Geldprobleme

Corona stürzt Studenten in finanzielle Not

published: 06.04.2020

Viele Studierende haben vor der Corona-Krise in der Gastronomie gejobbt. Viele von ihnen verdienen derzeit kein Geld, da viele Restaurants und Cafés geschlossen haben (Foto: Jazzmany / Shutterstock.com) Viele Studierende haben vor der Corona-Krise in der Gastronomie gejobbt. Viele von ihnen verdienen derzeit kein Geld, da viele Restaurants und Cafés geschlossen haben (Foto: Jazzmany / Shutterstock.com)

Viele der Branchen, in denen Studierende neben dem Studium Geld verdienen, liegen wegen der Corona-Krise brach. Ob Gastronomie oder Einzelhandel - nicht wenigen Studierenden wurde ihr Job gekündigt. Viele Studenten hatten dort Minijobs, mit denen sie sich beispielsweise etwas zum BAföG dazu verdienten. Der Verlust des Jobs bedeutet für sie große Einschnitte. Doch es gibt auch Studis, die ganz ohne BAföG oder elterliche Hilfen studieren. Als Werkstudenten, Midijobber oder Selbstständige finanzieren sie ihr Studium eigenständig. Jetzt stehen sie häufig vor dem Nichts - und der Frage, welche Hilfen sie in Anspruch nehmen können.
 

Tweet

Aktivierung erforderlich
Nach deiner Zustimmung werden alle Tweets von Twitter auf www.pointer.de aktiviert. Wir weisen dich darauf hin, dass dann Daten an Twitter übermittelt werden. Du kannst dies auf der Datenschutzseite rückgängig machen.

Datenschutz


Manal (28) hatte eine Werkstudentenstelle, im Rahmen derer sie 20 Stunden pro Woche arbeitete. Der Betrieb hat die Angestellten in Kurzarbeit geschickt. Sie erhielt die Kündigung zum Ende des Monats. Einen BAföG-Anspruch hat sie nicht. Zudem zahlt sie bereits einen KfW-Kredit zurück. Ohne den Job sieht sie keine Möglichkeit, ihr Leben zu finanzieren. Weitere Kredite will die Studentin nicht aufnehmen. Mit Blick auf die Soforthilfen für Unternehmen und Solo-Selbstständige sagt sie: "Alle kriegen was geschenkt, und bei Studis tut man so, als hätte sie zuvor Monopolygeld verdient." Sie meint, es seien doch alle unverschuldet in die Situation geraten. "Die Politik nimmt Geld in die Hand wie gefühlt noch nie", so Banal weiter. "Als Studi verlange ich ja noch nicht mal viel: von mir aus ein Corona-BAföG und man zahlt dann später, wenn man richtiges Einkommen hat, die Hälfte zurück."
 

Tweet

Aktivierung erforderlich
Nach deiner Zustimmung werden alle Tweets von Twitter auf www.pointer.de aktiviert. Wir weisen dich darauf hin, dass dann Daten an Twitter übermittelt werden. Du kannst dies auf der Datenschutzseite rückgängig machen.

Datenschutz


Von solchen Vorschlägen ist in der Politik derzeit keine Rede. Die Hamburger Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank hat als Hilfe für Studierende ein zinsloses Darlehen von 400 Euro monatlich angekündigt. Dafür hat Manal nur Kopfschütteln übrig. Bei dreimonatiger Arbeitslosigkeit bedeute das 1200 Euro zusätzlicher Schulden - und das Geld reiche nichtmal für Miete und Krankenkassenbeitrag aus. Sie findet, auch Menschen ohne reiche Eltern hätten ein Recht darauf, sich selbst zu verwirklichen, und glaubt, dass viele Studis abbrechen werden, weil sie keine andere Möglichkeit sehen.




Immerhin: Das Hamburger Darlehen muss erst nach dem Studium zurückgezahlt werden. Ähnliches wünscht sich die Arbeitsgemeinschaft Niedersächsischer Studentenwerke. In einem Brief an den niedersächsischen Wissenschaftsminister Björn Thümler schlägt sie einen Nothilfefonds in Höhe von 19 Millionen Euro für Studierende der niedersächsischen Hochschulen vor. Studenten, die durch die Corona-Krise in eine finanzielle Notlage geraten sind, sollen damit schnell und unbürokratisch Hilfe von den Studierendenwerken erhalten.
 

Instagram Post

Durch die Corona-Krise sind viele von euch unverschuldet in Not geraten. Rund 49.000 Studierende in Niedersachsen müssen nebenbei arbeiten, um über die Runden zu kommen. Viele dieser Jobs, z. B. in der Gastronomie und im Einzelhandel sind jetzt weggebrochen. Deshalb haben die wir, die niedersächsischen Studentenwerke, Wissenschaftsminister Björn Thümler jetzt vorgeschlagen, für Niedersachsen einen Nothilfefonds in Höhe von 19 Mio. € aufzulegen. Das entspricht 385 € pro besonders bedürftigem Studierenden. Das Geld sollte, laut Vorschlag der Arbeitsgruppe, von den Studentenwerken ausgezahlt werden, da diese nah an den Studierenden sind. Und das möglichst unbürokratisch, denn schnelle Hilfe ist jetzt besonders wichtig. Wir halten euch auf dem Laufenden! #andeinerseite #stwon #corona #niedersachsen

— studentenwerk.on March 27, 2020

Aktivierung erforderlich
Nach deiner Zustimmung werden alle Instagram-Posts auf www.pointer.de aktiviert. Wir weisen dich darauf hin, dass dann Daten an Instagram übermittelt werden. Du kannst dies auf der Datenschutzseite rückgängig machen.

Datenschutz


Der 31-jährige Jakob (Name von der Redaktion geändert), hat Arbeitslosengeld II, im Volksmund Hartz IV, beantragt. Das Einkommen des Hamburger Studenten kam bisher durch einen Minijob und seine relativ erfolgreiche Band zustande. Die Tätigkeit in einem Musikclub auf dem Kiez wurde ihm gekündigt und das Geld, das noch durch die Band reinkommt, reicht nicht aus. Der Mindestbeitrag für seine Krankenkasse liegt allein schon bei 195 Euro im Monat, da er altersbedingt nicht mehr für die studentische Krankenversicherung in Frage kommt. Er sagt, der Band gehe es verhältnismäßig gut. Besser als den meisten Bands, denn nur die wenigsten Künstler verdienten mit ihrer Kunst überhaupt Geld. Dennoch sei das, was dabei herumkomme, deutlich weniger als das, was durchschnittliche Angestellte verdienen.
 

Tweet

Aktivierung erforderlich
Nach deiner Zustimmung werden alle Tweets von Twitter auf www.pointer.de aktiviert. Wir weisen dich darauf hin, dass dann Daten an Twitter übermittelt werden. Du kannst dies auf der Datenschutzseite rückgängig machen.

Datenschutz


Auch ausländische Studierende trifft die derzeitige Krise besonders hart. Der Bundesverband ausländischer Studierender (BAS) wandte sich daher in einem Brief an die Wissenschaftsminister aller Länder. Die Studierenden aus dem Ausland seien teilweise doppelt betroffen: durch die eigene Situation und die Situation der Eltern, deren Notlagen in besonders betroffenen Ländern wie China oder Italien noch bedrückender seien. Auch der BAS fordert die Einrichtung eines Nothilfefonds. Hinsichtlich der Finanzierung will der Verband zudem, dass der Zugang zum BAföG ermöglicht wird.
 

Tweet

Aktivierung erforderlich
Nach deiner Zustimmung werden alle Tweets von Twitter auf www.pointer.de aktiviert. Wir weisen dich darauf hin, dass dann Daten an Twitter übermittelt werden. Du kannst dies auf der Datenschutzseite rückgängig machen.

Datenschutz


Die Bundesregierung verweist Studierende derweil hauptsächlich auf die Möglichkeit des BAföG. In der Tat kann dies zumindest für jene Studierenden eine Option sein, deren Eltern zuvor zu viel verdienten, nun aber wegen Jobverlust oder Kurzarbeit weniger oder keinen Unterhalt mehr leisten können. In manchen Fällen könne auch ein Antrag auf Arbeitslosengeld II gestellt werden. Wer nicht BAföG-berechtigt ist, kann laut Bundesregierung mit dem Ablehnungsbescheid Wohngeld beantragen.
 

Instagram Post

▶️ Studierende, deren Eltern durch die Corona-Pandemie ihren Job verloren haben oder durch Kurzarbeit weniger oder keinen Elternunterhalt mehr leisten können, können einen Aktualisierungsantrag (Formular 7) für BAföG stellen. Dann wird das aktuell niedrigere Einkommen der Eltern zugrunde gelegt und nicht mehr dasjenige des vorletzten Kalenderjahrs. Die Chancen, mehr BAföG zu bekommen, steigen erheblich. ▶️ Studierende, die ihren Nebenjob verloren haben, sollten ebenfalls über einen BAföG-Antrag nachdenken. Besonders, wenn bisher lieber gejobbt wurde, als eine vermeintlich geringe BAföG-Förderung abzurufen. Formulare findet ihr auf unserer Webseite. Dort beantworten wir euch viele Fragen rund um BAföG und Studienfinanzierung während der Pandemie. #bafög #ausbildungsförderung #geld #finanzierung #gehalt #studienfinanzierung #finanzen #money #studiereninsh #studentenleben #corona #studentenwerksh #wirsinddeinrückenwind

— studentenwerksh March 26, 2020

Aktivierung erforderlich
Nach deiner Zustimmung werden alle Instagram-Posts auf www.pointer.de aktiviert. Wir weisen dich darauf hin, dass dann Daten an Instagram übermittelt werden. Du kannst dies auf der Datenschutzseite rückgängig machen.

Datenschutz


Ansonsten rät die Bundesregierung dazu, sich nach einem anderen Nebenjob umzusehen. Ob Gesundheitswesen, Einzelhandel oder Landwirtschaft - Studierende würden in diesen Bereichen derzeit händeringend gesucht. Manal und Jakob haben bereits diverse Bewerbungen abgeschickt.

Der Autor: Hauke Koop

Der Autor: Hauke Koop

In Lüneburg geboren und aufgewachsen, zog es Hauke für die Ausbildung nach Hamburg. Im Anschluss begann er in der Hansestadt ein Studium der Politikwissenschaft. Der Cineast und Serienjunkie fährt gerne lange Strecken mit dem Fahrrad und findet Radrennen auch im Fernsehen spannend. Für Pointer schreibt er unter anderem über Filme, Musik und aktuelle (Uni-) Themen.

Mehr

Uni warnt Studenten vor absichtlicher Corona-Infektion
Gebackene Portobello-Pilze mit Spinat-Tomatenfüllung
Präsentationen: Powerpoint und kostenlose Alternativen

Gefällt's? Teile es.

Das könnte dich auch interessieren:

Services
Service

Hochschulkarte

Suche

Mimadeo / shutterstock.com
Über 19.000 Studiengänge an 747 Hochschulstandorten
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung