weg gibt, um sicher einen Job zu bekommen. Jeder Absolvent muss seinen eigenen Weg gehen und für sich entscheiden, ob er einen Master für sinnvoll hält oder nicht. Was auf jeden Fall wichtig ist, und da sind sich die Arbeitgeber einig, ist Praxisnähe — zum Beispiel durch einen Nebenjob während des Bachelors.



Die magischen fünf Jahre

Die beste Nachricht zum Schluss: Es gibt Statistiken, die Hoffnung machen! So sollen Hochschulabsolventen laut Bildungsbericht in der Regel nach spätestens fünf Jahren anspruchsvolle Aufgaben bekommen, die sie ohne ihr Studium nicht lösen könnten. Noch besser: 45 Prozent der Absolventen aus wirtschaftsverwandten Fachrichtungen sind nach fünf Jahren bereits in Führungspositionen vorgerückt. Ein Studium scheint sich also doch auszuzahlen — wenn man genug Geduld und Durchhaltevermögen mitbringt. Darüber könnte Sido doch seinen nächsten Hit schreiben, oder?

Die Autorin: Jana Schütt

Die Autorin: Jana Schütt

1993 geboren. Aufgewachsen in einem Dorf in Niedersachen zwischen Kühen und katastrophalen Busverbindungen – gelandet in der zweitgrößten Stadt Deutschlands. Dann ging es für Jana erstmal ab in die Werbung, als Texterin arbeiten. Inzwischen ist sie an der Uni Hamburg, um etwas über Soziologie und Medien- und Kommunikationswissenschaften zu lernen. Die Pointer-Autorin mag kein Gemüse, Kartoffelchips findet sie aber voll okay. Größter Traum: Niklas Luhmann auf einen Pfefferminztee treffen.

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Links

Zum Artikel "Mehr Praxisnähe im Bachelor" auf Pointer.de
Zum Artikel "Credit Points statt Lebenserfahrung" auf Pointer.de
Der Song "Arbeit" von Sido und Helge Schneider im Web (Live bei Circus HalliGalli)
Zum Artikel "Wir sind jung und brauchen die Erfahrung" auf Pointer.de

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