Studie zum Mindestlohn

Viele Minijobber verdienen zu wenig

published: 31.01.2017

Fast jeder zweite Minijobber erhält für seine Arbeit weniger als den gesetzlichen Mindestlohn, wie eine Studie herausfand (Foto: Wolfilser/shutterstock.com ) Fast jeder zweite Minijobber erhält für seine Arbeit weniger als den gesetzlichen Mindestlohn, wie eine Studie herausfand (Foto: Wolfilser/shutterstock.com )

Viele Minijobber verdienen weniger als gesetzlich vorgeschrieben. Trotz der beschlossenen Lohnuntergrenze von 8,50 Euro bekamen knapp die Hälfte der Minijobber in den Monaten nach der Einführung am 1. Januar 2015 noch immer weniger als den Mindestlohn pro Stunde. Im weiteren Jahresverlauf sank dieser Anteil kaum. Auch nach fünf bis elf Monaten Mindestlohnpflicht mussten sich noch 44 Prozent der geringfügig Beschäftigten mit Honoraren unter 8,50 Euro zufrieden geben. Zu diesen Ergebnissen kam eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.


Für ihre Studie werteten die Arbeitsmarktforscher Toralf Pusch und Hartmut Seifert die aktuellsten verfügbaren Daten anhand zweier repräsentativer Quellen aus: dem sozio-oekonomischen Panel (SOEP) und dem Panel Arbeitsmarkt und Soziale Sicherung (PASS). In beiden Panels wurden im Verlauf des Jahres 2015 mehrere Tausend Arbeitnehmer zu ihrem Einkommen und ihren Arbeitszeiten befragt. Im Fokus der WSI-Studie standen Menschen, die zu diesem Zeitpunkt hauptberuflich als Minijobber arbeiteten. Nicht mitgezählt wurden unter anderem Praktikanten, Auszubildende und Langzeitarbeitslose, die von der gesetzlichen Mindestlohn-Regelung ausgeschlossen sind. Ebenfalls ausgenommen waren Branchen, in denen der Mindestlohn für einen Übergangszeitraum unterschritten werden durfte. Davon betroffen waren im Jahre 2015 beispielsweise Friseure und Zeitungszusteller.


Dennoch hat sich die Lohnsituation 2015 im Vergleich zum Vorjahr verbessert. 2014 lag der Anteil der Minijobber, die weniger als 8,50 Euro bekamen, noch bei 60 Prozent. Kurz nach dem 1. Januar 2015 sank er auf 50 Prozent. Doch die geringe Verbesserung zeigt vor allem eines: "Das lässt vermuten, dass ein erheblicher Teil der Arbeitgeber die Bezahlung nicht nur langsam, sondern gar nicht an den Mindestlohn angepasst hat", sagt Pusch. Selbst auffällig niedrige Stundenlöhne sind nach der WSI-Studie unter Minijobbern keinesfalls verschwunden. Laut SOEP erhielten 2015 rund 20 Prozent der geringfügig Beschäftigten weniger als 5,50 Euro. Knapp 40 Prozent der Minijobber kamen bestenfalls auf 7,50 Euro brutto in der Stunde.


Neben gesetzeswidrigen Niedriglöhnen erhalten viele geringfügig Beschäftigte oft ebenfalls keine Lohnfortzahlung bei Krankheit oder im Urlaub – trotz gesetzlichem Anspruch. Laut den Forschern Seifert und Pusch mangelt es an effektiven Kontrollen, um die Durchsetzung des Mindestlohns voranzutreiben.


Zum 1. Januar 2017 wurde der Mindestlohn von 8,50 Euro auf 8,84 Euro pro Stunde angehoben. Inwieweit sich Unternehmen an diese neue Lohnuntergrenze halten, bleibt abzuwarten.


 
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[PA]

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