Bis 2010 sollen auch in Deutschland die Bachelor- und Masterstudiengänge kommen (Foto: shutterstock.com/Syda Productions)Jean-Marc Friederici zeigt uns seine Uni, die TU Kaiserslautern (Foto: TU Kaiserslautern)(Foto: <a href="https://www.flickr.com/photos/lambda_x/5316341107/in/photolist-bDNFsx-bDNFup-bqTK3J-96MCZz/" target="_blank">Baháí</a> von <a href="https://www.flickr.com/photos/lambda_x/" target="_blank">lambda_X</a> lizensiert durch <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/" target="_blank">(CC BY-ND 2.0</a>)Die Fantastischen Vier (Foto: Public Address)Professor Hark Bohm leitet den Studiengang Filmregie an der Universität Hamburg (Foto: Public Address)Evangelischer Kirchentag 2005 (Foto: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_Evangelischer_Kirchentag#mediaviewer/File:DEKT2005_Lichter.JPG" target="_blank">Abend der Begegnung 2005</a> von <a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/User:Silberchen" target="_blank">Silberchen</a> lizensiert durch <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/" target="_blank">CC BY-SA 3.0</a>)Studentenproteste in Hamburg  (Foto: Public Address)

Studentische Unternehmensberatungen

Guter Rat ist günstig

published: 18.07.2005

Die Geschäftsführung der OSACAR GmbH: Benedikt Kasper, Inka Goethe, Christian Ruppert und Laura Seggedi (v.l.) (Foto: OSCAR GmbH) Die Geschäftsführung der OSACAR GmbH: Benedikt Kasper, Inka Goethe, Christian Ruppert und Laura Seggedi (v.l.) (Foto: OSCAR GmbH)

Die Zeit des Belächelns ist vorbei. Sie dauerte ohnehin nur kurz. Es war die Zeit, in der Unternehmungen dieser Art rar gesät und hierzulande noch weitgehend unbekannt waren – bei der etablierten Konkurrenz und bei der potenziellen Kundschaft sowieso.

Wenn heute jemand lächelt, dann ist es meistens das anerkennende Lächeln eines zufriedenen Auftraggebers. Studenten als Unternehmensberater haben längst einen festen Platz im Consultingbusiness.

Die studentischen Unternehmensberater der OSCAR GmbH Die studentischen Unternehmensberater der OSCAR GmbH

Angefangen hat alles in Frankreich. 1967 beschlossen einige Studenten der französischen Elite-Universität ESSEC, ihr theoretisches Wissen in die Praxis umzusetzen und gründeten unter dem Namen „Junior Enterprise“ eine studentische Beratungsinitiative. Es war das erste Mal, zumindest in Europa, dass sich Studenten anboten, gestandenen Unternehmen bei der Lösung betriebswirtschaftlicher Probleme zu helfen. Eine charmante Idee, die in Frankreich bald Nachahmer fand. Dennoch sollte es noch gut 20 Jahre dauern, bis das Prinzip nach Deutschland exportiert wurde. 1988 in Darmstadt gründeten Studenten aus Darmstadt das erste deutsche Pendant zum französischen Vorbild. Inzwischen hat sich das Prinzip durchgesetzt: Etwa 300 studentische Unternehmensberatungen gibt es in Europa, an die 80 Initiativen allein in Deutschland. Tendenz: steigend.

Erfolgsfaktor Geld
Das Geheimnis ihres Erfolges? Die schnelle Antwort lautet schlicht: Geld. Die Studenten verlangen für ihre Dienste deutlich weniger als professionelle Beraterfirmen. Und sind dadurch vielleicht genau die richtige Wahl für den mittelständischen Unternehmer, der die Umstellung auf eine neue Angebotssoftware erwägt oder auf der Suche ist nach neuen Marketingstrategien.

Die studentischen Unternehmensberater der OSCAR GmbH Die studentischen Unternehmensberater der OSCAR GmbH

Geld ist aber nicht das einzige Argument. Auch die Großen setzen zunehmend auf studentische Berater. Weil die frische Ideen mitbringen und kreative neue Wege gehen, abseits schnöder Formel-Lösungen aus dem Consulting-ABC.

Für die Studenten liegen die Vorteile ebenfalls klar auf der Hand. Einen besseren Einstieg in die Berufswelt kann es kaum geben. Und in der Bewerbung macht sich der Hinweis auf die Beratertätigkeit natürlich auch nicht schlecht.

Organisiert sind die studentischen Unternehmensberatungen in der Regel als Verein, Vereinsmitglieder sind die beratenden Studierenden. Das eigentliche Beratungsgeschäft läuft in der Regel so ab: Für jeden akquirierten Auftrag wird ein Projektteam zusammengestellt. Das Projektteam gründet dann – eine rechtliche Notwendigkeit – eine eigene Firma (zum Beispiel eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts), deren einziger Zweck es ist, den erteilten Auftrag zu erfüllen. Ist das geschafft, hat sich auch der Zweck der kleinen Firma erfüllt. Das nächste Projekt kann kommen.

Die Verbindung zur Uni ist bei den Campus-Consultants meist sehr eng. Die Hochschule stellt Büroräume zur Verfügung, die Beraterarbeit findet häufig parallel zum Studium statt und bei Bedarf stehen Dozent oder Professorin mit Rat und Tat zur Seite.

Ausnahme: OSCAR
Eine Ausnahme bildet „OSCAR“. Die studentische Unternehmensberatung mit Hauptsitz in Köln ist kein Verein, sondern agiert als richtige Firma mit eigenen Büroräumen. „OSCAR“ beschäftigt zwar auch „nur“ Studierende und junge Absolventen, ist aber absolut professionell organisiert.

Das Auswahlverfahren zum Beispiel. Wer sich für einen Job bei „OSCAR“ interessiert, muss sich ganz normal schriftlich bewerben. Ist die Bewerbung überzeugend, wird man zum Assessment Center eingeladen. Nur wer auch diese Hürde überspringt, hat's geschafft.

Bevor sie auf die Kunden losgelassen werden, erhalten alle Neu-OSCARianer Schulungen: Üblich sind Seminare zum Zeit- und Projektmanagment, Präsentationsschulungen und, je nach Auftragssituation, IT-Schulungen. Danach beginnt erst die eigentlich Projektarbeit.

Und noch etwas ist anders bei „OSCAR“: Im Gegensatz zu den meisten studentischen Unternehmensberatern müssen die „Oscarianer“ ihr Studium unterbrechen. Bei einer durchschnittlichen Arbeitszeit von 50 Stunden bleibt für den Hörsaal einfach keine Zeit mehr. Aus diesem Grund ist das Engagement bei „OSCAR“ zeitlich begrenzt: In der Regel bleiben die Studenten zwei bis vier Monate. Dann ist der Ausflug in die Businesswelt beendet und es geht zurück zum Campus.

Die studentische Unternehmensberatung OSCAR wurde 1992 gegründet. Sie hat ihren Hauptsitz in Köln. Anders als die meisten deutschen Initiativen ist Oscar nicht Mitglied im BDSU, dem Bundesverband deutscher studentischer Unternehmensberatungen. Das hat unter anderem historische Gründe: OSCAR ist das Kind einer anderen Mutter, des Organisationsforums Wirtschaftskongress (OFW) e.V.. Das OFW organisiert alle zwei Jahre den Wirtschaftskongress „World Business Dialog“ in Köln.

[Jens Findeisen]

Links

Oscar

OFW: Organisationsforum Wirtschaftskongress

BDSU: Bundesverband Deutscher Studentischer Unternehmensberatungen e.V.

JADE: European Confederation of Junior Enterprises

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