Test

Was taugen Studienkredite?

published: 03.08.2007

Das CHE Centrum für Hochschulentwicklung hat Studienkredite getestet (Foto: CHE) Das CHE Centrum für Hochschulentwicklung hat Studienkredite getestet (Foto: CHE)

Studieren ist toll. Denkst du. Bis du dir ausrechnest, was das kostet. Miete, Essen, Klamotten, vielleicht noch Studiengebühren… Das geht alles ganz schön ins Geld. Deine Eltern sind keine Millionäre, BAföG ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein und wenn du so viel jobben würdest, wie du Geld brauchst, hättest du keine freie Minute mehr für die Uni.

Da hört sich ein Studienkredit verlockend an. Aber ist ein solches Darlehen wirklich eine Hilfe oder nutzen einen die Banken nur aus? Und welches Angebot ist für dich das richtige?

Das CHE Centrum für Hochschulentwicklung hat das Dickicht der Studienkreditmodelle für dich durchforstet. Und mit dem CHE-Studienkredit-Test 2007 einen sehr nützlichen Test entwickelt. Unikosmos sprach mit dem Projektleiter Ulrich Müller.

Wie kamen Sie auf die Idee, einen Test für Studienkredite durchzuführen?
"Wer studiert, ist vielleicht erst 19 Jahre alt. Er oder sie hat wahrscheinlich keine Erfahrungen mit Krediten – oder wenn, dann wird es um kleine Summen für ein Fahrrad oder einen Roller gegangen sein. Das ist nicht vergleichbar mit den Dimensionen, um die sich Studienkredite drehen. Bei der Aufgabe, sich über Studienkredite zu informieren, ist man als junger Mensch leicht überfordert. Hier wollen wir Hilfestellung leisten. Auf der anderen Seite hoffen wir auch, dass unser Vergleich die Anbieter motiviert, gute Bedingungen zu schaffen."

Welche Kredite haben Sie untersucht?
"Wir haben alle Anbieter angeschrieben, die ein Kreditangebot für den tertiären Bereich haben – also Universitäten, Fachhochschulen oder Weiterbildung. Alle, die uns bekannt waren, haben wir angeschrieben und alle, die geantwortet haben, wurden aufgenommen. Bundesweit und landesweit haben wir wirklich alle Anbieter erfasst, auch die ganz neuen. Auf regionaler Ebene kann es sein, dass uns einer noch nicht bekannt ist. Der kann sich jederzeit bei uns melden."

Ulrich Müller studierte in Bonn Erziehungswissenschaften, Psychologie und Soziologie. Jetzt ist der 32-Jährige Projektleiter beim Centrum für Hochschulentwicklung (Foto: Tobias Eifler)Ulrich Müller studierte in Bonn Erziehungswissenschaften, Psychologie und Soziologie. Jetzt ist der 32-Jährige Projektleiter beim Centrum für Hochschulentwicklung (Foto: Tobias Eifler)

Nach welchen Kriterien wurde bewertet?
Wir haben fünf verschiedene Aspekte untersucht. Im ersten Punkt ging es uns um den Zugang: Wer kann diesen Kredit überhaupt nutzen? Welche Hürden bestehen? Das zweite Kriterium war die Elternunabhängigkeit. Ist die Summe, die ich über den Kredit erhalte, hoch genug, um davon mein Studium zu finanzieren? Oder bleibe ich auf weitere Quellen, etwa die Eltern, angewiesen? Drittens haben wir die Kosten untersucht. Ein günstiger Zinssatz ist natürlich von Vorteil. Als vierten Aspekt haben wir die Risikobegrenzung gewählt. Ist der Zinssatz variabel oder fest? Kann er in unermessliche Höhen steigen? Ist er verlässlich festgeschrieben oder bewegt er sich in einem bestimmten Rahmen? Das fünfte Kriterium ist Flexibilität. Es gibt einige Kreditangebote, die ausschließen, dass man etwa ins Ausland geht, die Hochschule oder das Fach wechselt."

Gibt es auch Kredite für Studierende, die nicht untersucht wurden? Was ist beispielsweise mit Studienabschlusskrediten?
"Diese Anbieter haben wir auch angeschrieben. Leider haben wir keine Reaktion bekommen. Trotzdem haben wir in unserer Untersuchung darauf hingewiesen, dass für begrenzte Abschlussphasen von einigen Monaten oft spezielle Angebote bestehen. Hier sollte man sich zuerst einmal beim Studentenwerk beraten lassen. Beispielsweise in Nordrhein-Westfalen gibt es ein solches Angebot, das sehr günstig ist."

Wie lautet Ihr generelles Fazit: Taugen Studienkredite was?
"Ja, die taugen auf jeden Fall was. Sie sind fair, das kann man durchweg sagen. Sie sind auch dem Bedarf angemessen, den Studierende haben. Insofern ergibt sich ein wirklich positives Bild. Es gibt aus unserer Sicht nur einen richtigen Reinfall: das Angebot der SEB. Es richtet sich zwar nur an einige Privathochschulen und ist insofern nicht für die breite Masse gedacht, aber selbst dort ist es unflexibel und teuer. Sonst sind die Studienkredite generell akzeptabel. Das Angebot ist allerdings so breit, dass es dennoch große Unterschiede gibt. Deshalb sollte man genau hinsehen, ob das Angebot, das einem entgegen lacht, auch die im Einzelfall bestehenden Bedürfnisse befriedigt."

Wann sollte man einen solchen Kredit in Anspruch nehmen? Besteht nicht die Gefahr, dass sich Studierende hoch verschulden, obwohl sie ihre Finanzen auch durch Sparen und Jobben regeln könnten?
"Nach den neuesten Zahlen haben bisher bundesweit 80.000 Studierende einen solchen Kredit in Anspruch genommen. Das ist in Anbetracht von zwei Millionen Studierenden nicht viel. Man kann beobachten, dass die Studierenden klug mit den Angeboten umgehen. Es ist nicht so, dass sie leichtfertig höhere Summen aufnehmen, um sich einen höheren Lebensstandard zu sichern. Aber generell geht es natürlich darum, den Kreditbetrag möglichst gering zu halten."

Wie schafft man das?
"Wenn jemand neben dem Studium einen guten Job hat und dadurch schon Erfahrung für den Berufseinstieg sammelt, sollte er oder sie das vielleicht weitermachen, auch wenn das Studium dann vielleicht ein oder zwei Semester länger dauert. Wenn jemand sich andererseits während der Prüfungsphase auf sein Studium konzentrieren möchte und nicht weiter kellnern will, kann ein Kredit das ermöglichen. Es mag sich sogar finanziell lohnen, einen Kredit aufzunehmen, da ein längeres Studium ja den Berufseinstieg verzögert und man währenddessen auf Einkommen verzichtet. Dennoch: Bevor man über einen Kredit nachdenkt, sollte man unbedingt einen genauen Kassensturz machen. Und wenn sich eine Lücke in den Finanzen auftut, lassen sich zur Schließung vielleicht auch andere Quellen anzapfen, die man nicht oder nur zum Teil zurückzahlen muss, wie BAföG oder Stipendien. Das ist immer die bessere Lösung."

Wie geht man nach dem Kassensturz weiter vor?
"In einem zweiten Schritt sollte man klären, welche Anforderung der Studienkredit erfüllen muss. Will man beispielsweise auch ins Ausland, scheiden schon viele Anbieter aus. Drittens muss man die verbliebenen Angebote vor dem Hintergrund der individuellen Anforderungen vergleichen. Das ist wichtig, da sich die Kredite im Detail stark unterscheiden. In einem vierten Schritt sollte man den Kontakt zum Anbieter suchen und sich ein schriftliches Angebot erstellen lassen. Und dann nicht sofort unterschreiben, sondern erst einmal das Kleingedruckte lesen und vergleichen. Jetzt wird einem die Bank auch genau sagen, was die aktuellen Zinsbedingungen sind."

Wie verhält es sich mit den Rückzahlungsmodalitäten? Muss man sich da als Berufseinsteiger eventuell übernehmen?
"Die meisten Kreditangebote sind da sehr flexibel. Sie bieten beispielsweise ein Karenzjahr, was bedeutet, dass man im ersten Jahr, manchmal auch in den ersten beiden Jahren, noch nichts zurückzahlen muss. Somit kann man einen sinnvollen Berufseinstieg finden und muss nicht den erstbesten Job annehmen, nur um den Kredit zurückzahlen zu können. In diesem Aspekt unterscheiden sich Studienkredite deutlich von normalen Konsumkrediten. Bei einigen Anbietern lässt sich zudem die Höhe der Raten flexibel gestalten."

Wie lange wird Ihr Test aktuell sein? Kommen nicht ständig neue Produkte auf den Markt, während andere vielleicht nicht mehr angeboten werden?
"Einige neue Anbieter sind schon mit drin. Deutsche Bildung etwa ist ein Studienfonds, der ganz frisch auf dem Markt ist. Was sich allerdings schon noch in geringem Maße regelmäßig ändert, sind die Zinssätze. Die muss man noch einmal vor Ort checken. Aber die groben Richtlinien der Anbieter, die jetzt am Markt sind, werden gleich bleiben. Der Test kann so einen sinnvollen Einstieg in das Thema Studienkredite bieten. Interessierte Studierende finden einen Überblick darüber, was für Angebote bestehen, wo die Haken und Vorteile sind und welche Kreditart für ihre Situation angeraten ist."

Wie verhält es sich mit Krediten für Studienbeiträge?
"Neben den kommerziellen Kreditangeboten der Großbanken, die sich hauptsächlich um die Deckung der Lebenshaltungskosten während des Studiums drehen, gibt es in den betreffenden Bundesländern ein spezielles Darlehensmodell für die Studienbeiträge. Interessant ist daran vor allem, dass die Rückzahlung bis zu einer gewissen Grenze limitiert ist. Wenn jemand BAföG bekommt und dieses Darlehen für die Studienbeiträge in Anspruch nimmt, muss er oberhalb dieser Grenze nichts zurückzahlen. Besonders bei denjenigen, die einen hohen BAföG-Satz erhalten, kommt das zum Tragen."

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

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Links

Zum Studienkredit-Test des CHE
Zum Download des Studientests des CHE
Zum Download der Kurzinformation zu Studienkrediten
CHE Centrum für Hochschulentwicklung

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