Mobbing im Job

Wenn das Büro zur Hölle wird

published: 27.11.2008

Von Mobbing Betroffene fühlen sich einsam und ausgegrenzt (Foto: shutterstock/Peshkova) Von Mobbing Betroffene fühlen sich einsam und ausgegrenzt (Foto: shutterstock/Peshkova)

Den Einstieg ins Berufsleben hatte sich dieser Arbeitnehmer sicher anders vorgestellt. "Mein Problem ist mein Kollege, der schon seit 25 Jahren in der Firma arbeitet und mit dem ich zusammenarbeite. Ich bin seit knapp sechs Monaten in der Firma. Jetzt wird es langsam unerträglich. (...) Ich sehe genau, dass er sich wieder etwas Fieses für mich ausdenkt."

Dieser Beitrag aus einem Internet-Forum beschreibt das, was laut einer Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 11,3 Prozent aller Erwerbstätigen im Laufe ihres Arbeitslebens einmal erleben: Mobbing. Dabei sind gerade Berufseinsteiger leichte Opfer. Frischlinge, die eben noch im Hörsaal saßen, müssen sich im Berufsleben erst beweisen und in der ersten Zeit viel lernen. Wenn dann die Chemie mit den Kollegen nicht stimmt, kann aus gelegentlichen Sprüchen schnell Psychoterror werden, der den Einzelnen systematisch aus der Gemeinschaft der Kollegen ausgrenzt. Was können Betroffene tun? Die Techniker Krankenkasse gibt euch Tipps.

Mobbing

Der Begriff kommt aus dem Englischen: "to mob" bedeutet "anpöbeln" oder "angreifen". Anfang der 60er Jahre wurde er von dem berühmten Tierforscher Konrad Lorenz erstmals auf das Tierreich angewendet. Das Verhaltens-Muster ist aber schon seit den 20er Jahren bekannt: Damals wurden einige Arbeiter der General Electric Company unter Druck gesetzt, weil sie schneller arbeiteten als andere Akkord-Kräfte.

Sehr oft wird in Deutschland "von oben" gemobbt: In 40 Prozent der Fälle sind die Täter Personen, die in der betrieblichen Hierarchie höher platziert sind. In nur zwei Prozent der Fälle wird ein Vorgesetzter von seinen Untergebenen gemobbt. Nach aktuellen Schätzungen sind etwa 1.000.000 Deutsche betroffen. Auszubildende haben ein erhöhtes Risiko, von Mobbing betroffen zu sein.

Der Mobbing-Report hat errechnet, dass ausgerechnet in sozialen Berufen die Gefahr für Mobbing am höchsten ist. Auch in Unternehmen mit starken hierarchischen Strukturen wird mehr gemobbt. Eine Frage des Status oder gar der Bildung scheint das Phänomen nicht zu sein: Gemobbt wird in allen Berufsgruppen, Tätigkeitsbereichen und Hierarchiestufen.

Was ist Mobbing?
Nicht jeder Konflikt ist gleich Mobbing. Der Begriff ist längst zum Modewort avanciert und wird häufig unzutreffend verwendet. Der deutsch-schwedische Psychologe Heinz Leymann beschreibt Mobbing als "negative kommunikative Handlungen, die gegen eine Person gerichtet sind (von einer oder mehreren anderen) und die sehr oft und über einen längeren Zeitraum hinaus vorkommen und damit die Beziehung zwischen Täter und Opfer kennzeichnen."

Typisch für Mobbing im Job ist die Motivation, eine Kollegin oder einen Kollegen vom Arbeitsplatz verdrängen zu wollen. Dazu wird er ständig geärgert, schikaniert, lächerlich gemacht oder sonstwie in seiner Würde verletzt. Eine einheitliche Definition, auf die sich alle Wissenschaftler einigen können, gibt es nicht. Vielmehr stellen verschiedene Fachleute immer wieder ähnliche Gesichtspunkte heraus:

- Entscheidend ist, dass die Handlungen eine Systematik aufweisen und wiederholt vorkommen. Wer sich beschwert, weil der Kollege heute nicht gegrüßt hat, kann noch nicht von Mobbing sprechen. Auch geht es nicht um einzelne Handlungen, sondern um Verhaltensmuster, die starke Konfliktbereitschaft offenbaren.

- Zwischen den Beteiligten herrschen oft ungleiche Machtverhältnisse. Das bezieht sich nicht unbedingt auf die berufliche Position, es reicht auch, wenn viele gegen einen agieren.


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