Tipps fürs Bewerbungsgespräch

"Welche Stärken haben Sie?"

published: 26.03.2008

Um die Personalbeauftragte zu beeindrucken, sollte man bei einem Vorstellungsgespräch gut vorbereitet sein (Foto: shutterstock.com/pan_kung) Um die Personalbeauftragte zu beeindrucken, sollte man bei einem Vorstellungsgespräch gut vorbereitet sein (Foto: shutterstock.com/pan_kung)

Seit Tagen läuft Tina unkonzentriert durch die Wohnung. Ab und zu wirft sie einen Blick auf das Telefon. Als es endlich klingelt und die Personalchefin eines Freizeitparks sie zum Bewerbungsgespräch einlädt, kann sie ihr Glück kaum fassen.

Habt ihr mit eurem Bewerbungsschreiben die erste Hürde bis zum Vorstellungsgespräch überwunden, dürft ihr euch schon einmal auf die Schulter klopfen. Jetzt gilt es, den bestmöglichen Eindruck zu hinterlassen. Dabei kommt es nicht nur auf das nötige Hintergrundwissen an, sondern auch auf Auftreten und Styling. Die TK hat für euch Tipps zusammengetragen.

Detektivarbeit im Voraus
Vor dem Bewerbungsgespräch sieht sich Tina die Website des Unternehmens genau an. Glücklicherweise findet sie auch ein Interview mit dem Firmenschef in der örtlichen Lokalzeitung und ist sogleich auf dem neuesten Stand der Dinge. Natürlich ist es nicht immer möglich, so detaillierte Informationen im Voraus zu erhalten, allerdings sollte die Personalchefin bemerken, dass ihr euch gründlich mit dem Unternehmen auseinandergesetzt habt.

"Warum ausgerechnet ich?"
Das fragt sich auch das Unternehmen: Warum sollen wir ausgerechnet Tina einstellen? Die Uni-Absolventin hat Tourismus und Freizeitwirtschaft studiert und ist damit ideal für die freie Stelle im neu eröffneten Meeres-Themenpark geeignet. Sie hat sich bereits genau überlegt, warum sie den Anforderungen der Stellenanzeige entspricht und wie sie einen Gewinn für das Unternehmen darstellen könnte.

So erzählt sie von verschiedenen Praktika und beschreibt Projekte und Ehrenämter, bei denen sie im Laufe ihres Studiums mitgewirkt hat. Besonders, wenn das Unternehmen Mitarbeiter mit Erfahrung sucht, könnt ihr so punkten. Tina schwärmt auch von den exotischen Fischen, die sie in ihrem Aquarium zu Hause hegt und pflegt und erzählt, dass sie schon als Kind Sachbücher über die Unterwasserwelt regelrecht verschlungen hat. Neben ihrem regulären Studium hat sie als Gasthörerin auch einige Seminare in Meeresbiologie besucht.

Mut zur Lücke?
Wichtig ist, den eigenen Lebenslauf gut zu kennen. Tina grübelt: Wann war ich noch mal in den USA? Gibt es vergangene Jobs, die etwas mit der ausgeschriebenen Stelle zu tun haben? Und was habe ich eigentlich in dem Jahr zwischen Abitur und Studium gemacht? "Erst einmal vom Abitur erholt und entspannt" - dieser Satz kommt meistens nicht besonders gut an, auch wenn das der Wahrheit entspricht. Für Lücken in eurem Lebenslauf solltet ihr eine Erklärung parat haben und nicht überrascht ins Stottern geraten.

Habt ihr in der betreffenden Zeitspanne weder Praktika noch eine Backpacker-Reise durch Südostasien gemacht, sind die Antworten "Bewerbungen schreiben" und "auf dem Ausbildungsmarkt orientieren" sinnvoll und nachvollziehbar. Für frühere Unsicherheiten braucht ihr euch nicht zu schämen, sondern solltet ehrlich dazu stehen.

Fragen über Fragen
Natürlich lässt sich der Verlauf eines Bewerbungsgespräches nie vorhersehen, aber auf Standard-Fragen kann man sich vorbereiten. "Wie schätzen Sie Ihre Stärken und Schwächen ein?", ist beispielsweise ein Klassiker. Bei der Antwort braucht ihr nicht gleich zu privat zu werden. Betont am besten Talente, die zum angestrebten Berufsbild passen.

Vielleicht macht es euch besonderen Spaß, im Team zu arbeiten oder ihr seid schnell darin, kreative Ideen zu entwickeln. Das oberste Gebot lautet: keine falsche Bescheidenheit! Ihr solltet euer Licht nicht unter den Scheffel stellen, trotzdem aber ehrlich sein. Auch bei den Schwächen gilt es, bei der Wahrheit zu bleiben. Die Frage ist kniffelig und eure Antwort sollte keinen negativen, sondern eher einen sympathischen Eindruck hinterlassen. Die Personlachefin will testen, ob ihr in der Lage seid, euch selbstkritisch einzuschätzen. Denkt immer daran, dass kein Unternehmen den perfekten Super-Mitarbeiter erwartet, sondern mit menschlichen Schwächen rechnet, solange sie dem Job nicht schaden. Mit gründlicher Vorbereitung, ein wenig Selbstbewusstsein und Ehrlichkeit hinterlässt man meist einen guten Eindruck.

"Wo sehen Sie sich in 20 Jahren?"
Das ist eine gängige Frage, um herauszufinden, wie sehr sich der Bewerber mit dem Berufsbild und den eigenen beruflichen Zielen beschäftigt hat. Tina hat keine Ahnung, was sie in 20 Jahren genau machen wird, aber sie ist sich sicher, dass die Freizeitbranche das Richtige für sie ist. Sie erwähnt, dass sie sich beruflich weiterentwickeln will und erklärt, dass sich kaum ein Berufsfeld so schnell verändert wie dieses. Deshalb könne sie sich vorstellen, nach neuen interaktiven Konzepten zu suchen.

So genau und speziell müsst ihr aber gar nicht antworten. Es ist wichtig zu zeigen, dass ihr nicht im Stillstand verharren, sondern weiterlernen und euch entwickeln wollt. Auch Aufstiegspläne in eine höhere Position dürfen erwähnt werden - allzu ehrgeizige Ziele wirken jedoch arrogant oder einschüchternd.

Kleider machen immer noch Leute
Für das Bewerbungsgespräch sollte man passend gestylt sein. Das ist gar nicht so leicht, denn der Dresscode ist in jeder Firma anders. Ein dezentes, gepflegtes und ordentliches Aussehen dürfte aber überall gut ankommen. Die Turnschuhe solltet ihr zu einem solchen Anlass zu Hause lassen. Bei einem lockeren Kleinunternehmen ohne Business-Dresscode könnt ihr zwar auch im Anzug wie ein exotischer Vogel wirken, aber das ist eher die Ausnahme.

Fester Händedruck
Ein selbstbewusstes und freundliches Auftreten ist wichtig, auch wenn es in der Stresssituation schwerfällt. Ein fester Händedruck, bei dem man dem Gegenüber in die Augen sieht, hinterlässt einen positiven Eindruck. Auch die Körpersprache verrät viel über Unsicherheit oder Selbstbewusstsein. Es ist hilfreich, auf sein Gegenüber zu achten und sich an dessen Körperhaltung zu orientieren.

Statt sich schlaff in den Sessel plumpsen zu lassen, nimmt Tina aufrecht, aber entspannt Platz. Nervösem Herumspielen mit den Fingern versucht sie vorzubeugen, indem sie die Hände im Schoß verschränkt. Wie man auf andere wirkt, merkt man von alleine meist gar nicht. Ihr könnt es aber vor der Kamera, vor einem Spiegel oder mit Freunden überprüfen.

"Kein Kommentar!"
Auch für euren zukünftigen Arbeitgeber sind manche Themen tabu. Grundsätzlich darf euer Gesprächspartner nur nach Dingen fragen, die unmittelbar mit dem Beruf zusammenhängen. Nach dem Gesetz muss der Bewerber beispielsweise nicht auf Fragen nach seiner Konfession oder Parteizugehörigkeit antworten – es sei denn, er bewirbt sich bei einer religiösen Einrichtung bzw. einem politischen Unternehmen. Auch nach ethnischer Herkunft, sexueller Orientierung oder dem Gesundheitszustand darf nicht gefragt werden. Den Arbeitgeber geht es nichts an, ob ihr demnächst heiraten wollt, ob ihr schwanger seid, Kinderwünsche habt oder ob ihr euch in der Gewerkschaft engagiert. Sollte es doch einmal passieren, versucht, möglichst gelassen zu bleiben. Im Notfall darf hier offiziell gelogen werden.

[Marlene Hofmann]

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