Neue Studie

Jeder Fünfte ist "formal unterqualifiziert"

published: 10.02.2018

Fehlende Berufsausbildung: 21 Prozent aller Stellen sind mit formal unterqualifizierten Arbeitnehmern besetzt (Foto: Pressmaster/Shutterstock.com) Fehlende Berufsausbildung: 21 Prozent aller Stellen sind mit formal unterqualifizierten Arbeitnehmern besetzt (Foto: Pressmaster/Shutterstock.com)

Für deinen Traumjob brauchst du den passenden Abschluss? Eine neue empirische Studie der Ruhr Universität Bochum im Auftrag der Bertelsmann Stiftung stellt diese Überzeugung in Frage, denn: 21 Prozent aller Arbeitnehmer sind "formal unterqualifiziert", d.h. sie üben einen Job aus, für den sie eigentlich nicht den erforderlichen Abschluss haben. 54 Prozent aller Stellen, die von gelernten Fachkräften ausgeführt werden sollten, sind von Arbeitnehmern ohne Ausbildung besetzt. Sogar fast jede fünfte Fachkraft übernimmt eine Stelle, die Meister- oder Akademikerniveau erfordern würde. Das ist eigentlich kein Problem - doch es gibt einen Haken an der Sache.
 


Wie kommt es zu formaler Unterqualifizierung?

Es ist gar nicht so verwunderlich, dass jeder Fünfte formal unterqualifiziert ist: Die Arbeitnehmer bilden sich einfach ohne formalen Abschluss weiter, indem sie lange in einem Unternehmen arbeiten, sich weiterbilden und im Arbeitsalltag die Kenntnisse erlernen, die andere in der Ausbildung oder auch im Studium erhalten. Das Ergebnis: Knapp ein Viertel aller angestellten Männer arbeitet über ihrem entsprechenden formalen Qualifikationsniveau - bei den Frauen sind es mit 16 Prozent noch etwas mehr.

Die formale Unterqualifizierung ist an sich nicht problematisch, sondern sogar ein gutes Zeichen dafür, dass man auch ohne entsprechenden Bildungsabschluss einen Job ausüben kann, auf den man Lust hat. Der Haken ist allerdings, dass die Leistung der formal unterqualifizierten Arbeitnehmer nicht genauso entlohnt wird, wie die der formal qualifizierten Kollegen: Ganze sieben bis 11 Prozent verdienen sie am Ende des Monats weniger, obwohl sie das gleiche Wissen und Know-how haben - oder sogar vielleicht noch mehr. Dennoch ist ihr Wissen und Können nicht in gleichem Maße anerkannt.


 
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Plädoyer für eine neue Anerkennungskultur

Problematisch ist dies vor allem beim Jobwechsel: Im Unternehmen selbst kann man zwar durch Hinzulernen und Übernehmen von Verantwortung aufsteigen - beim Wechsel in ein anderes Unternehmen zählt aber nach wie vor, was auf dem Papier steht. Fehlt dort der entsprechende Abschluss, ist alles im Arbeitsalltag gelernte Wissen leider egal. Jörg Dräger, der Vorstand der Bertelsmann Stiftung, fordert deshalb dringend eine neue Anerkennungskultur: Fähigkeiten, die "on the job" erworben werden, müssten stärker anerkannt und auch formal unterqualifzierten Arbeitskräften die Chance auf einen erfolgreichen Unternehmenswechsel gegeben werden.

Die gesamte Studie mit allen weiteren Ergebnissen kannst du hier nachlesen.

Die Autorin: Jana Schütt

Die Autorin: Jana Schütt

1993 geboren. Aufgewachsen in einem Dorf in Niedersachen zwischen Kühen und katastrophalen Busverbindungen – gelandet in der zweitgrößten Stadt Deutschlands. Dann ging es für Jana erstmal ab in die Werbung, als Texterin arbeiten. Inzwischen ist sie an der Uni Hamburg, um etwas über Soziologie und Medien- und Kommunikationswissenschaften zu lernen. Die Pointer-Autorin mag kein Gemüse, Kartoffelchips findet sie aber voll okay. Größter Traum: Niklas Luhmann auf einen Pfefferminztee treffen.

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Links

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