Geflüchtete sehen sich am Arbeitsplatz, in der Berufsschule und bei der Wohnungssuche oft mit Rassismus konfrontiert, der sie belastet und ihre Integration gefährdet. Das hat die Universität Tübingen in einer neuen Studie herausgefunden (Foto: Dusan Petkovic/ Shutterstock) Geflüchtete sehen sich am Arbeitsplatz, in der Berufsschule und bei der Wohnungssuche oft mit Rassismus konfrontiert, der sie belastet und ihre Integration gefährdet. Das hat die Universität Tübingen in einer neuen Studie herausgefunden (Foto: Dusan Petkovic/ Shutterstock)
Neue Studie

Alltagsrassimus behindert die Integration von Geflüchteten

Auf dem Arbeitsmarkt erschweren Rassismus und Diskriminierung den Alltag von Geflüchteten. Auch bei der Wohnungssuche sorgen Rassismuserfahrungen dafür, dass Betroffene länger als nötig in Flüchtlingsunterkünften leben müssen. Zu diesen Ergebnissen kommt die politikwissenschaftliche Studie "Ganz unten in der Hierarchie. Rassismus als Arbeitsmarkthindernis für Geflüchtete" der Universität Tübingen. Das Team der Studie hat 64 Interviews mit Geflüchteten, Behörden, Beratungsstellen, Ehrenamtlichen und Gewerkschaften in sechs Regionen Deutschlands geführt. Die Betroffenen berichteten immer wieder von Rassimuserfahrungen in Berufsschulen, Betrieben, bei Behörden und während der Wohnungssuche. Sie beschrieben, inwiefern sie diese Situationen belasteten.

In bisherigen öffentlichen Diskussionen zum Thema Integration auf dem Arbeitsmarkt ging es selten um Rassismus als Hindernis des Prozesses. Vielmehr standen Sprachkenntnisse, Qualifikationen, bürokratische Hürden oder Probleme mit dem Aufenthaltsstatus im Vordergrund. In den Interviews der Studie sprachen nun die Einzelnen über ihre persönlichen Erfahrungen. Es zeigte sich, dass Rassismus im Alltag ein großes Integrationshindernis sein kann. Die Befragten berichteten von abfälligen Bemerkungen, Pöbeleien und Ausgrenzung bis hin zu handfesten Auseinandersetzungen.
 


Studienautor Nikolai Huke weist in einer Pressemitteilung der Uni Tübingen darauf hin, dass in der Berufsschule die Diskriminierung auch zu psychosomatischen Beschwerden und Schulabbrüchen führen könne. "In Behörden erschweren Vorurteile und fehlende Sprachkenntnisse den Geflüchteten immer wieder Zugang zu Unterstützungsleistungen", so Huke weiter. Sie seien dann von externer Unterstützung durch Ehrenamtliche abhängig.

Bei der Wohnungssuche berichteten die Geflüchteten ebenfalls von Schwierigkeiten. Sie mussten dadurch häufig für längere Zeit weiterhin in einer Flüchtlingsunterkunft leben. Dort gebe es keine Rückzugsräume zum Lernen, was eine zusätzliche psychische Belastung darstelle.
 


"Eigentlich sind Migration und Herkunftsverschiedenheit in den meisten Betrieben normaler Alltag. Die betriebliche Sozialintegration von Geflüchteten verläuft in der Regel konfliktarm", sagt Huke. Die Rassismuserfahrungen erschwerten den Prozess aber in diesem und anderen Lebensbereichen. Der Verlust der Ausbildungs- oder Arbeitsstelle gefährde außerdem unter Umständen das Arbeits- oder Aufenthaltsrecht. Deswegen sei es für Betroffene oft noch schwieriger, sich gegen Rassismus in der Schule oder im Betrieb zu wehren.
 


Die Studie schlägt vor, als Hilfestellung für Geflüchtete professionelle Antidiskriminierungs- und Rechtsberatungsstellen aufzubauen, eine ehrenamtliche Betreuung zu organisieren und in Betrieben und Schulen noch mehr auf das Thema einzugehen. Die Studie ist Teil des Projekts "Willkommenskultur und Demokratie in Deutschland", das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird. Sie wird in Kooperation mit der Initiative Pro Asyl und der Gewerkschaft IG Metall herausgegeben.

[PA]

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