Erfahrungen von Studenten

Praktika in Zeiten von Corona

published: 21.04.2020

Was erleben Studenten, die in Zeiten der Corona-Pandemie ein Praktikum machen? Pointer hat mit einigen gesprochen (Foto: fizkes/Shutterstock.com) Was erleben Studenten, die in Zeiten der Corona-Pandemie ein Praktikum machen? Pointer hat mit einigen gesprochen (Foto: fizkes/Shutterstock.com)

Die Corona-Krise wirkt sich nicht nur auf die Planung des Sommersemesters aus. Für viele Studentinnen und Studenten, die im Moment ein Praktikum absolvieren, hat die Pandemie einiges bei ihrer Arbeit geändert. Wie sich die aktuelle Situation auf die Praktika auswirkt, wie zufrieden die Studierenden in den Betrieben sind und ob sie trotz allem von ihrem Praktikum profitieren, erfährst du bei Pointer.

Praktikum im Home-Office

Wie viele andere Arbeitnehmer müssen auch Praktikanten in den meisten Unternehmen aktuell von zuhause aus arbeiten. Für Praktikanten, die besonders zu Beginn ja meist auf die Betreuung durch erfahrene Mitarbeiter angewiesen sind, bringt die Arbeit in den eigenen vier Wänden Schwierigkeiten mit sich. Der Psychologie-Student Markus hat dies direkt am Anfang seines sechs-monatigen Praktikums kennengelernt. Nur zwei Wochen, nachdem er seine Tätigkeit im einer Agentur für Marktforschung begonnen hatte, wurde die komplette Abteilung ins Home-Office geschickt. "Zwei Wochen für die Einarbeitung sind natürlich extrem kurz", sagt Markus. Er habe es in dieser Zeit trotzdem geschafft, sich zumindest einen groben Überblick zu verschaffen, sodass er jetzt an den Projekten mitwirken könne. Er findet im Home-Office besonders die Kommunikation schwierig, da diese aus seiner Sicht jetzt viel zeitintensiver ist. "Eine kleine Erklärung, die man sonst im Büro zwischendurch erhalten hätte, kann im Home-Office nicht so leicht stattfinden" meint er. Stattdessen brauche es aufwändigen E-Mail-Verkehr und Telefonate, um Aufgaben zu verteilen und Fragen zu klären.
 

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Erschwerte Kommunikation

Probleme in Bezug auf den Austausch mit anderen Mitarbeitern nimmt auch der 21-jährige Leon wahr. Er studiert Kommunikationsmanagement im sechsten Semester und hat daher solche Abläufe besonders gut im Blick. Die Kommunikation mit den Kollegen falle zwar etwas schwerer als sonst, laufe aber auch organisierter ab, meint er. Der Praktikant in der Kommunikationsabteilung eines großen Automobilkonzerns sieht auch die guten Seiten der Veränderungen. "Wir ziehen alle an einem Strang und versuchen, darauf zu achten, dass wir alle mit ausreichend Informationen ausgestattet sind und niemand hintenüberfällt", sagt Leon. Wenn sich also erstmal alle an die neue Situation gewöhnt haben, kann die Corona-Krise also auch positive Effekte zeigen. Ein solcher Umgang mit der Situation im Home-Office gelingt jedoch nicht allen Unternehmen.

Die Journalismus-Studentin Jana (Studiengang und Name geändert) macht momentan ein Praktikum bei einer regionalen Tageszeitung und ist mit der Kommunikation im Home-Office nicht so zufrieden. Es laufe alles eher schleppend. Der Kontakt über E-Mail und Telefon könne den direkten Kontakt nicht ersetzen. Hinzu kommt, dass für sie oft unklar ist, an wen sie sich als Praktikantin mit Fragen oder eigenen Ideen wenden soll. Die persönliche Betreuung der Praktikanten fällt in der Corona-Krise offenbar oft weg, was dazu führt, dass die Praktikanten häufiger auf sich allein gestellt sind. "Man muss sich selber darum kümmern, dass man Aufgaben bekommt", sagt die 20-Jährige. Ansonsten sitze man im Home-Office und habe nicht wirklich etwas zu tun.

Eine solche Situation wollen die meisten Praktikanten unbedingt vermeiden. Eine ähnliche Veränderung in den Arbeitsabläufen hat der Psychologie-Student Markus beobachtet. Er sieht die Situation jedoch auch als Chance für eine selbstständigere Arbeitsweise. "Ich muss jetzt deutlich eigenständiger arbeiten, mir häufig neue Aufgaben suchen und selber antizipieren, was jetzt im Projekt der nächste Schritt wäre und diesen schon machen". Es würde ewig dauern, wenn jeder Zwischenschritt erneut telefonisch abgesprochen werden müsste. "So gesehen, kann ich an der Situation auch wachsen", meint Markus.
 

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April 14, 2020

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Isolation in der eigenen Wohnung

Viele Studierende erhoffen sich von ihrem Praktikum eine Abwechslung zum Unialltag und den vielen Stunden vor dem PC. Jetzt im Home-Office können diese Erwartungen nicht erfüllt werden. Auch dem 21-jährigen Markus stört in dieser neuen Situation besonders, dass er für sein Praktikum seine Wohnung nicht verlassen kann. Die soziale Interaktion mit den Kollegen fehlt ihm sehr, und die Arbeit in der eigenen Wohnung gefällt ihm nicht besonders. Anders geht es da Charlotte. Die 22-Jährige studiert Bioingenieurwesen im sechsten Semester und absolviert momentan ein Praktikum in einem Labor, das für die Untersuchung von Trinkwasser zuständig ist. Da in diesem Bereich eine Verlegung der Arbeit ins Home-Office nicht möglich ist, geht Charlotte weiterhin normal zur Arbeit. "Ich bin froh, jeden Tag etwas zu tun zu haben und auch das Haus zu verlassen, da es mehr Abwechslung bedeutet", sagt die Studentin. Während das Sommersemester wohl weitgehend digital stattfindet, kann ein Praktikum in bestimmten Bereichen also auch die Chance auf einen zumindest ansatzweise normalen Berufsalltag bedeuten.
 

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— aaaa_a0210_a0210 March 31, 2020

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Vom Praktikum profitieren

Für viele Praktikanten ist es sicherlich eine große Enttäuschung, ihr Praktikum nicht im Unternehmen, sondern am eigenen Schreibtisch zu absolvieren. Doch auch in dieser Situation kannst du von deinem Praktikum profitieren und Erfahrungen sammeln. Der 21-jährige Leon sieht auch aus dieser Perspektive das Positive an der Ausnahmesituation. "Die Gelegenheit, Unternehmen in Krisen zu erleben, ist selten. Umso erfahrungsreicher ist diese Situation". Wegen der Einschränkungen sei momentan nicht der Einblick in alle Arbeitsbereiche möglich, gibt Charlotte zu bedenken. Aber die Studentin weiß den Überblick über das Berufsfeld trotzdem zu schätzen und muss bei ihrer Tätigkeit im Labor auf den Kontakt zu ihren erfahrungsreichen Kollegen nicht verzichten. Der Psychologie-Student Markus sieht sogar ganz neue Chancen in der aktuellen Praktikumssituation. Er lerne im Home-Office viel besser, sich seine Zeit selbstständig einzuteilen und auf Probleme eigenständig zu reagieren. Auch die Journalismus-Studentin Jana (Studiengang und Name geändert) ist der Meinung, selbst im Home-Office könne sie wertvolle Erfahrungen für das Berufsleben sammeln. Dennoch ist sie froh, dass sie vor den Kontaktbeschränkungen bereits einige Wochen in der Redaktion verbracht hat. So habe sie beide Situationen erlebt und könne dadurch auch von den Veränderungen profitieren.
 

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Praktikum wegen der Corona-Krise beenden

Nicht alle Unternehmen haben ihre Praktikanten ins Home-Office geschickt. Aufgrund der aktuellen Situation wurden einige Praktika vorzeitig beendet oder pausiert. Auch bei Charlottes Praktikumsstelle kam die Überlegung auf, die Praktikanten vorerst nach Hause zu schicken. "Da ich mich in einem Pflichtpraktikum befinde und durch meine Arbeit im Labor kein Home-Office machen kann, hätte ich die verlorene Zeit nach der Krise nachholen müssen", sagt die 22-Jährige. Daher freut sich die Studentin umso mehr, dass sie ihr Praktikum regulär fortsetzen kann. Dieses Vorgehen empfiehlt auch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS). Aus einem "wichtigen Grund", der individuell zu beurteilen sei, kann ein Praktikum laut BMAS vorzeitig beendet werden. Dennoch "sollte eine betriebliche Einstiegsqualifizierung möglichst nicht abgebrochen werden, wenn der Teilnehmende im Zusammenhang mit der Corona-Krise vorübergehend nicht im Betrieb beschäftigt werden kann", so eine Sprecherin des Ministeriums. Stattdessen könnte eine Unterbrechung oder Freistellung "unter Fortzahlung der Vergütung" die Lösung sein, wenn beispielsweise der Betrieb eines Unternehmens vorübergehend eingestellt werden muss.

Bei einer Verkürzung oder Unterbrechung des Praktikums können Studenten Schwierigkeiten bei der Anerkennung von Seiten der Universitäten bekommen, wenn es sich um ein Pflichtpraktikum handelt. Laut BMAS "obliegt es der Hochschule zu beurteilen, ob die Anforderungen erfüllt wurden oder nicht". Wenn du in dieser Situation bist, sprich am besten mit dem Koordinator deines Studiengangs, damit dein Pflichtpraktikum möglichst irgendwie anerkannt werden kann und dir keine Nachteile entstehen. Wenn du mehr über die Arbeit im Home-Office und die rechtlichen Fragen wissen willst, kannst du auf der Informationsseite "Arbeiten in der Corona-Krise" der "Initiative neue Qualität der Arbeit" vorbeischauen. Dort findest du Beiträge von Experten, die sich unter anderem mit gesundheitlichen und rechtlichen Aspekten des Home-Office beschäftigen.


 
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Die Autorin: Hannah Reuter

Die Autorin: Hannah Reuter

Hobbyköchin, Schoko-Junkie, Ordnungsfreak: In Hannover geboren und aufgewachsen, unternahm Hannah nach dem Abi eine Interrailreise quer durch Europa. Anschließend zog sie der Traum vom Journalismus in die Medienstadt Hamburg, wo sie seit 2018 Politikwissenschaft studiert. Sie liebt es zu reisen, erkundet momentan aber vor allem ihre Wahlheimat. Für Pointer schreibt Hannah über Themen rund ums Studium und den Uni-Alltag.

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