Studie

Migranten sind oft systemrelevant und prekär beschäftigt

published: 31.05.2020

Viele Migranten in Deutschland sind in systemrelevanten Berufen prekär beschäftigt (Foto: VGstockstudio/Shutterstock.com) Viele Migranten in Deutschland sind in systemrelevanten Berufen prekär beschäftigt (Foto: VGstockstudio/Shutterstock.com)

Seit der Corona-Krise gelten bestimmte Berufe, ohne die unser Gemeinwesen nicht funktioniert, als "systemrelevant". Das Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) hat in einer neuen "Research Note" untersucht, wie viele Menschen mit Migrationshintergrund solche Berufe ausüben. Das Ergebnis: Rund ein Viertel aller Menschen, die in systemrelevanten Berufen arbeiten, haben einen Migrationshintergrund. Das entspricht ihrem Anteil an der erwerbstätigen Bevölkerung in Deutschland. In bestimmten systemrelevanten Berufen sind Menschen mit Migrationshintergrund aber überdurchschnittlich stark vertreten. Das gilt insbesondere für den Dienstleistungs- und Pflegebereich, für Reinigungsberufe und die Altenpflege, für Post und Zustellung sowie die Fahrzeugführung im Straßenverkehr. Die Mehrheit der Beschäftigten mit Migrationshintergrund in diesen Berufen ist zudem im Ausland geboren und erst später eingewandert.

Dass Migrantinnen und Migranten häufiger prekär beschäftigt sind als andere Arbeitnehmer, ist bereits aus früheren Studien bekannt. Die DeZIM-Untersuchung zeigt erstmals, dass dies in systemrelevanten Berufen noch häufiger der Fall ist als in anderen Berufen. Die Forscher machen vor allem zwei Gründe dafür verantwortlich: Migranten, die nach Deutschland eingewandert sind, haben schlechtere Startbedingungen. Außerdem wurden insbesondere in systemrelevanten Berufen in den vergangenen Jahren unsichere Arbeitsverhältnisse geschaffen.
 

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"Menschen mit Migrationshintergrund tragen genauso viel dazu bei, unser Gemeinwesen aufrechtzuerhalten, wie die Mehrheit der Bevölkerung", sagt Sabrina Mayer, Leiterin des Clusters "Daten - Methoden - Monitoring" am DeZIM-Institut und Mit-Autorin der Studie. "In systemrelevanten Berufen sind aber gerade Migrant*innen häufiger prekär beschäftigt. Das ist eine gesellschaftliche Schieflage".

Um dies zu ändern, empfiehlt das Institut, Migrantinnen und Migranten den Start in den deutschen Arbeitsmarkt zu erleichtern. Außerdem sollte der Niedriglohnsektor wieder stärker eingegrenzt werden. Das gilt insbesondere für systemrelevante Berufe. Davon würden Migranten stark profitieren. "Das Beispiel zeigt: Eine gute Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik ist eine gute Integrationspolitik – und umgekehrt", sagt Prof. Frank Kalter, Direktor des DeZIM-Instituts. "Beide sind gerade in Krisenzeiten wichtig. Denn Migranten in systemrelevanten Berufen halten unser Gemeinwesen aufrecht." Die Research Note "Systemrelevant und prekär beschäftigt: Wie Migrant*innen unser Gemeinwesen aufrechterhalten" wurde von Samir Khalil, Almuth Lietz und Sabrina Mayer verfasst.

[PA]

Links

Zur Studie
Das Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) im Web

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