Die gewünschte Arbeitszeit weicht bei Frauen und Männern von der realen Arbeitszeit ab (Foto: Malvestida Magazine/unsplash.com ) Die gewünschte Arbeitszeit weicht bei Frauen und Männern von der realen Arbeitszeit ab (Foto: Malvestida Magazine/unsplash.com )
Studie

Arbeitszeiten zwischen Wunsch und Realität

Frauen arbeiten im Schnitt 32 Stunden pro Woche, Männer hingegen 41 Stunden – das macht 9 Stunden Arbeitszeitdiskrepanz zwischen den Geschlechtern. Dies ergab die Studie "Zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Unter- und Überbeschäftigung auf dem deutschen Arbeitsmarkt" von Forschern des ifo Instituts, die im Auftrag der Bertelsmann Stiftung entstand. Ab 1985 ermittelten die Forscher neben der tatsächlichen Arbeitszeit auch die gewünschte Arbeitszeit. Es stellt sich heraus, dass beide Geschlechter Wünsche abweichend der tatsächlichen Arbeitszeit haben.
 


Insgesamt möchten mehr Männer als Frauen ihre Arbeitszeit reduzieren. So arbeiten 50 Prozent der erwerbstätigen Männer länger, als sie gerne würden. Bei den Frauen sind es hingegen nur 41 Prozent. Andererseits wollen wiederum mehr Frauen als Männer ihre Stundenzahl ausweiten. Während nur 9 Prozent der Männer gerne mehr arbeiten wollen, ist der Anteil bei den Frauen doppelt so hoch. Er liegt bei 17 Prozent.
 


Die Studie erklärt auch, warum beispielsweise Frauen ihren Wunsch nach mehr Arbeitszeit nur schwer umsetzen können. Laut der Untersuchung liegt dies an fehlenden Betreuungsmöglichkeiten oder zu hohen Kosten für diese. Erst wenn sich Familie und Beruf gut miteinander vereinbaren lassen, so die Studie, sei eine Verwirklichung der Arbeitszeitwünsche von Frauen wahrscheinlich. Bei den Männer lässt sich feststellen, dass Kinder und die Betreuungssituation kaum Einfluss auf die Arbeitszeitwünsche haben. Noch immer dominiert also ein traditionelles Rollenverständnis.

Die Corona-Pandemie verschärft diese Situation. Fehlende Kinderbetreuung hat zur Folge, dass sich Mütter weiter aus der Erwerbstätigkeit zurückziehen. Für die Verwirklichung von Arbeitszeitwünschen von Frauen und damit auch Männern sind gute Kitas sowie gute Ganztagesangebote in der Schule von zentraler Bedeutung. Schließlich ist die Verwirklichung der Arbeitszeitwünsche laut der Studie entscheidend beim Erwerbseinkommen.

[PA]

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