Gender Pay Gap

Frauen verdienen weitaus weniger als Männer

published: 15.03.2018

In Deutschland verdienen Frauen im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer (Foto: Festa/Shutterstock.com) In Deutschland verdienen Frauen im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer (Foto: Festa/Shutterstock.com)

Die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen schrumpft in Deutschland nicht. Und so sieht die trostlose Realität hierzulande aus: Nach wie vor verdienen Frauen durchschnittlich über ein Fünftel weniger als Männer. Wie das Statistische Bundesamt anlässlich des des Equal Pay Day am 18. März ermittelte, blieb der allgemeine Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern – also der unbereinigte Gender Pay Gap – 2017 im Vergleich zum Vorjahr unverändert. Frauen erhalten bei einem durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von 16,59 Euro 21 Prozent weniger als Männer, die 21,00 Euro einstreichen.
 


Im Westen ist der Unterschied größer

Interessant dabei: Nach wie vor bestehen deutliche Unterschiede zwischen Ost und West. Der unbereinigte Gender Pay Gap ist im alten Bundesgebiet im Jahr 2017 um einen Prozentpunkt auf 22 Prozent gesunken, während er in den neuen Ländern mit 7 Prozent unverändert blieb. Über einen längeren Zeitraum betrachtet, zeigt sich ein langsamer aber stetiger Rückgang des unbereinigten Gender Pay Gap.
 


Was sind die Gründe?

Die wichtigsten messbaren Gründe für den unbereinigten Gender Pay Gap sind offenbar struktureller Art: Frauen und Männer sind oft in unterschiedlichen Branchen und Berufen tätig. Zudem sind Frauen seltener in Führungspositionen anzutreffen. Sie arbeiten auch vermehrt in Teilzeit. Um diese Strukturen aufzubrechen, braucht es wohl vielfältige Ansätze. Den Unterschieden in der Berufswahl liegen sicherlich auch starre Vorstellungen von Geschlechterrollen zugrunde, die seit frühester Kindheit und Jugend gesellschaftlich vermittelt werden.
 


Weniger Geld auch bei gleicher Qualifikation

Durch die genannten Ursachen können rund drei Viertel des Unterschieds in den durchschnittlichen Bruttostundenverdiensten erklärt werden. Das verbleibende Viertel des Verdienstunterschieds entspricht dem bereinigten Gender Pay Gap. Demnach verdienten Arbeitnehmerinnen im Durchschnitt auch unter der Voraussetzung vergleichbarer Tätigkeit und äquivalenter Qualifikation im Jahr 2014 pro Stunde 6 Prozent weniger als Männer. Eine schreiende Ungerechtigkeit, oder?
 


Hintergrund

Der Gender Pay Gap ist die Differenz des durchschnittlichen Bruttostundenverdienstes der Männer und Frauen im Verhältnis zum Bruttostundenverdienst der Männer. Es stehen dabei zwei Indikatoren mit unterschiedlicher Intention zur Verfügung: Der unbereinigte Gender Pay Gap vergleicht den Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmer beziehungsweise Arbeitnehmerinnen in allgemeiner Form miteinander. Mithilfe des unbereinigten Gender Pay Gap wird auch der Teil des Verdienstunterschieds erfasst, der durch schlechtere Zugangschancen von Frauen hinsichtlich bestimmter Berufe oder Karrierestufen verursacht wird, die möglicherweise ebenfalls das Ergebnis benachteiligender Strukturen sind. Der bereinigte Gender Pay Gap hingegen misst den Verdienstabstand von Männern und Frauen mit vergleichbaren Qualifikationen, Tätigkeiten und Erwerbsbiografien. Aufgrund umfassenderer Datenanforderungen kann der bereinigte Gender Pay Gap nicht jährlich, sondern nur alle vier Jahre ermittelt werden. Willst du wissen, wie der Gender Pay Gap im Rest der Europäischen Union aussieht? Hier geht es zu den Daten.

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Die Autorin: Heike Kevenhörster

Spaziergängerin, Köchin, Krimi-Fan. Die Redaktionsleiterin von Pointer wuchs in der RASTA-Stadt Vechta auf, studierte anschließend in Hamburg und London. Sie liebt Japan, Lebkuchen, Musik auf Vinyl, Judith Butler, James Brown, die 20er- und 60er-Jahre, Mod-Kultur und Veggie-Food.

Mehr

Nicht mehr als zwei Liter Bier pro Woche
Bayern trifft auf Real Madrid
Bedenkenlos Spargel essen

Links

Gender Pay Gap in der EU

Das könnte dich auch interessieren:

Hochschulkarte

Suche

Mimadeo / shutterstock.com
Über 19.000 Studiengänge an 747 Hochschulstandorten
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung