Karrierestrategien

Zum Wunschberuf studieren

published: 06.08.2008

Eine ideale Möglichkeit bietet ein Job, der Geldverdienen mit Berufserfahrung verbindet (Foto: shutterstock.com/Pablo Hidalgo - Fotos593) Eine ideale Möglichkeit bietet ein Job, der Geldverdienen mit Berufserfahrung verbindet (Foto: shutterstock.com/Pablo Hidalgo - Fotos593)

Patrizia war schnell. Sehr schnell. Zu Beginn ihres Studiums hatte sich die angehende Historikerin geschworen, möglichst wenig Zeit mit ihrer akademischen Ausbildung zu verbringen. Aus der Unterbietung der Regelstudienzeit machte die Studentin nebenbei ihren persönlichen Sport. Überrascht war die Schnellstudiererin dann, als sie sich nach sieben Semestern zum Diplom anmelden wollte und ihr Professor sie zurückhielt. Sie solle lieber noch ein paar Praktika oder ein Auslands-Semester absolvieren, hieß es. Schließlich wolle er keine reinen Theoretiker auf den Arbeitsmarkt loslassen, lautete seine Begründung.

Spätestens während der Suche nach Praxiserfahrung machen sich Studierende über ihre wirklichen Berufswünsche Gedanken. Die Zeit in einem Betrieb bringt unersetzbare Vorteile. Hier lernen viele Berufsaspiranten den – gelegentlich schmerzhaften – Unterschied zwischen Theorie und Praxis kennen. Der angehende Uni-Absolvent erwirbt hier auch erste soziale Job-Erfahrungen, etwa im Umgang mit Kunden und Kollegen. Gerade soziale Kompetenzen spielen bei Personalentscheidungen eine immer größere Rolle. Die Vorteile für genügend Praxiseinblicke während des Studiums liegen also klar auf der Hand. Doch Praktikum ist nicht gleich Praktikum. Deshalb solltet ihr auf einige Punkte achten.

Ein Job neben der Uni sollte euch nicht die Energie zum Studieren nehmen (Foto: Techniker Krankenkasse)Ein Job neben der Uni sollte euch nicht die Energie zum Studieren nehmen (Foto: Techniker Krankenkasse)

Jobben ja, unnötiger Stress nein
Die meisten Studierenden müssen während ihres Studiums jobben. Doch bringen euch weder das Kistenstapeln im Supermarkt noch die Nächte hinter der Bar im gewünschten Beruf voran. Eine ideale Möglichkeit in dieser Hinsicht bietet ein Job, der Geldverdienen mit Berufserfahrung verbindet. Seht euch bei eurem Studentenjob vor allem im Bereich eures Wunschberufs um. Durchforstet lokale Zeitungen und Fachmagazine, telefoniert das Branchenbuch ab und informiert euch bei Job-Börsen im Internet. Es ist nicht immer einfach, das Passende zu finden: Gerade in akademischen Tätigkeitsfeldern sind Jobs für Studierende oft rar und deshalb schwer zu ergattern. Versucht es trotzdem. Auch hier wird Hartnäckigkeit oft belohnt. Allerdings solltet ihr immer darauf achten, dass euch das Arbeiten nicht die notwendige Energie für das Studium klaut.

Wenn es nicht beim ersten Mal klappt, solltet ihr die Hoffnung nicht aufgeben. Möglicherweise könnt ihr auch eure Dozenten oder Professoren nach solchen Jobs fragen. Im Idealfall haben die nämlich Kontakte, die über die Uni hinausgehen, und können euch zumindest Ansprechpartner nennen. Leider werden solche Jobs oft nicht gut bezahlt. Für Studierende, die viel arbeiten müssen oder ihr Studium sogar ganz selbst finanzieren, ergeben sich oft in fachfremden Bereichen höhere Verdienstmöglichkeiten.

Praktika im Ausland
Viele Studierende möchten zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Warum nicht ein Praktikum im Ausland absolvieren? Schließlich festigt das nicht nur die Sprachkenntnisse, sondern erhöht oft auch die soziale Kompetenz. Ein Auslandspraktikum sollte nicht unbedingt zu Anfang des Studiums absolviert werden. Mehr Zeit habt ihr, nachdem das Grundstudium absolviert ist. Jetzt habt ihr schon erste Kenntnisse in der Theorie erworben, die im Idealfall auch zu ersten konkreten Vorstellungen vom späteren Berufsleben führen. Und genau die lassen sich jetzt mit einem Praktikum wunderbar testen.
Zu lange solltet ihr euer erstes Praktikum aber auch nicht aufschieben. Vertagt ihr dieses auf das Ende des Studiums, kommt euch möglicherweise Prüfungsstress dazwischen. Vorher habt ihr außerdem mehr Zeit, um eventuell nach Alternativen zu suchen. Sollte sich nämlich herausstellen, dass euch ein Praktikum und das dazugehörige Berufsfeld gar nicht gefallen, müsst ihr mit der Suche wieder von vorne beginnen.

Wichtige Praktika am Ende
Eine gute Strategie im Umgang mit Praktika besteht darin, die wichtigsten Praxiserfahrungen an das Ende eures Studiums zu legen. Zum einen habt ihr dann bereits Erfahrung aus den vorangegangenen Praktika und könnt so typische Anfängerfehler im Berufsleben vermeiden. Und zum anderen: Sollte sich aus eurer Tätigkeit ein Job ergeben, habt ihr es nicht mehr weit bis zum Ende eures Studiums. Damit stehen euch die Türen für einen idealen Berufseinstieg weit offen.

Die Lücke suchen
Vielseitige Praktika während des Studiums sind sicherlich eine gute Strategie, um die Jobaussichten zu steigern. Doch auch im Studium selbst könnt ihr strategische Entscheidungen treffen, die euch bei der Karriere zugute kommen. Eine dieser Taktiken besteht darin, sich inhaltliche Nischen und Lücken zu suchen. Das kann etwa über eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Fächerkombination erfolgen. BWL oder Jura mit katholischer Theologie zu kombinieren, hört sich auf den ersten Blick ungewöhnlich an. Doch wenn dahinter die Absicht steckt, später in der Verwaltung der Kirche zu arbeiten, erscheint diese Kombination logisch.

Bringen Praktika etwas für das spätere Berufsleben?

  • Na klar, Theorie und Praxis unterscheiden sich immerhin um Welten!

  • Keine Ahnung.

  • Glaube ich nicht, jeder Betrieb ist ja doch unterschiedlich.

Exotische Fächerkombinationen können sich später auszahlen. Wichtig ist, dass ihr möglichst früh eure eigene Lücke findet und diese mit eurem Studium füllt. Besonders Verbindungen von geisteswissenschaftlichen Fächern mit wirtschaftlich orientierten Studiengängen wie VWL und BWL oder auch Jura machen sich oft später bezahlt.

Kontakte zu Firmen aufbauen
Auch der Aufbau von Firmenkontakten ist wichtig. Das gilt besonders für Studenten, die später in der freien Wirtschaft arbeiten wollen. In diesem Bereich sind viele Unternehmen um ihren Nachwuchs bemüht und veranstalten Messen, auf denen sie ihre kommenden Mitarbeiter begutachten und über ihre Berufsmöglichkeiten informieren. Nach solchen Messen solltet ihr Ausschau halten. Es lohnt sich unbedingt, die Leute an ihren Unternehmensständen anzusprechen.

Tipp: spezielle Berufssparten wie etwa Medien- oder technische Berufe veranstalten gelegentlich Informationsveranstaltungen über ihre Berufsfelder. Hier solltet ihr unbedingt auftauchen.

Nach absolviertem Praktikum ist es empfehlenswert, zu dem Unternehmen weiterhin Kontakt zu halten. Das gilt selbst dann, wenn ein Job dort augenblicklich nicht in Aussicht steht. Schließlich kann sich das schon nach kurzer Zeit ändern. Und vielleicht seid ihr genau dann mit eurem Studium fertig und bereit für den Berufseinstieg. Eure alte Firma wird euch mit ziemlicher Sicherheit der Schnellstudiererin Patrizia vorziehen.

[Jörg Römer]

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