Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass die Arbeit vieler Menschen vernetzter und digitaler geworden ist - doch nicht für alle. Eine Studie zeigt, wie Corona zu einer neuen digitalen Spaltung der Arbeitswelt beiträgt (Foto: Rawpixel.com) Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass die Arbeit vieler Menschen vernetzter und digitaler geworden ist - doch nicht für alle. Eine Studie zeigt, wie Corona zu einer neuen digitalen Spaltung der Arbeitswelt beiträgt (Foto: Rawpixel.com)
Studie

Corona führt zu einer digitalen Spaltung der Arbeitswelt

In der Corona-Pandemie nutzen viele Menschen die digitalen Technologien häufiger als zuvor. Mit dem Homeoffice und dem Kommunizieren per Telefon- oder Videokonferenzen kommt es zu einem Digitalisierungsschub - dieser fällt aber sehr unterschiedlich aus. Inwiefern Corona zu einer digitalen Spaltung der Arbeitswelt beiträgt, zeigt die Auswertung der Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), des Leibniz-Instituts für Bildungsverläufe (LIfBi) und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Untersuchung beruht auf den Daten der Corona-Zusatzbefragung des Nationalen Bildungspanels (NEPS), bei der rund 1.800 Beschäftigte, die vor Februar 2020 erwerbstätig waren, zu ihrer Nutzung der digitalen Technologien befragt wurden.
 


Rund 50 Prozent aller Befragten gaben an, dass sie die digitalen Technologien im Zeitraum von Februar 2020 bis Juni 2020 häufiger nutzten als zuvor. 44 Prozent verwendeten diese in gleichem Maße wie vor dem Beginn der Pandemie. Der Digitalisierungsschub steht damit in eindeutiger Verbindung zu der Pandemie. Dabei ist aber zu beachten, dass dieser nicht für alle Erwerbstätige gleich stark ausfiel. Das Bildungsniveau, der Tätigkeitsbereich und die mögliche Verlagerung des Arbeitsplatzes sind wichtige Faktoren.

Im Zusammenhang mit der Verlagerung des Arbeitsortes ins Homeoffice zeigte sich, dass Beschäftigte, die von zuhause aus arbeiteten, die digitalen Technologien deutlich häufiger nutzen, also solche, die weiterhin zur Arbeit gingen. Während 73 Prozent der Beschäftigten aus dem Homeoffice von einer Zunahme berichteten, waren es bei denjenigen, die nicht von zuhause aus arbeiten konnten, nur rund 38 Prozent. Die Wissenschaftler fanden den gravierendsten Unterschied des Digitalisierungsschubs im Zusammenhang mit dem Arbeitsort.
 


Die Auswertung der Studie zeigt zudem, dass der Digitalisierungsschub nicht in jedem Tätigkeitsfeld gleich stark ausfällt. Das Bildungsniveau und vor allem der Tätigkeitsbereich spielten eine besondere Rolle bei der verstärkten Vernetzung und Nutzung von digitalen Technologien. Fast 57 Prozent aller Erwerbstätigen mit Hochschulabschluss gaben an, die digitale Technologien häufiger zu nutzen als zuvor. Für Beschäftigte ohne Hochschulbildung trifft das nur für 49 Prozent der Befragten zu.

Im Zusammenhang mit den Tätigkeitsfeldern zeigte sich, dass Beschäftigte mit stark analytischen und interaktiven Tätigkeiten im Job, den Digitalisierungsschub deutlich bemerkten. Menschen, für die Schreiben, Lesen, Rechnen und IT-Kenntnisse hoch relevant sind und die einen hohen Kundenkontakt haben, berichteten, die digitalen Technologien in Verbindung mit der Pandemie häufiger zu nutzen. Während 63 beziehungsweise 70 Prozent der Befragten aus diesen Tätigkeitsbereichen von einem Zuwachs an Digitalisierung berichteten, waren es bei Erwerbstätigen in stark manuell geprägten Jobs, bei denen körperliche Anstrengungen nötig sind, nur 29 Prozent. Die Schere geht hier weit auseinander.
 


Prof. Dr. Corinna Kleinert, eine Autorin des Berichts, sagte in der Pressemitteilung des LIfBis, dass sich diese neue digitale Spaltung der Erwerbsbevölkerung seit dem Frühjahr 2020 noch weiter verschärft haben dürfte. Sie ist Professorin für Soziologie mit dem Schwerpunkt längsschnittliche Bildungsforschung an der Universität Bamberg und forscht am Leibniz-Institut für Bildungsverläufe. Sie sagte in Bezug auf die Studienauswertung weiter, dass die vernetzen Technologien zunehmend für die berufliche Weiterbildung genutzt würden. Deshalb gehe sie davon aus, dass der kompetente Umgang dieser Arbeitswerkzeuge künftig eine wachsende Bedeutung haben werde. "Der durch die Corona-Krise ausgelöste Digitalisierungsschub muss so gesteuert werden, dass möglichst viele Beschäftigte davon profitieren – eine größere Ausschöpfung der Homeoffice-Potentiale könnte zu einer Verringerung der digitalen Spaltung beitragen", sagte Kleinert weiter.

[PA]

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